IT-Betrieb als strategischer Erfolgsfaktor Datagroup-CEO: „Mit KI können wir IT-Services völlig neu denken.“

Von Sylvia Lösel 4 min Lesedauer

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Während manche IT-Dienstleister mit Stagnation kämpfen, verzeichnet Datagroup ein solides Wachstum. Im Interview mit IT-BUSINESS erläutert CEO Andreas Baresel, warum das Unternehmen erfolgreich ist und welche Strategie es für 2025 verfolgt.

Andreas Baresel, CEO Datagroup(Bild:  Datagroup)
Andreas Baresel, CEO Datagroup
(Bild: Datagroup)

Die Geschäftsergebnisse von Datagroup sind positiv, während andere Dienstleister stagnieren. Für CEO Andreas Baresel liegt der Schlüssel zum Erfolg in der strategischen Neuausrichtung: „Vor etwa zwei Jahren haben wir einen Schwenk eingeleitet und setzen heute deutlich stärker auf organisches Wachstum“, erklärt der Manager.

Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg ist die Ausrichtung des Geschäftsmodells: „Etwa drei Viertel unseres Umsatzes kommen aus dem IT-Betrieb“, erläutert Baresel. Anders als bei Projekten oder Modernisierungsvorhaben, die in wirtschaftlich schwierigen Zeiten oft verschoben werden, laufen Betriebsdienstleistungen kontinuierlich weiter. „Wir sind nicht abhängig davon, ob Unternehmen und Organisationen in ein Projekt investieren oder eine Modernisierung durchführen“, so Baresel. „Ein SAP-System läuft unabhängig von den Zahlen der Kunden.“ Dieses stabile Geschäftsmodell erlaubt eine bessere Prognostizierbarkeit der Umsätze.

Hinzu kommt ein zeitlicher Versatz bei der Umsatzgenerierung: „Wenn wir gefragt werden, was uns für 2025 zuversichtlich stimmt, dann sind es unsere Vertriebserfolge aus dem Vorjahr.“ Die Transition, also die Einführungsphase beim Kunden, zeigt sich zunächst nicht im Umsatz. „Wenn wir Aufträge in einem Jahr abschließen, werden sie erst für den Umsatz des darauffolgenden Jahres gebucht. Dieses Vorgehen gibt uns eine gute Planbarkeit des Folgejahres.“

Innovation bedeutet auch, Services so zu entwickeln, dass sie passgenau für die Bedürfnisse der Kunden sind.

Andreas Baresel, CEO Datagroup

Innovation im Service

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, entwickelt Datagroup die Services kontinuierlich weiter. „Wir haben dieses Jahr unsere sogenannte Gen7, also die nächste Generation der Corbox, gelauncht“, berichtet Baresel. Diese ist vollständig auf Multicloud ausgerichtet, sodass Kunden während der Vertragslaufzeit Workloads zwischen verschiedenen Cloud-Optionen verlagern können.

„Jeder denkt immer, Innovation hat nur etwas mit neuen Projekten zu tun. Dabei bedeutet Innovation auch, Services so zu entwickeln, dass sie passgenau für die Bedürfnisse der Kunden sind“, erklärt der CEO. „Viele Kundenlandschaften sind inzwischen zu deutlichen Teilen in den großen Clouds gelandet. Das heißt, Betriebsdienstleistungen müssen nicht nur an die eigene Infrastruktur angepasst werden, sondern auch auf die der Cloud-Plattformen.“

KI als Zukunftsperspektive

Langfristig sieht Baresel großes Potenzial in der KI-gestützten Neugestaltung von IT-Services: „Mit Künstlicher Intelligenz können wir IT-Services völlig neu denken.“ Als Beispiel nennt er den Service Desk, wo Reaktionszeiten durch KI-Unterstützung drastisch verkürzt werden können, da Tickets automatisch klassifiziert und verteilt werden.

Auch das aktive Servicemanagement wird durch Künstliche Intelligenz transformiert: „Wenn wir KI-basiert auch die Daten der Kunden haben, können wir zum Beispiel bestimmte Service-Requests prognostizieren“, erläutert der CEO. So könnten etwa Vorgesetzte automatisch Vorschläge für Berechtigungen neuer Mitarbeiter erhalten, basierend auf Datenanalysen vergleichbarer Positionen.

Die geopolitischen Entwicklungen der letzten Monate haben das Thema digitale Souveränität in den Fokus gerückt. „In den letzten acht bis zehn Wochen wurde uns sehr klar vor Augen geführt, wie Technologieabhängigkeiten plötzlich zu einem Druckmittel werden können“, betont Baresel.

Datagroup hat bewusst verschiedene technologische Optionen offengehalten, während andere Dienstleister sich beispielsweise vollständig auf Cloud konzentriert haben. „Wir wollen die verschiedenen Optionen anbieten und mit dem Kunden gemeinsam entscheiden, was für ihn die richtige Variante ist. Wir haben schon immer beim Design unserer Plattformen mindestens eine Dual-Sourcing-Strategie gefahren.“ Zunehmend berücksichtigt das Unternehmen dabei auch Souveränitätsaspekte und kombiniert etwa amerikanische und nicht-amerikanische Technologien.

Ein wichtiger Wettbewerbsvorteil ist die BSI-Zertifizierung der Datagroup Defense Cloud. „Wir sind die Ersten, bei denen der gesamte sogenannte Informationsverbund einer Cloud-Infrastruktur zertifiziert worden ist“, erklärt Baresel. Diese erlaubt die Verarbeitung von VS-NfD-Daten (Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch), der niedrigsten Geheimhaltungsstufe im Bereich des Geheimschutzes.

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„Das Spannende dabei ist: Die Cloud als Ganzes ist zertifiziert, nicht nur einzelne Komponenten“, betont der CEO. Dies sei besonders relevant für Kunden aus kritischen Infrastrukturen, aber auch für Forschung und Entwicklung oder Energieversorgung, wo ein vergleichbarer Vertraulichkeitsanspruch besteht.

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(Bild:  Vogel IT-Medien)
(Bild: Vogel IT-Medien)

Dieser Artikel ist zunächst in der Ausgabe 7 der IT-BUSINESS erschienen. Neugierig geworden? Dann lesen Sie hier die Ausgabe kostenfrei digital als E-Paper.

Expansion in den KMU-Bereich

Während die Corbox-Services auf Unternehmen ab etwa 500 Mitarbeitern ausgerichtet sind, expandiert Datagroup nun in das Segment der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). „Wir sind dabei, im KMU-Segment auszubauen und haben drei Akquisitionen getätigt, um auch dort unsere Corbox-Erfolgsprinzipien anzuwenden“, so Baresel.

Für diesen Markt entwickelt Datagroup ein angepasstes Produktangebot: „Im KMU-Bereich wird das Produkt anders aussehen und leichter sowie schneller zugänglich sein, indem wir die Modularität und Kombinatorik noch weiter vereinfacht haben. Während Corbox einem Konfigurator gleicht, wird das KMU-Produkt noch stärker standardisiert sein – ‚Off the shelf‘, so wie ich in den Supermarkt gehe, ins Regal greife und weiß, welches Produkt ich bekomme.“ Der Launch des neuen Produkts, das nicht Corbox heißen wird, könnte laut Baresel noch 2025 erfolgen.

Die vier Kernelemente der Corbox

Die siebte Generation der Corbox, die seit zehn Jahren auf dem Markt ist, umfasst neun Service-Familien vom Service Desk über den Arbeitsplatz bis hin zu SAP und Cloud Services. Diese werden durch vier Kernelemente ergänzt:

  • CORCompliance: „Unsere Idee ist, mit der nächsten Generation diese Regulatorik in die Corbox einzubauen. Quasi als 'Compliance as a Service' werden Standards mitgeliefert, sodass der Service schon die Anforderungen erfüllt, die der Kunde erfüllen muss“, so Baresel.
  • CORSecurity: Security ist vollständig in alle Services integriert. „Die Grundsicherheit ist mit eingebunden, und der Kunde kann dann über zusätzliche Module den Level an expliziter Security bestimmen, den er braucht.“
  • CORCloud: Diese Multicloud-Option ermöglicht flexible Workload-Verlagerungen zwischen verschiedenen Cloud-Angeboten.
  • CORIntelligence: Datagroup setzt KI primär zur Optimierung der eigenen Prozesse ein.

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