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Investitionswille ist da, aber es fehlt an Kapazität Das TK-Netz ist das Rückgrat der Gesellschaft

| Autor: Sarah Gandorfer

Der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) hat seine jährliche TK-Marktstudie vorgestellt. Der Ausbau des schnellen Internets schreitet voran. Das Umsatzwachstum mit TK-Diensten ist jedoch gering.

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Ende 2020 können 62 Prozent aller Haushalte einen Gigabit-Anschluss buchen.
Ende 2020 können 62 Prozent aller Haushalte einen Gigabit-Anschluss buchen.
(Bild: Thissatan - stock.adobe.com)

Laut dem statistischen Bundesamt ist Deutschland beim schnellen Internet im europäischen Vergleich im Mittelfeld . International haben asiatische Länder wie Taiwan die Nase vorn. Deutschland belegt im weltweiten Vergleich der Internetgeschwindigkeit Platz 25.

Bei den Breitbandkunden hat die Deutsche Telekom die Nase vorn, dicht gefolgt von Vodafone.
Bei den Breitbandkunden hat die Deutsche Telekom die Nase vorn, dicht gefolgt von Vodafone.
(Bild: VATM)

Dass man die Situation hierzulande allerdings geradezu schwarz sehen müsste, findet der TK-Experte Prof. Dr. Torsten Gerpott von der Universität Duisburg-Essen, weniger. Er stellte die jährliche TK-Marktstudie des VATM vor. Der Verein ist eine Interessenvereinigung von rund 100 Telekommunikationsunternehmen und Multimediaunternehmen in Deutschland, die alle im Wettbewerb zur Deutschen Telekom stehen.

Bis Jahresende werden hierzulande über neun Millionen Gigabit-Anschlüsse in Breitbandkabelnetzen verfügbar sein. Das sind 65 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Insgesamt nimmt damit die Zahl der Gigabit-fähigen Anschlüsse um 10,3 Millionen zu.

Rund 24 Millionen Haushalte haben hierzulande schnelles Internet.
Rund 24 Millionen Haushalte haben hierzulande schnelles Internet.
(Bild: VATM)

Allerdings gibt es das Problem der Überlappung. So werden rund 60 Prozent der Haushalte mit FTTB/H (Fibre to the Building/Home) ebenfalls mit DOCSIS (Data Over Cable Service Interface Specification) abgedeckt und somit quasi doppelt versorgt. Deshalb können von den geschätzten 42 Millionen deutschen Haushalten nur knapp 26 Millionen mit Gigabit-Gechwindigkeit versorgt werden. „Wir sind aus meiner Sicht gut unterwegs und stehen nicht so schlecht da. Spannend wird es in den Regionen, die keine HFC-Netze (Hybrid-Fibre-Coax) haben – wie werden wir diese letzten 15 Millionen Haushalte noch ans Netz bringen? Hier kommt es stark auf den Ausbau an und auf ein intelligentes politisches Fördersystem“, führt Gerpott aus. Dabei liegt, laut dem TK-Experten, der Flaschenhals beim Ausbau der Glasfaseranschlüsse nicht im Investitionswillen der TK-Provider, sondern in den Tiefbaukapazitäten: Es braucht Zeit, bis der Bagger anrollt.

TK-Gesamtmarkt

So verteilt sich der TK-Gesamtumsatz nach Wettbewerbstypen und Netzen.
So verteilt sich der TK-Gesamtumsatz nach Wettbewerbstypen und Netzen.
(Bild: VATM)

Nach Schätzungen des VATM steigt der Gesamtumsatz der TK-Anbieter 2020 leicht um 600 Millionen Euro (+1 %) auf 58,9 Milliarden Euro. Die Erlöse im Mobilfunkmarkt wachsen um 0,4 Milliarden Euro auf 25,9 Milliarden Euro. Dabei entfallen 8,2 Milliarden Euro auf die Telekom und 17,7 Milliarden (+0,4 Milliarden Euro) auf die Wettbewerber. Im Festnetzmarkt werden die Unternehmen stabil 33 Milliarden Euro (+0,2 Milliarden Euro) umsetzen. Dabei entfallen 13,9 Milliarden Euro auf die Telekom (+0,2 Milliarden Euro) und die alternativen Anbieter ohne Kabelnetze verbuchen 12,9 Milliarden Euro (2019: 13,1 Milliarden Euro). Der Kabelmarkt wächst erneut um 0,2 auf nunmehr 6,2 Milliarden Euro.

Rund zwei Drittel des Umsatzes werden mit TK-Diensten für Privatkunden verdient. Das sind 37,9 Milliarden (+1,61 %). Davon entfallen 11,8 Milliarden Euro auf die Telekom Deutschland und 26,1 Milliarden Euro auf die Wettbewerber. Der Umsatz im Geschäftskundensegment bleibt im Vergleich zu 2019 mit 21 Milliarden Euro gleich. Der Geschäftskundenmarkt ist weiterhin hart umkämpft (Telekom: 10,3; Wettbewerber: 10,7 Milliarden Euro). Die Wettbewerber sind hier zu großen Teilen weiterhin auf Vorprodukte der Telekom angewiesen. Die Vermietung an die alternativen Anbieter beschert der Telekom wiederum hohe Einnahmen. Der Umsatzanteil bei Breitbandkabeldiensten liegt 2020 bei 6,2 Milliarden Euro.

Das TK-Festnetzgeschäft stabilisiert sich von 2019 auf 2020 bei 26,8 Milliarden Euro. Nachdem das Gesamtsprachvolumen zwei Jahre rückläufig war, steigt es in diesem Jahr wieder leicht um 10 Millionen Minuten auf 809 Millionen Minuten pro Tag an. Das Festnetzsprachvolumen geht um 24 Millionen Minuten pro Tag auf 235 Millionen Minuten (-9,27 %) zurück.

Das Mobilfunksprachvolumen steigt mit 4,64 Prozent von 345 auf 361 Millionen Minuten pro Tag. Softwarebasierte OTT-Verbindungen liegen bei 213 Millionen Minuten. Sie decken damit mehr als ein Viertel der Gesamtverbindungsminuten ab. „Mittlerweile telefonieren die Deutschen 70 Prozent der Zeit über die Mobilfunkanbieter und die OTT-Telefonieanbieter“, erläutert Studienautor Gerpott. „Die Umsätze wachsen leicht. Gerade in der momentanen, skurrilen Situation erfahren wir schmerzlich, dass die TK-Netze ein Rückgrat der Gesellschaft sind. Wir brauchen starke, ausgerüstete Netze mit einer Struktur in der sich die Wettbewerber puschen zum Wohl des Landes. Die Telekom hat nach wie vor eine starke Position und generiert mit Wettbewerbern gute Umsätze.“

Investitionen in den Ausbau

Die TK-Unternehmen planen bis Jahresende insgesamt 9,7 Milliarden Euro in Sachanlagen zu investieren. Das sind 1,04 Prozent mehr als im Vorjahr. Die alternativen Anbieter wollen dabei rund 5,3 Milliarden Euro, die Telekom 4,4 Milliarden Euro einsetzen. Die Wettbewerber des ehemaligen Monopolisten investieren dabei insbesondere in den Breitbandausbau auf dem Land und in den Ausbau der nachhaltigen und zukunftsfähigen FTTB/FTTH-Infrastruktur, während die Telekom bislang vor allem ihr altes Kupfernetz aufrüstet (Vectoring). Die Telekom investiert in diesem Jahr voraussichtlich 2,27 Prozent weniger als in 2019 (4,3 Milliarden Euro).

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Über den Autor

 Sarah Gandorfer

Sarah Gandorfer

Redakteurin bei IT-BUSINESS