Von der Insel will keiner mehr etwas wissen. Die Grenzen zwischen Unternehmensanwendungen verwischen – nicht nur über Schnittstellen – und gehostete Lösungen sind im Kommen. Robert Quotschalla, Mitglied der Geschäftsleitung bei Step Ahead, legt seine Sicht auf die Trends der Branche dar.
Zusammen mit den Nutzern wandelt sich Unternehmens-Software zu einem Allrounder.
Robert Quotschalla, Mitglied der Geschäftsleitung bei Step Ahead
(Bild: Step Ahead)
ITB: Der Begriff „Insellösung“ bei Unternehmens-Software hat einen negativen Klang. Während früher ein CRM, ein ERP und ein DMS parallel betrieben wurden, scheinen diese Segmente immer mehr zusammenzuwachsen. Entweder durch Schnittstellen oder weil Lösungen funktionell erweitert werden. Ist das ein allgemeiner Trend in der Branche und wie ist das bei Step Ahead?
Quotschalla: Insellösungen waren früher beliebt, weil sich jeder das Beste aus jedem Segment heraussuchen konnte. Momentan gibt es eine Kehrtwende. Heute liegt der Schwerpunkt nicht nur darauf, dass einzelne Lösungen, wie zum Beispiel das Ticketsystem, perfekt funktionieren. Viel wichtiger ist es, dass sie im Verbund, unternehmensweit und wirtschaftlich einsetzbar sind. Systeme wie CRM, ERP, DMS et cetera sind eng miteinander verknüpft und greifen ineinander. Der Betrieb von Parallellösungen macht heute keinen Sinn mehr. Als umfassende prozessabbildende Unternehmenslösung kann ERP nur als Komplettpaket funktionieren. Mit dem Vorteil für den Kunden, dass er sich nicht mit verschiedenen Ansprechpartnern herumärgern muss, sondern einen Anbieter als Partner hat: von der Beratung über die Implementierung bis hin zum Betrieb/Hosting der Unternehmenslösung. Es gibt viele Lösungsanbieter, die meinen, sie könnten alles. Auf der Basis unseres CRM- & ERP-Systems Steps Business Solution haben wir uns auf bestimmte Branchen spezialisiert. Übrigens, CRM und ERP zu verschmelzen, ist bei uns kein Trend, sondern etwas, was wir schon seit 17 Jahren praktizieren und von Beginn in unserer Lösung umgesetzt wurde. Denn nur wenn das CRM von Anfang an in das ERP-System integriert ist, richten sich alle Unternehmensprozesse zentral auf den Kunden aus. Somit wird eine optimale Kundenbetreuung auch im After Sales möglich.
ITB: Step Ahead arbeitet im DMS-Umfeld mit DocuWare zusammen. Was bringt diese Kooperation ihren Kunden und Partnern?
Quotschalla: Wir machen das, was wir gut können: ERP und CRM. Für alles Weitere haben wir handverlesene strategische Produktpartner ausgewählt und deren Produkte tief in unsere Lösung integriert. DMS ist eine logische Erweiterung einer CRM- & ERP-Lösung. Ist ein DMS integriert, greifen Unternehmensmitarbeiter direkt während des laufenden Arbeitsprozesses auf relevante Daten zu. Es verkürzen sich Lieferzeiten, die Beantwortungszeit von Kundenanfragen und die Dauer der Projektabwicklung. DocuWare ist für uns in puncto Dokumenten-Management der Partner der Wahl, sowohl im Hinblick auf das passende und sich ergänzende Produktportfolio, die Integrationsfähigkeit der Software als auch auf die räumliche Nähe des Unternehmens.
ITB: Was ändert sich durch den Trend hin zu Rundum-Sorglos-Paketen im Tagesgeschäft und in der Wertschöpfung der Partner?
Quotschalla: Warenwirtschaft wird oft mit ERP gleichgesetzt. Aber es ist viel mehr. Heute geht es bei ERP um eine umfassende Unternehmenslösung, die Wertschöpfungsketten von A-Z abbildet und steuert. ERP-Systeme bestehen meist aus einer Basislösung und ergänzenden Zusatzlösungen. Wichtig ist heute: Kunden wollen einen ERP-Partner und nicht zig Ansprechpersonen für verschiedene Lösungen. Da wir alle Partnerlösungen voll in unsere ERP-Lösung integriert haben, sind wir auch zentraler Kontakt für unsere Kunden. Und genau das wird gewünscht. Bevor wir allerdings die Installation vornehmen, betrachten wir ganz genau die Unternehmensprozesse des Kunden und erarbeiten die bestmögliche Abbildung sowie Steuerung der Prozesse. Rundum-Sorglos-Pakete bei ERP funktionieren nicht ohne Mithilfe des Kunden. Oftmals müssen anfangs – oder auch im Projektverlauf – Prozesse und Strukturen angepasst werden, damit das ERP-System bestmöglich funktioniert. Hier greifen wir auf unsere fundierten Branchenkenntnisse zum Beispiel in der IT-Branche oder im Technischen Handel zurück. Wir gehen zum Kunden und wissen, wie das Geschäft läuft und damit auch, wie wir den Prozess abbilden. Wir sind keine reine Warenwirtschaft, wir bieten eine Unternehmenslösung für unsere Kunden.
ITB: Wie wichtig sind branchenspezifische Anpassungen bei Step Ahead und welche Rolle spielen Partner dabei?
Quotschalla: Wir haben auf Basis unserer CRM- & ERP-Komplettlösung „Steps Business Solution“ für den Mittelstand verschiedene spezielle Branchenausführungen entwickelt. So zum Beispiel für die Branchen IT, Technischer Handel, E-Commerce und Service. Damit gewährleisten wir, dass unsere Kunden die richtigen Werkzeuge passend zu ihren individuellen Bedürfnissen haben. Unsere Branchenausführung STEPS.IT zum Beispiel ist auf die Bedürfnisse von IT-Systemhäusern und Softwareherstellern ausgelegt. LS BIZ für den Technischen (Groß-)Handel und Distributoren, STEPS.eCommerce für Online- und Multi-Channel-Händler und STEPS.Service für technische Serviceunternehmen. Natürlich spielen Partner für uns eine große Rolle. Denn Lösungen, die andere besser können, machen wir nicht selbst. So ist Estos zum Beispiel unser Partner für CTI, die Firmen Syska, SBS Software sowie Datev. unsere Partner für die Anbindung an Finanzbuchhaltung und Rechnungswesen, DocuWare unser Partner für den DMS-Bereich, Jucom für MDE (mobile Datenerfassung) und die Cop Software + Services unser Partner für die intelligente Beschaffung im Bereich IT. Alle Partnerlösungen sind dabei voll integriert, denn optimale Anbindungen sind uns sehr wichtig. Wir haben hier den Anspruch, die Besten zu sein.
ITB: „Cloud und Abo“ oder „On-Premise und ewige Lizenz“ – ist bereits entschieden, welchem Modell die Zukunft gehört?
Quotschalla: Ihre Frage kann man nicht pauschal beantworten. Die Zukunft gehört sicherlich in allen Branchen Cloud- und Subscription-Modellen. Paradoxerweise gibt es im IT-Umfeld aber noch viele, die über On-Premise gehen wollen. Vielleicht ist das auch eine typisch deutsche Eigenschaft. Sie wollen etwas haben, was ihnen gehört. Momentan betreiben IT-Unternehmen ihre Software noch oft selbst, weil sie es auch können. Wir verzeichnen aber verstärkt die Anfrage nach Hosting-Dienstleistungen. Für mich sind Software as a Service oder Managed Services weiterhin die Zukunft. Wir haben Kunden, die skalieren von 20 auf 50 User und wieder zurück. Und dabei ist die Software der Dienst, den sie benötigen. Und diese muss flexibel einsetzbar sein. Wir haben Kunden die Cloud und Abo nutzen, und die Kunden die auf On-Premise setzen. Wir vermieten Software, aber wir verkaufen sie auch und reagieren flexibel auf die Wünsche unserer Kunden. Denn beides hat Zukunft.
Stand: 08.12.2025
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