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#ITfightsCorona Cloudpilots: Vorbehalte gegenüber der Cloud schwinden

Autor: Michael Hase

Einwände gegen die Nutzung der Cloud kennt Bernhard Fieglmüller, Geschäftsführer beim Google-Partner Cloudpilots, zur Genüge. In der Coronakrise werden sie für viele Unternehmen hinfällig, beobachtet der österreichische IT-Profi.

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Bernhard Fieglmüller, Geschäftsführer bei Cloudpilots, rechnet damit, dass die Akzeptanz von Homeoffice nach der Krise dauerhaft anhält.
Bernhard Fieglmüller, Geschäftsführer bei Cloudpilots, rechnet damit, dass die Akzeptanz von Homeoffice nach der Krise dauerhaft anhält.
(Bild: Cloudpilots)

Viele Systemhäuser werden in der aktuellen Situation von ihren Kunden damit beauftragt, Remote-Arbeitsplätze in der Cloud einzurichten. Welche Beobachtungen machen Sie gerade bei Ihren Kunden?

Fieglmüller: Als Google Cloud Premier Partner ist genau dieses Thema unser täglich Brot. Dass aber der Bedarf nach ebensolchen Lösungen in den vergangenen Wochen eklatant angestiegen ist, spüren auch wir. Wir merken es vor allem daran, dass unsere Mitarbeiter nicht weniger zu tun haben, sondern mehr arbeiten als zuvor. Auch Unternehmen, welche momentan die Tore geschlossen halten und den Betrieb eingestellt haben, kommen vermehrt auf uns zu, um über weitere Möglichkeiten der Cloud für die Zeit nach der Krise zu sprechen, aber auch um aktuelle Kommunikationsthemen zu behandeln.

Collaboration-Plattformen, die es Teams erlauben, unabhängig vom Ort zusammenzuarbeiten, gibt es seit mindestens zehn Jahren. Warum haben viele Unternehmen diese Möglichkeiten noch nicht oder nur wenig genutzt, sodass sie jetzt Nachholbedarf haben?

Fieglmüller: Bislang gab es vielerlei Vorbehalte. Um einige Gründe zu nennen, warum Unternehmen bislang kaum oder gar nicht auf G Suite gesetzt haben: Das Change Management war vielen zu aufwendig. Aus Gewohnheit und ohne dringenden Bedarf wollten viele Unternehmen diese Schritte nicht gehen. Systemkritische Unternehmen trieb die immerwährende Sicherheitsfrage um. KMUs sahen oft den Bedarf aufgrund der persönlichen Nähe zu den Kunden nicht. Aber wie Sie richtig sagen, besteht jetzt dringender Nachholbedarf bei vielen Unternehmen. Und die genannten Gründe haben plötzlich keinen Stellenwert mehr.

Rechnen Sie damit, dass Kunden nach Beendigung der Coronakrise wieder zum alten Arbeitsstil zurückkehren werden oder werden sie die neuen Möglichkeiten nicht mehr missen wollen? Was sollte Ihrer Meinung nach unbedingt beibehalten werden?

Fieglmüller: Nein, damit rechne ich definitiv nicht. Sobald die Vorteile und die Potenziale der Cloud-Technologie erkannt werden, gibt es keinen Rückzug auf Null. Allerdings können wir nicht behaupten, dass momentan die Revolution der Arbeitswelt stattfindet. Man weiß auch, dass man Arbeitsplatz und Wohnraum aus einem psychologischen Aspekt trennen sollte. Jedoch bin ich davon überzeugt, dass vermehrt Arbeitgeber sehen werden, wie reibungslos die Arbeit von zuhause aus erledigt werden kann. Auf jeden Fall sollte die Möglichkeit zur freien Bewegung und Arbeitseinteilung bei Büromitarbeitern beibehalten werden. Nicht nur in dieser schwierigen Zeit ist das sinnvoll. Auch im täglichen Business kommt es vor, dass jemand zwischendurch mal weg muss oder nicht in die Arbeit kommen kann, weil die Kinder zum Beispiel krank zuhause liegen. Dennoch kann er seine Aufgaben erfüllen.

Wird die aktuelle Situation nach Ihrer Erwartung dazu führen, dass die Akzeptanz von Cloud-Angeboten in Deutschland generell einen zusätzlichen Schub bekommt? Welche Vorteile, die für eine Nutzung von IT as a Service sprechen, werden gerade jetzt besonders deutlich?

Fieglmüller: Dass Cloud-Dienste bereits in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind, ist nicht von der Hand zu weisen. Ob Google, Netflix, Amazon, Uber, Social Media oder in speziell gesicherten Clouds auch unsere Behörden und Versicherungen, die Cloud ist praktisch allgegenwärtig. Ob die Anwender ihr deswegen positiver gegenüberstehen werden, wird die Zeit zeigen. Jedoch ist anzunehmen, dass Unternehmen durch die momentanen Umstände größeres Vertrauen in Cloud-Technologie aufbauen werden. Klar wird, dass SaaS die breite Akzeptanz von Homeoffice zu verdanken ist. Kein Unternehmen könnte ohne Cloud so problemlos von einem Tag auf den anderen seine Mitarbeiter nach Hause schicken, ohne den Betrieb stark einzuschränken.

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 Michael Hase

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