Cisco setzt im Partnerprogramm einen stärkeren Fokus auf KMU in Deutschland. In Anbetracht des Fachkräftemangels und einer steigenden Bedrohungslage sollen diese auf die Digitale Transformation und die KI-gestützte Zukunft vorbereitet werden.
Deutsche Mittelständler müssen nicht nur auf die Fahrräder ihrer Mitarbeiter aufpassen. Durch gezielte Cyberattacken werden KMU auch immer häufiger Ziel von Cyberangriffen.
(Bild: Canva / KI-generiert)
Cisco ist ein Unternehmen mit einer 40-jährigen Geschichte, das vor allem für seine großen und komplexen Kunden aus dem Enterprise-Segment und seine Produkte wie Switches, Gateways und Router bekannt ist. Heute rücken Software und Dienstleistungen immer weiter in den Vordergrund. Entsprechend plant der amerikanische Anbieter, in Zusammenarbeit mit Partnern auch KMU dabei zu unterstützen, die erforderlichen Infrastrukturen für die Digitale Transformation und eine KI-gestützte Zukunft zu schaffen.
Stärkerer Fokus auf KMU
Ein verstärkter Fokus soll dabei auf kleinere und mittlere Unternehmen gelegt werden, die bei Cisco unter dem Begriff „Small und Medium Business" laufen. Hierunter fallen Kleinst- und Kleinunternehmen mit 0 bis 50 Mitarbeitern. Diese Unternehmen sind in der Regel inhabergeführt und verfügen in der Regel nicht über eine eigene IT-Abteilung. Als mittlere Unternehmen werden Firmen mit 100 bis 200 Mitarbeitern bezeichnet, die in der Regel über eine eigene IT-Abteilung oder sogar ein Data Center verfügen und damit auch über Ansprechpartner für Applikationen oder für Endgeräte verfügen.
Marcus Gerstmann, Leiter des KMU-Bereichs bei Cisco Deutschland, gab Agnes Panjas beim Cisco Roundtable in Garching Einblicke in die Bedürfnisse, Herausforderungen und Erfolge des deutschen Mittelstands – und zeigte auf, wie Cisco gemeinsam mit etablierten Partnern Lösungen dafür entwickelt.
(Bild: Vogel IT-Medien)
KMU sind Angriffsziel von Cyberattacken
Marcus Gerstmann, Leiter des KMU-Bereichs bei Cisco Deutschland, betont, dass angesichts einer zunehmenden Bedrohungslage die Notwendigkeit einer funktionierenden IT-Sicherheit so groß wie nie zuvor ist. Cyberangriffe seien mithilfe von KI mittlerweile sehr einfach zu starten. Gerstmann verweist auf eine Bitkom-Studie, laut der 43 Prozent der Cybersecurity-Attacken gezielt auf kleinere und mittlere Unternehmen gerichtet werden. 67 Prozent der Unternehmen, die einer Cyberattacke ausgesetzt waren, hätten danach existentielle Probleme gehabt.
Der Manager warnt daher vor einer Art „Digitalisierungsmüdigkeit“, die dazu führe, dass „viele kleinere und mittlere Unternehmen denken, es reiche aus ein Antivirus-Programm und eine Firewall zu installieren. Und dann wird mit viel Hoffnung schon alles gut gehen. Ich kaufe mir ja auch kein 10.000-Euro-Fahrrad und hänge mir dann für 19,99 Euro ein Schloss aus dem Baumarkt dran und sage: ‚Das wird schon gut gehen‘.“
Kleine Unternehmen stehen vor einem enormen Wettbewerb. Wenn Sie heute einen IT-Leiter einstellen wollen, dann sind diese enorm teuer und schwierig zu kriegen.
Marcus Gerstmann, Leiter des KMU-Bereichs bei Cisco Deutschland
Gerstmann verdeutlicht zudem, dass Cisco KMU mithilfe von KI und AI „Zugang zu IT-Services verschaffe, die vorher nur den ganz großen (Unternehmen) vorbehalten waren.“ Als Beispiel nennt er Contact Center, von denen Kunden „heute durch intelligente Automatisierung und KI-unterstütze Prozesse“ profitieren könnten.
Auch im Bereich Cybersecurity bietet Cisco kleineren und mittleren Unternehmen vielfältige Lösungen an. Als Beispiel kann hier die Cisco Talos Threat Intelligence genannt werden, die neue Bedrohungen frühzeitig identifizieren kann und von deren Knowhow künftig auch kleine Kunden profitieren.
Über Cisco Talos Threat Intelligence
Talos ist auf Cybersecurity-Forschung und Bedrohungsaufklärung spezialisiert und bietet umfassende Daten, um Organisationen vor sich entwickelnden Cyberbedrohungen zu schützen. Unabhängig von der Infrastruktur der Kunden, sollen Angriffe auf der Netzwerkebene abgewehrt werden können.
Cisco Talos sammelt und analysiert täglich Cyber-Bedrohungsdaten, darunter 30 Milliarden Ereignisse und 2.000 Malware-Proben pro Minute. Es blockiert täglich etwa 270 Millionen URLs und IPs.
Das Wissen von Talos fließt in Cisco Secure-Produkte wie Cisco Umbrella, Cisco Secure Endpoint und Cisco Secure Cloud ein, um die Netzwerksicherheit durch Echtzeit-Erkennung von Malware, URL-Blockierung und Richtlinienerstellung zu stärken.
Talos teilt seine Forschungsergebnisse, Einblicke und wöchentliche Berichte über Bedrohungen mit der Cybersicherheits-Community.
Im Bereich der Observability wurden ebenfalls Neuerungen angekündigt. ThousandEyes Traffic Insights soll dabei für eine verbesserte Transparenz des Netzwerkverkehrs sorgen. Durch umfassende Analysen soll diese Lösung dazu beitragen, die Performance und Stabilität von IT-Infrastrukturen zu optimieren. Die Lösung ist ab März 2025 verfügbar.
Wie sieht die KMU-Zielgruppe aus?
Im Dienstleister-Universum sieht Cisco zahlreiche Partner, die bereits die KMU-Zielgruppe bedienen. Mit folgenden Ausprägungen:
Partner, die heute schon einen großen Flächenvertrieb und Vertriebsteams haben, oder auch Retailstores. Diese sind meist Systemintegratoren oder Service Provider. Als Beispiel können hier die Telekom, Vodafone oder O2 genannt werden.
Partner, die ihren Value in digitalen Vertriebssystemen sehen. Als Beispiele können hier in Systemhäuser wie Bechtle, Synaxon oder Jacob Electronic genannt werden.
und regionale Partner, die durch ihr regionales Netzwerk die Kunden vor Ort sehr gut kennen und klassische IT-Beratung betreiben.
Gerstmann betont, dass auch die Partner von Cisco Wachstumschancen im KMU-Markt sehen, obwohl dieser in der Vergangenheit nicht das erwartete Wachstum gebracht hat. Die Gründe für den jetzigen Optimismus, sieht Gerstmann im jetzigen „Momentum", welches durch Angriffsvektoren, Technologien und Lösungen noch notwendiger machen würden. Entsprechend sagt der Leiter des KMU-Bereichs: „Der Mittelstand muss jetzt auf den KI-Zug aufspringen! Das ist nicht ‚nice to have‘, sondern das ist für viele Unternehmen eine absolute Notwendigkeit.“
Stand: 08.12.2025
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Im Gegensatz zu anderen konkurrierenden Unternehmen wie HPE, Fortinet oder Juniper, bietet Cisco den KMU keine Einzellösungen, sondern verfolgt einen „Alles aus einer Hand“-Ansatz. Mithilfe eines einfachen Cloud-basierten Dashboards können KMU das Netzwerk als „Plattform“ nutzen.
Ziel von Cisco sei laut Gerstmann „die Komplexität aus der Technik ein Stück weit raus zu nehmen“ und für die KMU den „gut geölten Motor zu Verfügung zu stellen, der sicher läuft“. Kunden, Partner, Reseller und Distributoren mit gültigen Serviceverträgen haben somit rund um die Uhr Zugang zum technischen Support.
Cisco holt Feedback ein
Cisco hat auf dem SMB Advisory Board in Lissabon Feedback von 60 europäischen Partnern eingeholt. Ziel sei es, den Markt und dessen Herausforderungen besser einschätzen zu können. Bereits das Eingangsstatement von Jeetu Patel, Executive Vice President and Chief Product Officer bei Cisco, macht klar, wo Cisco im Bereich KMU gerne stehen möchte. Entsprechend verdeutlichte er: „You can't build a great company if you don't have a great SMB practice.” (zu deutsch: „Man kann kein großartiges Unternehmen aufbauen, wenn man keine großartige SMB-Praxis hat.“)
Jeetu Patel, Executive Vice President and Chief Product Officer bei Cisco.
(Bild: Cisco)
Patel habe durch diese Aussage verdeutlichen wollen, dass Cisco sehr wohl klar sei, dass die Produktqualität maßgeblich von der Anzahl der Kunden abhänge. Die breit gestreute Kundenzahl unter den KMU, erfordere es, massiv an der Qualität der Produkte zu arbeiten und genau auf die Bedürfnisse der Zielgruppe einzugehen. Wie diese Produkte bei Cisco in Zukunft aussehen werden, wird sich zeigen.