Bisher war Cherry nur auf dem chinesischen Markt als Hersteller von Gaming-Peripheriegeräten wie Mäusen und Keyboards präsent. Mit der neuen Marke Cherry Xtrfy will der Hersteller aus Auerbach nun auch in Europa im Gaming-Segment Flagge zeigen.
Mit Cherry Xtrfy startet der Keyboard-Spezialist nun auch in Europa eine eigene Gaming-Marke. Sie umfasst neben Keyboards auch Mäuse und soll um weitere Produktgruppen erweitert werden.
(Bild: Cherry)
Mit seinen mechanischen MX-Tastenschaltern, die Cherry bereits Anfang der 80er patentiert hat, gehört Cherry zu den wichtigsten Zulieferern für Hersteller von Gaming-Keyboards und inzwischen auch Gaming-Notebooks. Auf dem heimischen Markt hat sich die Firma aus dem oberpfälzischen Auerbach bisher allerdings nicht als Hersteller eigener Gaming-Tastaturen hervorgetan. Hier hatte der vormalige Eigentümer ZF Friedrichshafen, an den Peter Cherry, der Sohn des Gründers, das Unternehmen verkauft hatte, Vorbehalte. Seit 2016 ist Cherry wieder eigenständig und kann somit nun auch ein globales Gaming-Engagement starten. Bisher war Cherry nur in China als Hersteller von Gaming-Eingabeperipherie präsent. Günter Vogl, der als Vice President Business Line Gaming das Geschäft in China aufgebaut hat, sagt, dass dort das nach chinesischen Maßstäben puristische Design und der Nimbus des „Made in Germany“ bei den MX-Switches für den Erfolg gesorgt haben. In Deutschland seien die mechanischen Keyboards eher „Hybrid-Produkte“, die sich für das Gaming und auch das Schreiben im Büro oder Homeoffice eignen.
Für den Start des globalen Gaming-Geschäfts hat sich Cherry allerdings Unterstützung geholt und im Dezember 2022 den schwedischen Hersteller Xtrfy übernommen, der sich vor allem im E-Sports-Sektor einen Namen gemacht hat. Am 26. April hat das Unternehmen auf einem Event im Gaming-Tempel Xperion in Köln nun mit Cherry Xtrfy eine eigene Gaming-Marke gestartet. „Mit Cherry Xtrfy stellen wir den kompetitiven Charakter unserer Produkte unter Beweis, die schon immer einen hervorragenden Ruf unter kompetitiven Gamern hatte“, sagt René Schulz, Vice President Business Unit Peripherals, zu der neuen Marke. „Wir sind immer auf der Suche nach Innovationen, dem besseren Produkt, der besseren Lösung für den Gamer, der gewinnen will. Jedes Produkt, jede Partnerschaft und Zusammenarbeit tragen dazu bei“, so Schulz weiter.
Um die Marke unter Gamern zu etablieren setzt der Hersteller auf Partnerschaften mit E-Sports-Teams. Zu ihnen zählen nun die norwegische Organisation Heroic, das französische Team Vitality sowie der schwedische Counter-Strike-Profi Patrik „Forest“ Lindberg, der bereits bei Xtrfy an der Produktentwicklung mitwirkte. In Köln verkündete Schulz zudem eine Partnerschaft mit dem deutschen Team SK Gaming, das auch international sehr bekannt ist.
Wie der Chef der Business Unit Peripherals betont, legt er mit der neuen Marke den Fokus aber nicht nur auf den E-Sports-Sektor, sondern will mit ihr ebenso ambitionierte Hobby-Gamer sowie Gelegenheitsspieler adressieren. Mit Headsets, USB-Mikrofonen und weiterem Gaming-Zubehör hat Cherry schon vor dem Start der Marke das Sortiment um für Gamer interessante Produkte erweitert. Sie werden nun gemeinsam mit bisherigen Xtrfy-Produkten unter ein gemeinsames Dach integriert. Neue Produkte aus diesen Bereichen werden in Zukunft den Cherry-Xtrfy-Brand tragen, wie Vogl betont. Bei den existierenden Produkten soll sich nur die Verpackung ändern.
Neue Produkte bei Cherry Xtrfy
Die ersten drei neuen Produkte von Cherry Xtrfy wurden ebenfalls in Köln enthüllt: Auf der Bühne zeigte der Hersteller die Keyboards MX 8.2 TKL Wireless, MX 3.0S Wireless und MX-LP 2.1 Compact Wireless. Zudem zeigte der Hersteller in Köln die neusten Xtrfy-Geräte: Das auf Wunsch individualisierbare Keyboard der K5-Serie sowie die 55 Gramm leichte Gaming-Maus M8 Wireless. Alle drei der neuen Keyboards nutzen mit der Cherry Advanced Wireless Technology eine neue Bluetooth-Technologie mit einem Low-Latency-Modus, der für ähnlich niedrige Reaktionszeiten sorgen soll, wie beim Anschluss via USB-Kabel. Eine herkömmliche Bluetooth-Verbindung ohne den eigenen Dongle wird ebenfalls unterstützt, allerdings dann mit höherer Latenz. Zudem lädt das mitgelieferte USB-Kabel nicht nur den integrierten Akku auf, sondern stellt auch eine USB-Verbindung her, falls der Spieler das einer Wireless-Verbindung vorzieht. Das Umschalten zwischen den verschiedenen Verbindungsarten erfolgt auf Tastendruck. Über Full-N-Key-Rollover, Anti-Ghosting und die WIN-Key-Sperre verfügen alle drei Modelle.
Cherry Advanced Wireless Technology
Den Kern der Cherry Advanced Wireless Technology bildet eine Bluetooth-Technologie mit einem speziellen Low-Latency Mode (LLM) für eine sehr niedrige Latenz von nur einer Millisekunde. Für Gamer ist das sehr wichtig, um im Spiel schnell reagieren zu können. Dabei nutzt der Hersteller einen neuen Bluetooth-Chipsatz von Nordic Semiconductor, den auch andere Hersteller von Gaming-Peripherie verwenden, allerdings mit selbst optimierter Software. Bei herkömmlichen Bluetooth- oder anderen Funkverbindungen auf dem 2,4-GHz-Band beträgt die Latenz laut Cherry zwischen 10 und 40 ms. Allerdings schaffen die Cherry-Keyboards die schnelle Reaktionszeit nur bei Verwendung des eigenen USB-Dongles. Auch ein manuelles Pairing ist hier nicht nötig.
Die niedrige Latenz wird primär durch die Übertragung kleinerer Datenpakete erreicht. Zudem reduziert die Cherry-Technologie die Gefahr von Störungen durch andere Geräte auf dem 2,4-GHz-Band. Die kleineren Datenpakete ermöglichen eine stabilere Verbindung, durch eine schnellere Fehlerkorrektur im Fall von Interfenenzen. Zudem nutzt LLM 40 Kanäle im ISM-Radio-Band und wechselt mittels Frequency Hopping Spread Spectrum (FHSS) bis zu 1.600 Mal pro Sekunde den Kanal. Proprietäre Funkübertragungen bei drahtlosen Eingabegeräten nutzen nur fünf bis acht Kanäle.
Durch den speziellen Low-Latency Mode (LLM) schaffen die neuen Cherry-Gaming-Keyboards eine sehr geringe Latenz, die auf dem Niveau einer Verbindung über USB-Kabel liegt.
(Bild: Cherry)
Stand: 08.12.2025
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Das Flaggschiff unter den neuen Keyboards ist das MX 8.2 TKL Wireless. Die Abkürzung TKL steht für tenkeyless, also den Verzicht auf einen Ziffernblock im gedämmten Alugehäuse und damit mehr Platz auf dem Tisch für ein großes Mousepad. Die separaten Cursortasten sitzen bei diesem Design jedoch an der gewohnten Stelle. Zur Wahl stehen zwei unterschiedliche Sorten von Gold-Crosspoint-MX-Switches: Red mit linearer Schaltcharakteristik und 45 cN Betätigungskraft sowie Brown mit taktiler Schaltcharakteristik und 55 cN Betätigungskraft. Das komplett in Schwarz oder siberfarbenem Gehäuse und weißen Tasten lieferbare Keyboard bietet zudem eine RGB-Beleuchtung mit mehr als 16 Millionen Farben. Geliefert wird das Keyboard in einem soliden Metallkoffer, der auch einen sicheren Transport bei Spiele-Sessions gewährleistet. Eine Handballenablage gehört nicht zum Lieferumfang, kommt aber später als Zubehör. Als Preis gibt Cherry 220 Euro (UVP) an.
Noch kleiner ist MX-LP 2.1 Compact Wireless für 147 Euro (UVP). Das nur 35 cm breite Keyboard mit 69 Tasten ist zudem niedriger, da Cherry hier die eigenen MX-Low-Profile-Silver-Switches einsetzt, die mit Schaltcharakteristik, 45 cN Betätigungskraft und nur einem mm Vorlaufweg arbeiten. Farbe bringt bei den kleinen Tastaturen nicht nur die RGB-Beleuchtung ins Spiel, sondern zudem noch verschiedene Farbvarianten bei den abriebfesten Tastenkappen. Die Farbeffekte der Beleuchtung werden in einem eigenen Speicher im Keyboard abgelegt.
Das MX 3.0S Wireless ist eine Weiterentwicklung des kabelgebundenen MX 3.0S. Das Full-Size-Keyboard ist sogar mit vier verschiedenen Schalter-Varianten erhältlich: MX Red, MX Brown, MX Blue mit taktiler Betätigung und Tastenklick sowie MX Black mit linearer Schaltcharakteristik und 60 cN Betätigungskraft. Die Tasten sitzen auch hier in einem Alu-Gehäuse, die Farbvarianten entsprechen dem MX 8.2 TKL Wireless. Es soll laut Cherry 189 Euro (UVP) kosten. Eine Handballenablage aus Alu gibt es gegen Aufpreis.