ERP zur Schnelleinführung Business One als Eintrittskarte für SAP in den Mittelstand
In vielen Chefetagen mittelständischer Unternehmen ist der Respekt vor einer SAP-Einführung deutlich größer als das Verlangen danach. Wie der SAP-Konzern in diesem Zwiespalt mit dem Produkt »SAP Business One« punkten will und welche Rolle der Channel dabei spielt, erläutert der Channelchef für SME-Kunden, Jürgen Kleinsteuber, im Gespräch mit IT-BUSINESS.
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ITB: SAP wird von vielen Unternehmenslenkern gleichgesetzt mit Programmierung und Customizing in der hauseigenen Programmiersprache ABAP oder der objektorientiert ausgelegten Variante ABAP Objects. Das Mittelstandsprodukt »Business One« fährt da einen völlig anderen Ansatz, oder?
Kleinsteuber: Richtig. Business One hat nichts mit den bekannten Modulen zu tun, für die gegenwärtig überall Berater gesucht werden. Business One basiert auf C++ und deckt alle Geschäftsprozesse ab, ohne den bekannten modularen Ansatz zu gehen. Das Paket ist eine voll integrierte Unternehmenslösung für die Bereiche Finanzwesen, Vertrieb, Kundendienst, Einkauf, Lagerverwaltung und Montagesteuerung. Die Oberfläche orientiert sich sehr an Windows und wird allgemein sehr schnell akzeptiert, insbesondere in Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitern.
ITB: Der Mittelstandsmarkt wurde für SAP in den vergangenen Jahren immer mehr ein Thema. So besteht das SAP-Lösungsportfolio für den Mittelstand inzwischen aus »SAP Business One«, »SAP Business All-in-One« und dem anrollenden Geschäft rund um »Business ByDesign«. Wie hat sich das Business-One-Geschäft denn entwickelt?
Kleinsteuber: Sehr erfreulich. In den Einsatzschwerpunkten Fertigung, Service und Retail setzen bislang etwa 15.800 Unternehmen weltweit auf Business One, Tendenz steigend. Derzeit gibt es etwa 1.340 Business-One-Partner, viele von ihnen erarbeiten auf Grundlage dieser Software Add-ons in Form vertikaler Branchenlösungen. Wir hatten das Produkt als Ergänzung zum Mittelstandsportfolio durch die Übernahme des israelischen Herstellers TopManage im Jahr 2002 eingeführt und sind damit einen Weg jenseits der allseits bekannten Anwendungen wie mySAP oder R/3 gegangen. Seit Anfang 2003 ist Business One auch als deutsche Sprachversion auf dem Markt.
ITB: Im kommenden Jahr soll Business One auf den Einsatz in Online-Shops getrimmt werden, einem immer wichtiger werdenden Segment. Was ist geplant?
Kleinsteuber: Eigentlich ist diese Lösung schon fit für den Einsatz im eTailer-Umfeld. So können Online-Shop-Anwendungen bereits über eine Standardschnittstelle in SAP Business One eingebunden werden. Im Hauptmenü gibt es dann einfach einen neuen Menüpunkt, der den automatisierten Datenaustausch von Produkt-, Kunden- und Bestelldaten zwischen den beiden Anwendungen ermöglicht. Was dazu kommen wird, sind webbasierte Ergänzungen für Webseller, die insbesondere die CRM-Funktionalitäten betreffen. Die Erweiterungen sind letztlich das Resultat aus der Übernahme des US-Softwareunternehmens Praxis Software Solutions.
ITB: Für viele Mittelständler gilt SAP als »Kraftakt in der Einführung« und teuer. Gleichzeitig heißt es aber, »wenn SAP dann läuft, dann läuft es rund«. SAP-Lösungen für SMB-Kunden müssen gute Antworten auf offene Fragen in diesem Zwiespalt geben. Wie viel kostet SAP Business One und wie lange dauert die Einführungsphase?
Kleinsteuber: Nun, das kommt natürlich auf die genauen Umstände an, ist im Prinzip aber eine ganz einfache Rechnung: Sie haben den Userpreis von rund 2.500 Euro und obendrauf kommen die Implementierungskosten für die Einführung und das Training der neuen User. Die Preise unserer Partner pro Manntag liegen bei etwa 800 bis 1.000 Euro und die Einführung eines Zehn-User-Systems nimmt im Schnitt 20 Tage in Anspruch.
ITB: SAP in 20 Tagen – das klingt ehrgeizig – ein wenig wie »in 80 Tagen um die Welt«…
Kleinsteuber: (lacht) Das ist aber durchaus realistisch. Um dem »teuer und komplex«-Image entgegen zu wirken, und insbesondere um die Schnelligkeit in der Einführung bei Business-One-Lösungen zu demonstrieren, hatten wir 2004 zur IT-Messe Systems ein ganz spezielles Referenzprojekt gestartet: Gemäß den speziellen Anforderungen des Referenzkunden haben wir damals zusammen mit Partnerunternehmen SAP Business One in nur 48 Stunden eingeführt. Zugegeben – da ging es schon heißer her, als bei einem durchschnittlichen Projekt, aber die Deadline haben wir problemlos eingehalten. Und nebenbei bemerkt ist es heutzutage dank moderner Technik auch wahrlich kein Problem mehr, in weniger als 80 Tagen um die Welt zu reisen.
Erläuterung SAP Business One
Die ERP-Lösung SAP Business One ist für kleine Mittelständler, die zwischen fünf und 150 Mitarbeiter beschäftigen konzipiert. Mit den klassischen SAP-Systemen, die in den konzerneigenen Programmiersprachen ABAP oder ABAP Objects programmiert wurden, hat das »C++«-System nicht viel zu tun. Seitens der Architektur und den modularen Funktionalitäten besteht keine Verbindung zu den Systemen mySAP oder R/3. Business One hat eine eigene GUI-Technik (Graphical User Interface, grafische Benutzeroberfläche), ist plattformgebunden und läuft derzeit nur unter dem Microsoft-Betriebssystem Windows. Daran orientiert sich auch die Benutzeroberfläche. An Funktionalitäten umfasst die Software folgende Bereiche: Finanzbuchhaltung, Controlling, Herstellung und Vertrieb, Customer Relationship Management (CRM), Personalwesen, Administration und Berichtswesen. SAP-Partnerunternehmen ergänzen die Standardfunktionen um branchenspezifische Features. Standardmäßig ist die Software auf die Geschäftsprozesse im Großhandel, der Fertigungsindustrie, dem Einzelhandel und der Dienstleistungsbranche ausgelegt. Auch SAP-Consultans arbeiten mit SAP Business One. Sie beschäftigen sich mit der »Parametrierung«, legen also zusammen mit der Geschäftsleitung die Einstellungen fest (auch Customizing genannt), schulen die User und sorgen bei Problemen für Abhilfe. Der Manntag kostet in diesem Umfeld in der Regel zwischen 800 und 1.000 Euro.
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