Angetestet: Lenovo Thinkpad T14s Gen 6 Business-Notebook mit Snapdragon X

Von Klaus Länger 4 min Lesedauer

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Eine Premiere in unserer Angetestet-Rubrik: Das Lenovo Thinkpad T14s Gen 6 ist das erste Copilot+-Notebook mit Qualcomm-Snapdragon-X-CPU, das wir unter die Lupe nehmen. Wir klären die Frage, ob das ARM-Thinkpad ein vollwertiger Ersatz für x86-Geräte ist oder ob es noch Einschränkungen gibt.

Das Thinkpad T14s Gen 6 mit 14-Zoll-Display bringt 1,24 kg auf die Waage. Es nutzt als Prozessor den Snapdragon X Elite X1E-78-100, das kleinste Modell der CPU-Baureihe. Dafür kann die CPU auf 32 GB RAM zugreifen.(Bild:  Lenovo)
Das Thinkpad T14s Gen 6 mit 14-Zoll-Display bringt 1,24 kg auf die Waage. Es nutzt als Prozessor den Snapdragon X Elite X1E-78-100, das kleinste Modell der CPU-Baureihe. Dafür kann die CPU auf 32 GB RAM zugreifen.
(Bild: Lenovo)

Der Begriff „Wintel“ steht für das enge Bündnis zwischen Microsoft und Intel. Bei der neuen Gattung der Copilot+-PCs, die Microsoft ins Leben gerufen hat, bleibt der Chipgigant jedoch erst einmal außen vor: Denn das Thema KI hat auch für Windows Priorität und eine NPU, also eine KI-Einheit im Prozessor, mit mehr als 40 Tops hat derzeit nur Qualcomm auf Lager. Im Lenovo Thinkpad T14s Gen 6 arbeitet ein Snapdragon X Elite X1E-78-10. Er ist das Einstiegsmodell der Elite-CPUs mit 12 Oryon-Cores und 3,4 GHz Taktfrequenz. Ihm fehlt der Dual-Core-Boost und auch die Adreno-GPU ist etwas langsamer. Die NPU leistet aber auch hier 45 Tops. Allerdings reicht die Leistung auch so aus, um Intels Meteor Lake zu schlagen, sofern ARM-native Software verwendet wird. Im Application-Lauf des PCMark 10, er nutzt Microsoft Office und Edge für ARM, erzielt das Thinkpad 13.122 Punkte und im ebenfalls ARM-nativen 3DMark Night Raid 26.720 Zähler. Ein HP Spectre 14 x360 mit Core 5 155H erzielt hier 11.440 und 21.541 Punkte. Die Akkulaufzeit im PCMark 10 war bei dem mit einem 59-Wh-Akku bestückten Thinkpad mit knapp über 12 Stunden sehr gut, aber weit entfernt von den „mehreren Tagen“, die Lenovo verspricht. Allerdings kann die Laufzeit über die Anwesenheitserkennung verlängert werden, die das Display dimmt, wenn sich der User abwendet. Zudem sperrt sich das Gerät bei Anwesenheit automatisch. Beim Thinkpad wird die Anwesenheitserkennung nicht über eine eigene Software, sondern über die Windows-Einstellungen konfiguriert. Die Snapdragon-X-CPU ist aktiv gekühlt, der Lüfter läuft aber nur bei sehr hoher Last an.

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Ausstattung mit 32 GB RAM

Der Arbeitsspeicher ist mit 32 GB LPDDR5x-8448 großzügig dimensioniert, die SSD mit PCIE-Gen4-Interface fasst ein TB. Im 1.899 Euro teuren Testgerät sitzt eine flotte Samsung PM9C1a im kompakten M.2-2242-Format. Das um 180 Grad schwenkbare 14-Zoll-Display mit 16:10-Seitenverhältnis und einer Auflösung von 1.920 x 1.200 Pixel basiert auf einem matten Low-Power-IPS-Panel, das laut Lenovo immerhin bis zu 400 cd/m² hell ist. Allerdings handelt es sich nur um ein 60-Hz-Panel. Externe Monitore können über den HDMI-2.1-Port oder die beiden USB-C-Ports mit USB4-Unterstützung angeschlossen werden. Die USB4-Implementierung im Thinkpad unterstützt Datenraten von bis zu 40 Gbps. Zudem verfügt der Rechner über zwei USB-Typ-A-Buchsen. Der Qualcomm-WLAN-Controller unterstützt Wi-Fi 7. 5G ist in Deutschland derzeit nicht erhältlich.

Die Full-HD-Webcam mit IR-Sensor und Linsenabdeckung sitzt in einer Ausbuchtung über dem Display. Die Windows-Studio-Effekte wie Auto-Framing, Hintergrund-Weichzeichner oder Filter laufen auf der NPU.

Keyboard und Touchpad sind sehr gut. Zusätzlich sitzt noch der Thinkpad-typische Trackpoint im Tastenfeld. Die Strg- und die Fn-Taste ordnet Lenovo beim T14s Gen 6 endlich in üblicher Reihenfolge an. Das Gehäuse aus Aluminium, Magnesium und Karbonfasern für das Displaycover besteht laut Hersteller zu 50 Prozent aus Recycling-Material.

Mehr ARM-native Software, aber noch Lücken

Die Software-Unterstützung für ARM-­Geräte unter Windows ist deutlich besser geworden. Laut Qualcomm sind inzwischen mehr als 175 Premium-Applikationen als native ARM-Version verfügbar. Die x86-Emulation, auch für 64-Bit-Software, hat Microsoft laut eigener Aussage weiter verbessert. Leider läuft die x86-Version des PCMark 10 nicht auf dem ARM-Notebook, daher mussten wir für einen Vergleich auf den „alten“ PCMark 8 zurückgreifen. Im Work-Lauf des Benchmarks kommt das Thinkpad T14s Gen 6 auf 2.624 Punkte. Diese Leistung liegt ungefähr auf dem Niveau eines fünf Jahre alten Intel Core i5-10210U mit vier Cores, reicht also für die Office-Nutzung vollkommen aus. Ein Gerät mit einem aktuellen Intel Core Ultra 7 155U ist allerdings hier mit 4.125 Punkten deutlich flotter.

Programme, die eigene Treiber mitbringen, die aber nicht für ARM verfügbar sind, laufen allerdings gar nicht. Dazu zählen viele Security-Programme, VPN-Clients und auch Spiele mit Anti-Cheat-Mechanismen. Die Community-Webseite Windows 11 on ARM listet native ARM-Programme sowie die Funktionsfähigkeit emulierter Software auf. Einen Überblick über die lauffähigen Spiele liefert die Seite Works on Windows on Arm.

Für einige VPN-Programme sind allerdings ARM-Versionen angekündigt und auch die NPU wird derzeit in Windows noch eher sparsam genutzt, etwa durch Paint für die KI-Bild­generation oder durch die Liveuntertitel-Funktion mit Übersetzung. Allerdings nutzt ARM-native Software von Drittanbietern, wie etwa Teile der Adobe Creative Cloud, die NPU bereits für einige Funktionen, so so nun lokal statt in der Cloud gerechnet werden.

Flottes Business-Notebook mit Zukunft, aber Einschränkungen in der Gegenwart

Das Lenovo Thinkpad T14s Gen 6 gibt in unserem Hand-on-Test eine sehr gute Vorstellung ab: Das 1.900-Euro-Business-Notebook ist schnell, leise, ausdauernd und sehr gut verarbeitet. Mit ARM-nativer Software ist es sogar flotter als Geräte mit Intel Core Ultra. Vor dem Business-Einsatz sollte allerdings geprüft werden, ob kritische Programme wie VPN-Clients funktionieren.

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