10 Punkte für die nächste Legislaturperiode Bitkom zieht Bilanz von 10 Jahren Industrie 4.0

Autor: Sarah Gandorfer

Vor einem Jahrzehnt wurde die vierte industrielle Revolution in Deutschland ausgerufen. Mit der Industrie 4.0 sollte sich die industrielle Produktion unternehmensübergreifend digital verzahnen. Das klappt nur teilweise. Wo es hakt, zeigt eine Umfrage des Bitkom.

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Es ist kompliziert: Industrie 4.0 ist ein Strukturwandel und es braucht deshalb einen langen Atem.
Es ist kompliziert: Industrie 4.0 ist ein Strukturwandel und es braucht deshalb einen langen Atem.
(Bild: ipopba - stock.adobe.com)

Industrie 4.0 feiert in Deutschland den zehnten Geburtstag. Die intelligente Vernetzung von Maschinen und Abläufen in der Industrie mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologie soll eine höhere Produktivität, neue Formen der Arbeit, innovative Geschäftsmodelle und geringere CO2-Emissionen durch Effizienzsteigerungen ermöglichen. Laut einer zur Hannover Messe 2021 veröffentlichen Bitkom-Studie sehen 95 Prozent der befragten Unternehmen Industrie 4.0 als Chance. 83 Prozent setzen bereits entsprechende Lösungen ein oder planen ihren Einsatz. 551 Produktionsleiter, Vorstände oder Geschäftsführer von Industrieunternehmen ab 100 Mitarbeitern nahmen an der Studie teil.

Industrie 4.0 gestaltet effizientere und nachhaltige Wertschöpfungsketten, bietet neue Geschäftsmodelle und schafft Arbeitsplätze in Deutschland“, ist Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder überzeugt. „Bedeutende Projekte wie Gaia-X und die Schaffung von europäischen Datenräumen sind wichtige Grundlagen eines funktionierenden Ökosystems für Industrie 4.0. Deutschland als Begründer des Zukunftsprojekts Industrie 4.0 muss gerade auch beim Einsatz von Industriedaten eine Vorreiterrolle einnehmen.“

Dennoch droht Deutschland bei Industrie 4.0 ins Hintertreffen zu geraten. So stufen sich fast 66 Prozent als Nachzügler oder gar als bereits abgehängt ein. Als größte Hürden nennt der Verein in seiner Studie fehlende finanzielle Mittel (77 %), Anforderungen an den Datenschutz (61 %) und an die IT-Sicherheit (57 %) sowie den Fachkräftemangel (55 %).

„Der Großteil der deutschen Industrieunternehmen sieht Industrie 4.0 als Chance für das eigene Geschäft. Die Entwicklung und der Einsatz solcher Lösungen sind daher ein Muss für eine erfolgreiche Digitalisierung des Standorts Deutschland“, betont Rohleder. „Industrie 4.0 ist auch in anderen Anwendungsfeldern wie Mobilität, Gesundheit, Klima und Energie zu einem strategisch wichtigen Einflussfaktor geworden. Die Bedeutung reicht über das produzierende Gewerbe weit hinaus.“

Positionspapier

Der Bitkom hat eine Reihe von Wünschen an die kommende Bundesregierung zusammengestellt, um das Potenzial von Industrie 4.0 schneller zu erschließen. Dazu gehören:

  • 1. Bessere steuerliche Rahmenbedingungen für Investitionen in Industrie 4.0
  • 2. Stärkung der steuerlichen Forschungs- und Entwicklungsförderung
  • 3. Auflage eines Investitionswettbewerbs zur Verringerung von C02-Emmissionen
  • 4. Voraussetzungen schaffen für eine rechtssichere Anonymisierung und Pseudonymisierung personenbezogener Daten sowie sicherer Datenaustausch
  • 5. Förderung der Kompetenzentwicklung Industrie 4.0 unter anderem mit Beratungsgutscheinen
  • 6. Innovationsförderung Industrie 4.0 mit leichteren Antragsverfahren
  • 7. Stärkere Ausrichtung der Verbundforschung auf Anwendung von innovativen Technologien
  • 8. Fortführung der Plattform Industrie 4.0
  • 9. Stärkung der Marke Industrie 4.0 auf europäischer Ebene
  • 10. Infrastrukturausbau

Das ausführliche Positionspapier „10 Jahre Industrie 4.0 – 10 Punkte für die nächste Legislaturperiode“ können Interessenten hier downloaden.

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Über den Autor

 Sarah Gandorfer

Sarah Gandorfer

Redakteurin bei IT-BUSINESS