Hersteller, Distributor und Cloud-Anbieter Bei Tarox werden Systeme für eine Lösung gebaut
Der PC wird seit 20 Jahren für tot erklärt. Warum Tarox trotzdem mit Assemblierung Geld verdient, erklärt Geschäftsführer Matthias Steinkamp. Kurze Produktionswege und ein hoher Individualisierungsgrad gehören genauso zu dem Erfolgskonzept wie ein Lösungsansatz.
Anbieter zum Thema

ITB: Wie kommt man auf die Idee, ein solches Unternehmen zu gründen?
Steinkamp: Es gab damals eine Firma, bei der ich angestellt war und die insolvent gegangen ist. Das war eine Kooperation zwischen einem Systemhaus und einem taiwanesischen Hersteller. Mit viel Enthusiasmus und auch etwas Naivität habe ich mir gedacht, ich könnte das besser machen. Bereits drei Tage nach der offiziellen Insolvenzbekanntgabe startete ich operativ mit meiner eigenen Firma und fünf Mitarbeitern. Kurze Zeit später kam Bernd Tillmann hinzu. Er war damals Einkaufsleiter bei CD in Freiburg. Wir kennen uns seit der neunten Klasse und hatten auch bei dem in die Insolvenz gegangenen Unternehmen zeitweise gemeinsam gearbeitet.
ITB: Wie ging es dann weiter?
Steinkamp: Mit Wachstum. Wir kauften 2000 die Cobbit Computergruppe aus Dresden und erwarben 2003 Crane Computer aus Paderborn. Zudem gab es diverse Systemhausbeteiligungen, die aber mittlerweile alle wieder bereinigt sind. In den 20 Jahren haben wir ein bisschen experimentiert. Mit der Umfirmierung zur Tarox Holding AG 2001 und der damit verbunden Aktiengesellschaft kam die Bereinigung, wir haben somit klare Strukturen geschaffen. Dabei haben wir den Fokus und die Kernkompetenzen herausgearbeitet.
ITB: Tarox ist Hersteller und Distributor in einem. Wo sehen Sie sich denn eher positioniert?
Steinkamp: Wenn ich mir die Entwicklung unseres Unternehmens in den vergangenen Jahren ansehe, dann sind die Begriffe Distributor oder Hersteller eigentlich nicht mehr die richtige Formulierung. Wir sind immer mehr ein Systemhersteller, der die Systeme mittlerweile zu Lösungen veredelt. Im Distributionsbereich ist das ganz klar Value Add und hat mit dem klassischen Boxenschieben nichts zu tun.
Hier die Impressionen von der Tarox Inside 2013:
ITB: Jetzt ist die Assemblierung in Deutschland doch eigentlich auf dem absteigenden Ast. Das sieht auch Teilezulieferer Intel global so und will deshalb bald die Produktion mit Motherboards einstellen. Bei Ihnen jedoch besteht ein Großteil des Geschäfts mit Assemblierung. Bleiben Sie auch künftig dabei?
Steinkamp: Der PC wird bereits seit 20 Jahren totgesagt. Wir haben mittlerweile eine klare Veränderung innerhalb der PC-Systeme, was die Form angeht. Die Geräte werden immer kleiner. Zudem nehmen auf der anderen Seite die mobilen Devices, egal ob Tablet oder Smartphone, dem klassischen PC-Markt Anteile weg. Trotzdem gehe ich davon aus, dass wir in den nächsten Jahr bei der stark individualisierten Assemblierung, wie wir sie betreiben, eher Zuwächse haben werden als eine Reduzierung der Aufträge. Das erkennt man auch gut an den aktuellen Meldungen, dass der PC-Markt in Westeuropa eingebrochen ist. Bei Tarox haben wir hingegen momentan ein leichtes Wachstum im Vergleich zum Vorjahrsquartal. Das beruht nicht auf Projektgeschäft, sondern auf einem stabilen Fachhandelsgeschäft. Wobei die Assemblierung – also das Zusammenfügen der einzelnen Komponenten zu einem System – der kleinste Baustein in unserem Prozess ist. Für das reine Zusammenschrauben eines Standard-Business-PCs brauchen wir, beginnend mit dem Einbau des Netzteils in ein System, bis er in die Endkontrolle übergeben wird, 16 Minuten.
ITB: Wo liegt dann der Aufwand?
Steinkamp: Die große Aufgabe liegt im Bereich der Evaluierung, also marktfähige Geräte zu designen, in der Qualitätssicherung, in der Installation und der Dokumentation der Systeme. Wie Sie auf unserer Messe sehen, präsentieren wir im Grundsatz immer eine Lösung, bei der unsere Hardware ein zentraler Baustein, aber somit eben nur ein Bestandteil ist. Unsere Geräte sind für die jeweiligen Lösungen stets zertifiziert. Dieser Teil unserer Arbeit hat deutlich zugenommen und wird auch immer stärker.
ITB: Bei kleinen Stückzahlen sind die Kosten hierzulande zu produzieren genauso hoch wie in Asien. Können Sie eigentlich mit der Tatsache, dass Sie in Deutschland produzieren – also made in Germany – beim Handel punkten?
Steinkamp: Wir haben den eigenen Anspruch, bei Qualität und Fertigung besser zu sein als der Wettbewerber, egal wo dieser herkommt. Ich glaube, der Vorteil der lokalen Fertigung ist der höhere Individualisationsgrad, den wir leisten, da wir ab der Stückzahl Eins auf dedizierte Kundenwünsche eingehen können. Zu diesem Zweck unterhalten wir Programmierer in der Produktion, die Qualitätssicherung und Prozessoptimierung digital in unsere Fertigungsprozesse einfließen lassen. Wir vergleichen heute Systeme elektronisch. Das muss man sich so vorstellen: Ist ein eingefrorenes Referenzsystem, welches über einen langen Zeitraum geliefert werden soll, identisch mit dem, das aus der Produktion herauskommt? Jede Komponente, die bei uns gefertigt wird, ist per Prüfprotokoll erfasst. Wir haben auch immer wieder Anfragen von Kunden, die sich aus asiatischen Quellen bedienen und mit Qualitätsproblemen zu uns kommen. Dabei kommt uns zugute, dass wir in sehr kurzen Rhythmen arbeiten, sodass wir Störungen schnell ausfindig machen und darauf reagieren können. Wir haben keine Container-Laufzeiten von acht Wochen, sondern können das Problem sofort angehen.
ITB: Sie hatten bereits die neuen PC-Formen angesprochen. Dazu gehören ebenfalls das Next Unit Computing (NUC). Wie sehen Sie hier das Marktpotenzial?
Steinkamp: Das Thema gewinnt an Bedeutung. Diese Systeme laufen bei uns unter der Eco-Serie, da sie energiesparender und leiser als herkömmliche PCs oder Minitower sind.
ITB: Bei den NUCs gab es allerdings anfänglich Probleme mit der Hitzeentwicklung. Ist das jetzt behoben?
Steinkamp: Ja, das hat sich erledigt. Wir haben auch mit der Markteinführung so lange gewartet, bis die Geräte störungsfrei liefen.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Tarox in der Cloud aktiv ist.
(ID:38996550)