Cloud-Ausbau in Europa AWS European Sovereign Cloud in Betrieb genommen

Von Alexander Siegert 5 min Lesedauer

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AWS hat die European Sovereign Cloud offiziell in Brandenburg in Betrieb genommen. Die neue Cloud-Region in Brandenburg richtet sich an regulierte Branchen und soll strenge Anforderungen an Datensouveränität, Isolation und Governance innerhalb der EU erfüllen.

Symbolischer Auftakt in Brandenburg: Die AWS European Sovereign Cloud richtet sich an öffentliche Auftraggeber und stark regulierte Branchen in der EU.(Bild:  AWS)
Symbolischer Auftakt in Brandenburg: Die AWS European Sovereign Cloud richtet sich an öffentliche Auftraggeber und stark regulierte Branchen in der EU.
(Bild: AWS)

Amazon Web Services (AWS) hat die allgemeine Verfügbarkeit der AWS European Sovereign Cloud (ESC) bekannt gegeben. Die neue Cloud-Umgebung ist vollständig innerhalb der Europäischen Union angesiedelt und sowohl physisch als auch logisch von anderen AWS-Regionen getrennt. Sie richtet sich insbesondere an öffentliche Auftraggeber sowie Unternehmen aus stark regulierten Branchen, die höchste Anforderungen an Datensouveränität, Isolation und Governance stellen.

Die erste Region der ESC ist in Brandenburg in Betrieb gegangen und wurde im Rahmen eines Launch Events am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam offiziell gestartet. Konkret handelt es sich um drei Rechenzentren an den Standorten Brandenburg, Baruth/Mark (Teltow-Fläming) und Finsterwalde (Elbe-Elster), die exklusiv für die ESC genutzt werden.

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Mit dem Start des Angebots adressiert AWS damit ein übergeordnetes Thema: die zunehmenden Anforderungen an Datenkontrolle und Digitale Souveränität in Europa.

Bei dem Launch Event erklärte der Hyperscaler, dass man mit dem neuen Angebot auf die Bedürfnisse von Kunden nach mehr Datensouveränität reagiere. Gründe dafür sind geopolitische Konflikte und regulatorische Vorgaben, die beispielsweise auch eine Verarbeitung von Metadaten ausschließlich in der EU erfordern.

Neue Local Zones

Neben der neuen Region in Deutschland kündigte der Hyperscaler auf der Veranstaltung an, die ESC um Local Zones in Belgien, den Niederlanden und Portugal zu erweitern. Diese souveränen Local Zones sollen nationale Anforderungen an Datenresidenz erfüllen und zugleich latenzkritische Anwendungen unterstützen. Sie werden Teil der ESC sein und deren Souveränitätskontrollen auf weitere EU-Länder ausdehnen.

AWS positioniert die ESC dabei ausdrücklich nicht als Ersatz für bestehende europäische AWS-Regionen. Vielmehr soll sie eine zusätzliche Option für Organisationen darstellen. So sehen es auch viele Partnernetzwerke. „Ich schätze, dass etwa 90 Prozent der Workloads weiterhin in reguläre AWS-Regionen gehen werden, da sich dort bereits mit dem regulären Cloud-Ensemble sehr sichere Umgebungen realisieren lassen“, erzählt beispielsweise Sven Seiler, Managing Director vom ESC Launch Partner Storm Reply.

Nach Angaben von AWS basiert die ESC auf einem eigenständigen Governance- und Betriebsmodell. Betrieb, Kontrolle und Sicherheit liegen ausschließlich bei in der EU ansässigen Mitarbeitern. Perspektivisch sollen diese Aufgaben ausschließlich von EU-Bürgern übernommen werden. Einen Zeitraum nannte AWS dafür auf dem Launch Event nicht. Die ESC verfügt über keine kritischen Abhängigkeiten von Infrastruktur außerhalb der EU. Selbst bei einer Unterbrechung der Konnektivität zum globalen AWS-Netz soll der Betrieb dauerhaft aufrechterhalten werden können.

„Das Beste aus beiden Welten“

Stéphane Israël, Managing Director AWS European Sovereign Cloud and Digital Sovereignty, erklärt: „Kunden wollen das Beste aus beiden Welten – sie möchten die komplette Palette der fortschrittlichen Cloud- und KI-Services von AWS nutzen können und gleichzeitig sicherstellen, dass sie strengste Souveränitätsanforderungen erfüllen können.“

Durch eine vollständig europäische Cloud in Technologie, Betrieb und Kontrolle ermögliche AWS Organisationen, „mit Zuversicht zu innovieren und dabei die vollständige Kontrolle über ihre digitalen Ressourcen zu behalten“.

Zur operativen Verankerung des Modells hat AWS zudem Stefan Höchbauer, Vice President AWS Global Sales Germany and Europe Central, zum Geschäftsführer der AWS European Sovereign Cloud ernannt. Er arbeitet eng mit Stéphane Israël zusammen, der weiterhin die Gesamtverantwortung für Management und Betrieb der souveränen Cloud trägt.

Nitro als Grundlage und ein neues Sovereign Reference Framework

Technologisch setzt AWS auch in der European Sovereign Cloud auf das Nitro-System als Sicherheitsgrundlage. Dennoch bildet die ESC eine eigene Partition (eusc-de-east-1), die physisch und logisch von der globalen AWS Cloud getrennt ist. Für die Nutzung sind separate Accounts sowie eine eigenständige Tooling- und Management-Konfiguration erforderlich.

Ergänzt wird das Angebot durch Verschlüsselungs-, Schlüsselverwaltungs- und Compliance-Mechanismen sowie ein eigenes, unabhängig validiertes Sovereign Reference Framework (ESC-SRF). Dieses dient Kunden als formalisierter Nachweisrahmen gegenüber Aufsichtsbehörden und Auditoren, um die Einhaltung ihrer Souveränitätsanforderungen belegen zu können. Zum Start stehen mehr als 90 AWS-Services aus Bereichen wie Compute, Storage, Netzwerk, Sicherheit und Künstliche Intelligenz zur Verfügung.

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Unterstützung aus der Politik

AWS unterstreicht den langfristigen Anspruch des Projekts mit umfangreichen Investitionen. In Deutschland plant das Unternehmen Investitionen von mehr als 7,8 Milliarden Euro, wodurch durchschnittlich über 2.800 Arbeitsplätze pro Jahr unterstützt werden sollen. Laut AWS sollen dadurch rund 17,2 Milliarden Euro zum deutschen Bruttoinlandsprodukt beigetragen werden.

Aus der Politik kommt deutliche Unterstützung. Dr. Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, erklärte bei der Eröffnung in Potsdam:

„Die AWS European Sovereign Cloud stärkt nicht nur Deutschlands Rolle als Standort für digitale Infrastruktur in Europa – sie belegt auch die Attraktivität unseres Landes für Investitionen in modernste Technologien.“

Auch Claudia Plattner, Präsidentin des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), betont die strategische Bedeutung souveräner Cloud-Angebote:

„Um mit digitalen Innovationen Schritt zu halten und gleichzeitig Digitale Souveränität zu ermöglichen, verfolgt das BSI eine Doppelstrategie. Erstens: Der europäische Markt und die hiesige Digitalindustrie müssen gestärkt werden. Zweitens: Außereuropäische globale Produkte müssen so angepasst und eingebettet werden, dass eine sichere und selbstbestimmte Nutzung möglich wird. Voraussetzung dafür sind im Bereich Cloud-Computing innovative Angebote, die als europäische Instanzen sowohl technisch als auch organisatorisch unabhängig betrieben werden.“

Partnerstimmen

In vielen Branchen und bei öffentlichen Auftraggebern gewinnt die Frage an Bedeutung, wie sich Cloud-Innovation und strikte regulatorische Vorgaben verbinden lassen. Durch die physische wie rechtliche Trennung der ESC und ihre Ausrichtung auf EU-Governance will AWS genau hier einen Mittelweg bieten. Diese Entwicklung steht nicht allein; sie reflektiert eine breitere Debatte darüber, wie digitale Infrastruktur in Europa gestaltet werden muss, um sowohl Wettbewerbsfähigkeit als auch rechtliche Unabhängigkeit zu sichern. Zum Marktstart ist AWS auf das Partnernetzwerk angewiesen, insbesondere aus regulierten Branchen. Dabei steht weniger der Funktionsumfang als vielmehr die Kombination aus technischer Trennung, europäischer Governance und operativer Unabhängigkeit im Fokus.

So betont Markus Ostertag, Chief AWS Technologist bei Adesso: „Die AWS European Sovereign Cloud bietet eine überzeugende Kombination: eine logisch getrennte und operativ unabhängige Cloud-Infrastruktur in Europa, die auf denselben bewährten Technologie-, Sicherheits- und Leistungsstandards wie die globale AWS-Infrastruktur basiert.“ Dieser Ansatz werde sich positiv auf die Cloud-Strategien europäischer Organisationen auswirken, so Ostertag.

Für Anbieter im Gesundheits- und Public-Sector-Umfeld ist vor allem die Verbindung aus Souveränität und Skalierbarkeit entscheidend. Andrea Fiumicelli, Board Member der Dedalus Group, sagt: „Die AWS European Sovereign Cloud bietet die Souveränität, Compliance und Skalierbarkeit, die unsere Kunden benötigen, und ermöglicht es uns, die Modernisierung und Transformation des Gesundheitswesens mit vertrauenswürdiger und verantwortungsvoller Innovation zu unterstützen.“

Zu den Launch-Partnern der AWS European Sovereign Cloud zählen unter anderem Accenture, Adesso, Bechtle, Capgemini, Deloitte, msg Group, NVIDIA, SAP und SoftwareOne. Erste Kunden aus dem öffentlichen Sektor sowie aus regulierten Branchen wie Energie, Gesundheitswesen und Finanzdienstleistungen nutzen die neue Cloud bereits.

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