Frequenzen für Mobilfunk bringen dem Staat 4,4 Milliarden Euro ein Auktion beendet: Provider wollen Mobilfunk-Netze zügig ausbauen

Redakteur: Harry Jacob

Die vier Mobilfunk-Anbieter Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica-O2 und E-Plus haben am Donnerstagnachmittag keine neuen Angebote mehr abgegeben. Nun steht fest, wer welche Frequenzen nutzen darf.

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Nach dem Abschluss der Mobilfunkfrequenz-Auktion soll jetzt der Netzausbau bei allen vier Providern zügig beginnen.
Nach dem Abschluss der Mobilfunkfrequenz-Auktion soll jetzt der Netzausbau bei allen vier Providern zügig beginnen.
( Archiv: Vogel Business Media )

Die Fünf-Milliarden-Grenze wurde nicht geknackt, zur Enttäuschung vielen Analysten – und sicherlich auch des Bundesfinanzministers. Aber auch E-Plus darf man zu den Verlierern zählen. Denn der Provider ist auf der Zielgeraden vom finanzstärkeren Konkurrenten Telefónica-O2 im 800-Megahertz-Spektrum ausgestochen worden. Dieser Frequenzbereich ist aufgrund der physikalischen Eigenschaften seiner Funkwellen besonders attraktiv, denn er ermöglicht den Netzausbau in wenig besiedelten Gebieten mit vergleichsweise wenig Funkmasten. Das bedeutet, dass die Kosten niedriger und der Zeitaufwand geringer sind als in anderen Bereichen.

E-Plus hatte vor der Auktion angekündigt, dass man sich unbedingt einen Teil dieses Frequenzbandes sichern wolle. Am Ende haben sich die sechs verfügbaren Frequenzblöcke gleichmäßig auf die anderen drei Provider verteilt. Dabei hatte es Ende vergangener Woche so ausgesehen, als sollten von den 800er-Blöcken zwei an die Telekom, zwei an Vodafone und je eines an Telefónica-O2 und an E-Plus gehen. Mehrere Tage änderte sich in diesem Frequenzband nichts mehr. Doch getreu dem Ebay-Motto 3-2-1-Meins begann Telefónica vor drei Tagen damit, um einen zweiten 800er-Block zu kämpfen. Letztendlich mit Erfolg.

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Im Zeichen von Merkels Breitband-Initiative

Nach dem Ende der Auktion teilten alle vier Bieter mit, dass sie nun zügig den Netzausbau vorantreiben wollen. Insbesondere der neue Netzwerkstandard LTE (Long Term Evolution) soll dazu beitragen, dass die bislang „weißen Flecken“ bei der Breitbandversorgung in nicht allzu ferner Zukunft mit DSL-ähnlichen Übertragungsraten per Mobilfunknetz angebunden werden können. Bis zu 100 MBit/s im Downstream und 50 MBit/s im Upstream sollen mit der Technologie möglich sein. Es muss sich aber erst noch zeigen, wie schnell die Empfangstechnik für den neuen Standard verfügbar sein wird.

Im Rahmen der Breitbandinitiative der Bundesregierung mussten sich die Auktionsteilnehmer verpflichten, bestimmte Ausbauziele umzusetzen. So müssen zunächst Städte und Gemeinden bis 5.000 Einwohner angebunden werden. Erst wenn 90 Prozent dieser Einwohner versorgt sind, dürfen die Städte mit 5.000 bis 20.000 Einwohnern versorgt werden, danach die bis 50.000 und zuletzt die Ballungsräume.

Die Frequenzbänder und ihre Nutzungsmöglichkeiten

In der Auktion kamen Frequenzblöcke von insgesamt rund 360 Megahertz unter den Hammer. Sie teilen sich wie folgt auf:

Frequenzbereich bei 800 MHz (790,0 bis 862,0 MHz)

Dies ist der Bereich der „Digitalen Dividende“, also des Frequenzspektrums, das durch die Digitalisierung des terrestrischen Fernseh-Empfangs freigemacht werden konnte, weil nach der flächendeckenden Versorgung mit DVB-T die analoge Ausstrahlung eingestellt wurde. Nun soll der Frequenzbereich für bundesweite LTE-Angebote genutzt werden. Bei der Auktion kamen Telekom, Vodafone und Telefónica-O2 zum Zug. Dieser Bereich war am stärksten umkämpft und brachte allein fast 3,6 der knapp 4,4 Milliarden Euro Auktionssumme ein.

Der sich oberhalb anschließende Frequenzbereich um 900 MHz wird für GSM-Mobiltelefonie im sogenannten D-Netz (Telekom, Vodafone) genutzt beziehungsweise für die darauf aufsetzenden Datenübertragungsstandards GPRS und EDGE.

Lesen Sie auf der folgenden Seite, wie sich die Frequenzbereiche für E-Netz, UMTS und regionales LTE darstellen.

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