Gustavo Möller-Hergt im Interview Also-Chef: „Der IT-Markt ist kein Fußballspiel“
Gustavo Möller-Hergt, CEO von Also, mag keine Vereinfachungen. Dem Topmanager sind Reseller, die noch nicht in der Cloud angekommen sind, genauso wichtig wie die Early Adopter.
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ITB: Über Ingram Micro und Tech Data sagen Sie gelegentlich, das seien nicht mehr Ihre Wettbewerber. Ist Also demnach kein Distributor mehr?
Möller-Hergt: Also ist ein Marktplatz der ITK-Branche geworden. Wir setzen auf die drei Standbeine: Supply, Solutions und Services. Die Distribution, die wir Supply Business nennen, ist und bleibt unser Hauptgeschäft und Wachstumstreiber. Die Profitabilität steigern wir aber vorwiegend mit den beiden anderen Bereichen: den Solutions und den Services. Das Cloud-Geschäft, das wir intern als Consumptional Business bezeichnen, ist heute eine den Services untergeordnete Abteilung.
ITB: Immerhin hat Also als erster Broadliner im Herbst 2014 eine Cloud-Plattform gelauncht, die auf der Channel Trends + Visions vor einem Jahr einen Schwerpunkt bildete. Welchen Stellenwert besitzt das Consumptional Business aus Ihrer Sicht?
Möller-Hergt: Der Begriff Broadliner passt schon lange nicht mehr zu uns. Wir haben bereits 2012 die Weichen richtig gestellt. Damals sahen wir, es kommt ein neues Geschäftsmodell, das wir noch nicht verstehen, für das wir aber ein Tool brauchen, das wir noch nicht haben. Nach einem Screening-Prozess und darauffolgenden Tests mit Firmen haben wir 2014 den finnischen Anbieter Nervogrid gekauft und mit dessen Technologie unseren Cloud-Marktplatz geschaffen. Diese Aggregationsplattform ist wie ein virtuelles Lager: Sie führt Anbieter – Hersteller und Service-Provider – sowie Abnehmer – Reseller – zusammen. Das ermöglicht die neue Nutzung der IT: den Konsum.
ITB: Ingram Micro und Tech Data haben 2015 ebenfalls Cloud-Marktplätze für den deutschen Markt gelauncht. Wird 2016 darüber entscheiden, wer die beste Plattform hat?
Möller-Hergt: Nein, das ist zu früh. Wer denkt, dass sich das Consumptional Business in diesem Jahr etablieren wird, der hat etwas verkannt. Es dauert in den verschiedenen Märkten unterschiedlich lang, bis sich das Modell durchsetzt. Time to Market in Deutschland ist länger im Vergleich zu Ländern, in denen die Akzeptanz der Cloud höher ist. Aber wenn sich die Cloud in Deutschland durchsetzt, dann richtig: Schauen Sie nur, wie viel der IT-Infrastruktur bei Unternehmen noch ausschließlich lokal installiert ist. Ein Riesenpotenzial. Allerdings fehlt es vielerorts an Bandbreite. Aus unserer Sicht spielt der Marktplatz eine Rolle bei der Entwicklung eines Geschäftsmodells, das in drei bis fünf Jahren wichtig sein wird. Wir haben heute bereits damit begonnen, Reseller dafür zu enablen.
ITB: Dann blicken wir ein paar Jahre nach vorn: Inwieweit wird die Cloud das klassische IT-Geschäft verdrängen?
Möller-Hergt: Die Cloud ist ein Tool! Das Consumptional wird das Transactional Business nie ganz ersetzen. Aber sehr wahrscheinlich wird das Consumptional Business in den kommenden Jahren stärker wachsen, und daraus ergeben sich für uns gute Geschäftschancen. Wir verfolgen beide Opportunitäten. Auf jeder internationalen Konferenz wird man heute als Redner abgestuft, wenn man nicht über Cloud spricht, und genauso wird man abgestuft, wenn man nicht über Hyperconverged Infrastructure spricht. Was soll das? Beides sind Geschäftsopportunitäten, mit denen man sich beschäftigen muss. Aber das normale Server-, Storage- und Networking-Geschäft sowie das On-Premises-Geschäft sind und bleiben die Basis, um alles weiterzuentwickeln.
Wie Also seine Partner bei der Bewältigung der Digitalen Transformation unterstützt, lesen Sie auf der nächsten Seite.
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