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ITB: Die neuen Top Level Domains können auch Marken oder andere Begriffe sein, beispielsweise .apple oder .starnberg. Was bedeutet das aus Sicht von Unternehmen?
Eggensperger: Insbesondere für große Unternehmen und Marken ergeben sich neue Möglichkeiten in der Kundenkommunikation und zur Bildung einer eigenen Community durch denkbare Domains wie .nivea, .mini oder eigene Unternehmens-Endungen wie .nike oder .siemens. Bis April 2012 haben Unternehmen die Chance, sich um eine eigene Domain zu bewerben und damit einen "eigenen Staat" im World Wide Web zu gründen, statt weiterhin mit Domains wie .de oder .com "zur Miete" zu wohnen. Zudem kann sich so der Antragsteller zum Vorreiter seiner Branche machen. Sollte sein direkter Konkurrent diese Chance verpassen, hat der Antragsteller einen bedeutenden Kommunikationskanal im Internet mehr – und der Konkurrent kann voraussichtlich auf absehbare Zeit nicht nachziehen.
ITB: Wenn der Internetnutzer weiß, dass er alle Produkte einer Marke nach dem Schema www.produkt.marke finden kann, sei er vor Falschinformationen sicher, argumentiert der Eco-Verband der deutschen Internetwirtschaft. Stimmen Sie dem zu?
Eggensperger: Dem stimme ich im Grundsatz durchaus zu. Nehmen wir ein aktuelles Beispiel. Derzeit kursieren Betrugsversuche, in denen ein sehr begehrtes neues Smartphone angepriesen wird. Doch statt an einem Gewinnspiel um einen 500-Euro-Gutschein und ein Vorkaufsrecht des Gerätes teilzunehmen, schließen die Nutzer ein kostenpflichtiges Abo ab. Mit einer eigenen Top-Level-Domain können Unternehmen ihre Kommunikationsaktivitäten dahingehend steuern, dass alles, was nicht von Domains wie .marke oder .unternehmen kommt oder unter solchen URLs gekauft werden kann, mit erhöhter Vorsicht zu genießen ist. Unternehmen und Markenartikler können so einen eigenen größeren Bereich im Internet für sich und ihre Kunde schaffen, denn sie selbst besser gestalten und kontrollieren können.
ITB: Welche Chancen ergeben sich durch diesen Radikalumbau des Internets für die digitale Wirtschaft?
Eggensperger: Ich halte die Möglichkeiten für so vielfältig, dass eine präzise Vorhersage kaum möglich erscheint. Denn auch kleinere Unternehmen und Nischenanbieter können von den nTLDs profitieren, da sie nun viele weitere Optionen haben, um ihren Firmennamen prägnant in einer Domain "unterzubringen", beispielsweise mit mueller-gmbh.berlin oder schlicht mueller.gmbh. Oder sie können sich durch allgemeine Begriffe, die zum Produkt oder Service passen, im Netz besser auffindbar machen, etwa mit einer generischen Domain wie urlaub.bayern – und sich dadurch zusätzliche Geschäftspotenziale sichern. Unternehmen mit einer eigenen TLD stehen ohnehin alle Möglichkeiten offen: Denkbar ist zum Beispiel, dass Kunden beim Kauf bestimmter Produkte eine Domain mit der Endung des Herstellers oder Produktes dazu erhalten.
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