Die Revolution des Internets

Zwischen 200 und 1.000 Anträge für neue Top-Level-Domains erwartet

Seite: 3/3

Anbieter zum Thema

ITB: Und welche Risiken sind Ihrer Meinung nach zu beachten?

Eggensperger: Gerade bei einer eigenen Top-Level-Domain müssen sich die Unternehmen genau überlegen, wie sie ihren eigenen Namensraum im Internet führen möchten. Icann-Chairman Stephen Crocker hat es auf unserer newdomains.org-Konferenz zu den neuen Top-Level-Domains auf den Punkt gebracht: „Jede Organisation sollte für sich entscheiden, wie sie die nTLDs zu ihrem Vorteil nutzen möchte". Sie müssen sich also eine klare Strategie zurechtlegen. Ohne klare Vorstellung, was man mit der eignenen TLD machen möchte, bleiben die Chancen dieses neuen Freiraums ungenutzt.

ITB: Wie aufwändig wird es sein, an eine der neuen TLDs zu kommen?

Eggensperger: Zunächst zum finanziellen Aufwand: Die Gesamtkosten belaufen sich – grob geschätzt – etwa in der Größenordnung von 500.000 Euro im ersten Jahr. Diese Summe setzt sich zusammen aus den 185.000 Dollar Bewerbungsgebühren bei der ICANN und weiteren Kosten, etwa das Aufsetzen und Betreiben der technischen Infrastruktur. In den Folgejahren kommen Betriebskosten ab etwa 60.000 Euro pro Jahr hinzu. Das ist einerseits viel Geld. Wenn man es aber beispielsweise mit den Produktionskosten eines TV-Werbespots eines großen Unternehmens vergleicht, relativiert sich das schon deutlich. Vor allem aber müssen insbesondere die Unternehmen, für die eine eigene Domain ein ernstzunehmendes Thema ist, sich jetzt damit beschäftigen. Die Zeit drängt nämlich, denn am 12. April 2012 endet die Bewerbungsphase – und wann es eine zweite Bewerbungsrunde geben wird, ist derzeit nicht absehbar. Über die für eine Bewerbung erforderlichen Dinge wie Personal, Budgets und Infrastruktur muss aber jetzt entschieden werden, um Anfang nächsten Jahres eine stimmige Bewerbung bei der ICANN einreichen zu können.

ITB: Was ist, wenn sich ein Unternehmen dagegen entscheidet, sich seine Marken-TLD zu sichern? Inwieweit besteht dann die Gefahr, dass Wettbewerber oder Privatpersonen Schindluder mit der Domain treiben und wie kann man sich schützen?

Eggensperger: Wenn sich ein Unternehmen fundiert und bewusst dagegen entscheidet, passiert zunächst mal gar nichts. Lange Gesichter wird es aber sicher dann geben, wenn man zunächst gedacht hat „Meine jetzigen Domains funktionieren doch, was brauche ich eine eigene TLD?“ – und dann feststellt, dass der direkte Konkurrent schneller war und womöglich mit einem klugen Konzept hinter einer eigenen Endung an den Markt geht. Dann kann kurz- und mittelfristig nicht reagiert werden. Zum Thema Marken-Missbrauch: Der Schutz vor der missbräuchlichen Verwendung ist ein zentraler Komplex des gesamten nTLD-Programms. Bewerber müssen unter anderem die Rechte an einer Marke nachweisen. Damit ist ausgeschlossen, dass sich etwa Adidas um die .nike bewirbt oder umgekehrt. Es sind aber durchaus spannende Konstellationen denkbar: Stellen Sie sich vor, dass sich beispielsweise das Düsseldorfer Handelsunternehmen und die Pariser U-Bahn jeweils um die Endung „.metro“ oder dass sich der Schokoriegelhersteller ebenso wie der Küchenrollenproduzent um die TLD „.bounty“ bewerben. Das wäre dann aber keine Frage von Missbrauch, sonders des stärkeren Rechts an der Endung. Wie eine solche – fiktive – Kollisionen entschieden würde, lässt sich kaum vorhersagen.

(ID:30130390)