Western Digital Innovation Day 2026 Western Digital: Rasante 140-TB-HDDs

Von Klaus Länger 4 min Lesedauer

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Auf dem Innovation Day 2026 hat Western Digital Technologien vorgestellt, mit denen WD-Festplatten in den kommenden Jahren massiv an Kapazität und Performance zulegen sollen, um die rapide wachsenden Ansprüche der Datacenter zu erfüllen.

Ahmed Shihab,  Chief Product Officer bei Western Digital, zeigt beim Innovation Day 2026 den Prototypen einer Festplatte mit Dual Pivot Technology. Sie soll eine Verdopplung der Performance bei sequenziellen Zugriffen ermöglichen.(Bild:  Western Digital)
Ahmed Shihab, Chief Product Officer bei Western Digital, zeigt beim Innovation Day 2026 den Prototypen einer Festplatte mit Dual Pivot Technology. Sie soll eine Verdopplung der Performance bei sequenziellen Zugriffen ermöglichen.
(Bild: Western Digital)

Mit neuen Technologie will Western Digital bis 2030 die Flächendichte deutlich erhöhen und HDDs mit 140 TB Kapazität ermöglichen. Damit will der Storage-Spezialist dem Speicherhunger von KI-Rechenzentren begegnen.

Momentan geht es den Herstellern von Festplatten glänzend: Hyperscaler und Betreiber von KI-Rechenzentren bauen immer neue große Datacenter, die enorme Mengen an Speicherplatz benötigen. Und laut Western-Digital-CEO Irving Tan werden dort 80 Prozent der Daten weiterhin auf HDDs gespeichert, deren Preis pro TB immer noch deutlich niedriger ist als bei SSDs. Damit das so bleibt, treibt Western Digital die Entwicklung von Festplatten mit immer größerer Kapazität konsequent voran. Zudem sollen die HDDs in den kommenden Jahren deutlich schneller werden und weniger Strom verbrauchen.

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HAMR kommt auch bei Western Digital

Seagate verkauft bereits Festplatten mit HAMR-Technolgie, bei der ein winziger Laser die Speicherdichte der Magnetscheiben in einer HDD erhöht. Western Digital will im kommenden Jahr mit 44-TB-HAMR-HDDs nachziehen. Derzeit sind die mit 14 Plattern ausgestatteten Festplatten bei einigen Kunden in der Qualifizierung. Der Hersteller verspricht für die HAMR-HDDs eine ähnliche Haltbarkeit und Performance wie bei den bisherigen ePMR-Modellen. Ein von WD entwickelter und patentierter Vertical-Cavity-Surface-Emitting-Laser (VCSEL) soll die Kapazität in den kommenden Jahren noch massiv steigern. Er ist laut Ahmed Shihab, Chief Product Officer bei Western Digital, im Vergleich zu den bislang verwendeten Edge-Emitting-Lasern kleiner und präziser. Zudem sei die Ausbeute bei der Produktion der Schreib-Lese-Köpfe besser. Mit dieser neuen Technologie will Western Digital bis 2030 die Flächendichte deutlich erhöhen und so 10 TB pro Platter erreichen, also HDDs mit 140 TB Kapazität.

Gleichzeitig soll die Kapazität herkömmlicher ePMR-Festplatten weiter steigen. Noch dieses Jahr soll eine UltraSMR-HDD mit 14 Plattern und 40 TB Kapazität auf den Markt kommen. In zwei Jahren sollen dann sogar bis zu 60 TB möglich sein.

Höhere Performance durch High-Bandwidth-Drive

Mehrere Storage-Hersteller, allen voran Pure Storage, setzten auf verhältnismäßig günstige QLC-SSDs, um damit vor allem Hybrid-Flash-Systeme mit SSDs und HDDs überflüssig zu machen. Ein Argument für diese kostspieligeren Systeme ist dabei deren höhere Performance. Mit schnelleren HDDs will Western Digital kontern. Sie sollen das SATA-Limit von etwa 500 MB/sogar deutlich übertreffen. Den Schlüssel dazu stellen zwei unterschiedliche Technologien dar: High Bandwidth Drive und Dual Pivot.

Die High-Bandwidth-Drive-Technologie (HBDT) soll das gleichzeitige Lesen und Schreiben von Daten mit mehreren Köpfen gleichzeitig ermöglichen, was bisher noch nicht funktioniert. Zwar haben alle Festplatten mehrere Schreib-Lese-Köpfe. Doch greift nur einer davon jeweils auf einen Track auf der Magnetscheibe zu, da es schwierig ist, mehrere Köpfe genau über den Tracks zu positionieren. Die Triple-Stage-Actuator-Technologie mit drei Drehpunkten pro Laufwerksarm von Western Digital soll dies durch eine exaktere Positionierung ermöglichen.

Höhere Kapazitäten dank Dual-Pivot-Technologie

Zunächst soll noch dieses Jahr eine Verdoppelung der Bandbreite durch zwei simultane Zugriffe erfolgen, bis 2030 dann die 8-fache Bandbreite. Die Dual-Pivot-Technologie soll die Zugriffe beschleunigen und gleichzeitig die Kapazität erhöhen. Im Gegensatz zur Dual-Actuator-Technologie von Seagate, bei der zwei unabhängige Sätze von Armen übereinander montiert sind, montiert Western Digital sie diagonal entgegengesetzt im Laufwerksgehäuse. Diese Anordnung, die Conner bereits 1991 bei der 500-MB-SCSI-Platte Chinook CP-5500 verwirklicht hatte, erhöhe nicht nur die Zugriffsgeschwindigkeit und die Datenrate. Vielmehr ermögliche sie eine höhere Zahl von Magnetscheiben pro Drive. Denn bei herkömmlichen HDDs und auch bei Seagates Dual-Actuator-Implementierung sitzen jeweils zwei Schreib-Lese-Köpfe auf jedem Arm: einer für die Oberseite und einer für die Unterseite der jeweils benachbarten Magnetscheibe. Bei Western Digital ist dagegen einer der Aktuatoren nur für die Oberseite und der andere nur für die Unterseite zuständig. So können der Abstand der Platter vermindert und deren Anzahl pro HDD erhöht werden.

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Die Kombination beider Technologien soll den sequenziellen Durchsatz von den heute möglichen 300 MB/s auf zunächst bis zu 1.200 MB/s vervierfachen. Mit 8-Track-HBDT wären sogar bis zu 4.8 GB/s möglich.

Sparsamere HDDs für „kalte“ Daten

Für „kalte“ Daten die zwar selten, aber dann zügig zur Verfügung stehen müssen, etwa für KI-Training oder Inferenz, bieten sich HDDs als Datenträger an. Tape ist zu langsam beim Zugriff, QLC-SSDs zu kostspielig, so Western Digital.

Um den Energieverbrauch in Rechenzentren zu senken, entwickelt der Festplattenhersteller spezielle HDDs für diesen Anwendungszweck, die mit 20 Prozent weniger Strom auskommen sollen. Sie arbeiten mit einer niedrigeren Drehzahl, was die Zugriffszeit erhöht, dafür aber eine bis zu 10 Prozent höhere Kapazität bietet. Erste Testexemplare sollen 2027 an die Kunden gehen.

Zudem soll das Plattformgeschäft, mit dem der Hersteller bisher primär Hyperscaler und andere große Cloud-Provider bedient hat, auch für Kunden mit mittlerem Datenvolumen und knapperem Budget ausgebaut werden. Dabei soll gleichzeitig eine intelligente Software-Schicht mit einer einheitlichen API für herkömmliche HDDs, SMR-HDDs und SSDs entstehen, um den Kunden die Verwaltung der Daten zu erleichtern.

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