Misstrauen gegenüber den großen Hyperscalern? Die Zeiten sollten eigentlich vorbei sein. Aber es gibt noch ein fundamentales Missverständnis über die Public Cloud. André Röhrich ist Keynote-Speaker auf der CLOUD Virtual Conference 2020 und gibt Antworten.
André Röhrich von QSC erklärt in seiner Keynote zur CLOUD Virtual Conference 2020 warum gerade Public Clouds wertvoll für digitale Geschäftsprozesse sind
Tatsächlich kann keine Plattform jedes Problem des Nutzers lösen. Denn auch die Hyperscaler setzen Schwerpunkte bei Technologien und Branchen. IT-Experte André Röhrich von QSC schwört aber auf die Innovationskraft, die Unternehmen aus der Public Cloud schöpfen können, ohne sich mit Haut und Haaren einem Anbieter verschreiben zu müssen.
André Röhrich, Abteilungsleiter Cyber Security & Cloud Consulting bei QSC.
(Bild: QSC)
In seiner Keynote zur CLOUD Virtual Conference 2020 am 29. September, veranstaltet von der Vogel IT-Akademie, will er überzeugend darstellen, welchen Beitrag nur Amazon, Microsoft oder Google für die digitale Transformation des Geschäfts leisten können. Aber welche Cloud passt nun am besten? Wir waren neugierig:
Die CLOUD Virtual Conference steht unter dem Motto „Volle Cloud voraus“. In Ihrer Keynote brechen Sie eine Lanze für „Volle Public Cloud voraus!“ Was sind Ihrer Meinung nach die größten Missverständnisse im Umgang mit der Public Cloud, die Sie ausräumen möchten?
André Röhrich: Kunden wollen oft wissen, wo ihre Daten liegen. Sie implizieren damit aber, auch Kenntnis darüber zu haben, wer Zugriff auf Ihre Daten hat. Dabei sind das eigentlich zwei Paar Stiefel. Zugriff und Absicherung der Daten sollten die entscheidende Rolle spielen, als einfach nur zu wissen, wo die Daten liegen. Außerdem ist es auch nicht genug, die Cloud nur mit günstig zu assoziieren. Tatsächlich muss der Kunde genau wissen, welche Workloads er in der Cloud nutzen möchte und wie er diese wirtschaftlich sinnvoll für sich einsetzen kann. Mit einem einfachen Lift & Shift ist es nicht getan und „Dauerbetrieb“ ist ohne Governance-Vorgaben auf Dauer teuer.
Die Bedenken vor allem hinsichtlich Datensicherheit und Datenschutz bei der Nutzung von Public Clouds (v.a. der US-amerikanischen Hyperscaler) sind groß. Was ist Ihr „Totschlagargument“, um Unternehmen vom Gegenteil zu überzeugen?
Röhrich: Diese Problematik lässt sich am besten durch die Umsetzung hybrider Cloud-Modelle umgehen, das heißt Daten, Workloads und Services, die für das Geschäft neuralgisch wichtig sind, in On-Premises-Szenarien zu betreiben. Generell gilt es, diese Bedenken ernst zu nehmen und gemeinsam mit dem Kunden zu bewerten. Viele Bedenken und Ängste lassen sie so relativieren.
Welchen Weg sollten Unternehmen gehen, die sich jetzt „endlich“ – vielleicht auch wegen der Erfahrungen mit der Corona-Krise – dazu entscheiden, ihre IT-Systeme auf eine neue Basis zu stellen oder vielleicht sogar komplett in die Cloud zu verlagern?
Röhrich: Der Weg in die Cloud erfolgt am besten schrittweise und idealerweise in folgender Reihenfolge. Zuerst sollte das Thema Identity Management angegangen werden, indem die Active Directory auf Vordermann gebracht und „cloudfähig“ gemacht wird, ist essenziell, um darauf aufbauend eine Cloud Governance zu etablieren. Wer dieses Thema zu spät angeht, zahlt definitiv drauf. Als zweiter Schritt sollten bestehende Services bewertet werden. Basis einer strategischen Cloud-Migration ist die klare strategische, technische und betriebswirtschaftliche Bewertung der bestehenden Services oder Anwendungen. Hierfür bieten wir ein entsprechendes Format an. Im allereinfachsten Fall sollte man sich fragen, ob ein Service „commodity“, also standardisiert und austauschbar ist, wie zum Beispiel E-Mail-Dienste. Solche Services wären erste Kandidaten für die Cloud-Migration. Auch sollte man hinterfragen, ob Systeme auf eine neue Version migriert oder direkt in die Cloud verlagert werden. Eine dritte, sehr zentrale Säule der Cloud-Migration, ist die Integration der Daten. Hierzu gehören Massendaten (ETL), wie Messdaten für Analytics- und IoT-Systeme, die über eine geeignete Lösung in die Cloud gepumpt werden müssen; Austauschdaten (EDI), also das Anbinden von Partnern und Lieferanten im Rahmen von Geschäftsprozessen oder über verschiedene Hyperscaler sowie Materialstammdaten (IDM), die u.a. für SAP-, HR- oder CRM-Systeme benötigt werden und in entsprechende SaaS-Dienste überführt bzw. dort (z.B. bei Anlegen von Identitäten mit entsprechenden Berechtigungen für neu eingestellte Mitarbeiter) weiter administriert werden müssen.
Und was empfehlen Sie den „Cloud-Profis“ unter Ihren Kunden?
Röhrich: Für Kunden, die in der Cloud-Migration bereits fortgeschritten sind, stehen in der Regel Möglichkeiten zur Konsolidierung im Fokus der Gespräche. Damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen, muss geprüft werden, an welcher Stelle On-Premises-Kapazitäten abgebaut werden können. Ein weiteres wichtiges Thema hierbei ist auch das Lizenzmanagement mit dem Ziel, eine Doppellizenzierung von Cloud- und On-Premises-Anwendungen zu vermeiden. Das ist zwar eine nervenaufreibende, aber schlussendlich sehr lohnende Aufgabe.
Wo sehen Sie die größten Vorteile der Public Cloud gegenüber privaten Cloud-Lösungen?
Röhrich: Kurz und knapp: in der hohen Skalierbarkeit und der großen Innovationskraft.
André Röhrich ist Leiter der Abteilung Cyber Security & Cloud Consulting bei der QSC AG. Zuvor war er – seit 2013 – in verschiedenen Rollen als Manager sowie IT-Berater bei QSC tätig. Gemeinsam mit seinem Team hilft er Kunden sicher und einfach Cloud-Technologien nutzen zu können.
Agenda, Anmeldung und Hygienekonzept
IT-BUSINESS ist Mitveranstalter und Medienpartner der CLOUD Technology & Services Conference 2020 bzw. der CLOUD Virtual Conference 2020. Wenn Sie André Röhrich und viele weitere interessante Speaker live erleben wollen, melden Sie sich hier mit dem VIP-Code »CTS202-iTB« an! Die Fachkonferenz findet unter Berücksichtigung eines detailliert ausgearbeiteten Hygienekonzepts der Vogel IT-Akademie statt.
Selbstverständlich hat die Gesundheit der Veranstaltungsteilnehmer, Aussteller und aller Mitarbeiter höchste Priorität. Aus diesem Grund hat die Vogel IT-Akademie die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen zusammen mit den Veranstaltungslocations erhöht und ein Hygienekonzept ausgearbeitet.
Stand: 08.12.2025
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