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Praktische Umsetzung Was ist zu beachten bei der Mehrwertsteuer-Änderung im Webshop?

Autor: Sarah Gandorfer

Der Countdown für die Änderung der Mehrwertsteuer läuft. Wer einen Webshop hat, muss möglicherweise noch Änderungen vornehmen. Wird die Mehrwertsteuer falsch ausgewiesen, ist das ein Grund zur Abmahnung. Wichtig ist ebenfalls, den exakten Zeitpunkt für die Steuerabsenkung zu beachten. Nicht immer gilt, dass vor dem Stichtag bestellte Ware auch den alten Steuersatz hat.

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Die kurzfristige Umsetzung der Mehrwertsteuersenkung erfordert viel Arbeit.
Die kurzfristige Umsetzung der Mehrwertsteuersenkung erfordert viel Arbeit.
(Bild: Andrey Popov - stock.adobe.com)

Schnelles Handeln ist gefragt. Bis zum 1. Juli 2020 muss der zeitlich befristete Mehrwertsteuersatz von 16 Prozent beziehungsweise von 5 Prozent auf vergünstigte Waren, wie Lebensmittel, in Kassen und Bestellsystemen ausgewiesen sein. Was ist dabei für Online-Shops zu beachten?

Unterschied B2C und B2B

Beim direkten Verkauf an Endkunden gilt die Preisangabenverordnung. Im Shop muss also nicht die Höhe der Mehrwertsteuer angegeben werden, sondern der Gesamtpreis mit Hinweis, dass die Preise die Mehrwertsteuer enthalten. Gesamtpreisangaben und Mehrwertsteuerhinweise müssen bei allen Angeboten erfolgen. Im Webshop betrifft das vor allem die Produktseiten, den Warenkorb und die Bestellseite. Nicht vergessen werden dürfen aber auch Preisänderungen auf Bannern und Templates in Buy Boxen, zum Beispiel Bestseller oder Angebote.

Im B2B-Bereich gilt die Preisangabenverordnung nicht. Deshalb muss bei den Preisen kein Mehrwertsteuerhinweis erfolgen. Üblich und sinnvoll ist der Hinweis „zzgl. MwSt.“. Hier muss jedoch nicht über die konkrete Höhe informiert werden.

Wichtig ist in jedem Fall, dass der korrekte Steuersatz nach § 14 Absatz 4 Nr. 8 in der Rechnung enthalten ist, ebenso der konkrete Steuerbetrag. Fehlerhafte Angaben gegenüber vorsteuerabzugsberechtigten Kunden sind abmahngefährdet.

Auch in den Rechtstexten kann es Anpassungsbedarf geben, wenn dort konkrete Hinweise zur Steuer gemacht werden. Viele AGB und Kundeninformationen enthalten lediglich allgemeine Hinweise, dass die in den jeweiligen Angeboten angeführten Preise alle Preisbestandteile einschließlich aller anfallenden Steuern enthalten. Soweit Händler jedoch auf den konkreten Mehrwertsteuersatz hinweisen, muss eine Anpassung erfolgen. Die betroffenen Webseitenbetreiber setzen sich am Besten dazu mit dem Ersteller der Rechtstexte, beispielsweise dem Rechtsanwalt, in Verbindung, um keine Fehler zu provozieren.

Eine ganz andere Frage, die sich stellt: Muss die Änderungen des erhobenen Mehrwertsteuersatzes zu den Kunden durchgereicht werden und sind damit Änderungen bei den Bruttopreisen erforderlich? Momentan gibt es noch keine Pflicht die gesenkten Mehrwertsteuersätze an den Kunden weiterzugeben. Doch wird diese nicht an den Kunden weitergeben, führt die Maßnahme des Konjunkturpaketes, mit der die Wirtschaft und insbesondere die Kaufkraft angekurbelt werden soll, ins Leere.

Praktische Umsetzung

Die Umsetzungsmöglichkeiten sind vielfältig aufgrund der unterschiedlichen Shop-Systeme am Markt. In einigen Fällen müssen Händler gar nichts tun, weil sie keinen Änderungsbedarf haben. In anderen Fällen passiert die Umstellung zentral und automatisch über die Shopsoftware. Wieder andere müssen selbst Hand anlegen.

Der Händlerbund hat sich bei den meistgenutzten Shopanbietern erkundigt, wie es mit der Umstellung aussieht. Der allgemeine Tenor: Es wird derzeit mit Hochdruck an der Umstellung gearbeitet. Viele Anbieter von Shopsystemen werden ihre Händler direkt kontaktieren und über die erforderlichen technischen Schritte, die zur Änderung notwendig sind, informieren. Sei es über Mailings, Webinare oder FAQs.

Zeitpunkt der Bestellung vor dem Stichtag, Lieferung danach

Der für Trusted Shops tätige Wirtschaftsjurist Frieder Schelle weist noch auf ein weiteres Problem hin, nämlich die Fälligkeit er Steueränderung. Prinzipiell entsteht die Mehrwertsteuer in dem Moment, in dem eine Leistung ausgeführt wird. Das ist bei Lieferungen im Online-Handel der Tag, an dem die Beförderung oder Versendung des Gegenstandes der Lieferung beginnt. Folglich kann es Fälle geben, in denen der Zeitpunkt der Bestellung noch vor dem Stichtag liegt, die Ausführung der Leistung, also der Beginn der Lieferung jedoch danach. Das wird nur dann zum Manko, wenn dem Kunden im Shop der Mehrwertsteuersatz in konkreter Höhe kommuniziert wird, dieser dann aber für die Lieferung tatsächlich nicht mehr gilt.

Wird der Mehrwertsteuersatz im Shop nicht in konkreter Höhe genannt, entsteht hier kein Problem: Der Verbraucher sieht den Gesamtpreis, den sie oder er schlussendlich auch bezahlt. Im B2B-Bereich entstehen ebenfalls keine Widersprüche, soweit auf der Rechnung der korrekte Mehrwertsteuersatz ausgewiesen wird.

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Über den Autor

 Sarah Gandorfer

Sarah Gandorfer

Redakteurin bei IT-BUSINESS