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Was ist Chapter 11

| Autor / Redakteur: zeroshope / Heidemarie Schuster

Grundlagenwissen zum IT-Business
Grundlagenwissen zum IT-Business (Bild: © adiruch na chiangmai - Fotolia.com)

Chapter 11 ist ein Abschnitt aus dem US-amerikanischen Insolvenzrecht. Er garantiert Schuldnern einen zeitlich befristeten Gläubigerschutz. Die Regelung wird stark kritisiert und birgt international große Risiken für die Betroffenen.

Chapter 11 des „US bankruptcy code“ hat den Sinn, insolventen Unternehmen die Chance zu geben, sich wirtschaftlich zu reorganisieren. Der Abschnitt ist der Gegenpart zu Chapter 7, das die sofortige Veräußerung aller Unternehmenswerte und die Abwicklung der betroffenen Firma vorsieht. Der Gläubigerschutz nach Chapter 11 kann immer dann beantragt werden, wenn die Summe der Verbindlichkeiten eines Unternehmens ihren Wert übersteigt.

Chance oder widerrechtlicher Markteingriff? Die Kritik an Chapter 11

Wie sich die betroffenen Unternehmen zu reorganisieren haben, wird in Chapter 13 des Gesetzes beschrieben. Dieser Abschnitt scheut jedoch konkrete Vorgaben. Vereinfacht gesagt steht es den Firmen frei, ihre Geschäfte so fortzusetzen, wie sie es wünschen. Dies wird von Experten stark als widerrechtlicher Markteingriff kritisiert. Als Beispiel wird dafür immer wieder das Beispiel des Telekommunikationskonzerns Worldcom angeführt.

Das Unternehmen meldete 2002 Gläubigerschutz nach Chapter 11 an. Worldcom hatte durch Betrug 3,8 Milliarden Dollar vermeintliche Gewinne erzeugt, aber tatsächlich 30 Milliarden Dollar Schulden angehäuft. Durch den Gläubigerschutz konnte sich das insolvente Unternehmen in der Folge nicht nur effizient reorganisieren, sondern auch die Preise der Konkurrenten unterbieten und dadurch den Schuldenberg zeitweilig sogar noch erhöhen. Die Airlines TWA und Continental gingen ähnlich vor. Der Gläubigerschutz im Insolvenzrecht fungiert so nicht als Rettungsanker zum Überleben, sondern als Belohnung und regen zum marktschädigenden Verhalten an, argumentieren Experten.

Geschäfte in Europa können nach Chapter-11-Schutz zu einem Problem werden

In Europa stehen die Staaten dem Chapter-11-Schutz widersprüchlich gegenüber. Fast alle Länder haben eigene Regelungen, die ähnlich lauten. In Deutschland wurden die entsprechenden Schutzrechte beispielsweise 1999 eingeführt. Allerdings werden amerikanische Unternehmen mit Geldstrafen innerhalb der EU belegt werden, sobald sie den Chapter-11-Schutz verlassen. Dann gelten die Regelungen des amerikanischen Insolvenzrechts als staatlich unterstützter Schuldenerlass und damit als staatliche Quersubvention – und die ist nach Artikel 87 des EG-Vertrags verboten.

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