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Was ist agiles Mindset?

| Autor: Sarah Gandorfer

Grundlagenwissen zum IT-Business
Grundlagenwissen zum IT-Business (Bild: © adiruch na chiangmai - Fotolia.com)

Immer öfter kommt das Wort „agil“ in der digitalen Arbeitswelt zum Tragen. Unternehmen nutzen agile Methoden und beginnen ihre Unternehmenskultur entsprechend zu ändern. Ein „agiles Mindset“ der Mitarbeiter gilt als Grundlage für die Entwicklung einer solch agilen Organisation.

„Agil“ bedeutet laut Duden „von großer Beweglichkeit zeugend; regsam und wendig“. Es gibt zudem seit den 1950er-Jahren auch das Konzept der Agilität in der Systemtheorie von Organisationen. Ein Stellvertreter dieser Theorie ist der amerikanischen Soziologen Talcott Parsons. Er hat vier Funktionen identifiziert, die jedes System erfüllen muss, um seine Existenz zu erhalten. Parsons beschreibt dabei die Fähigkeit eines Systems, auf die sich verändernden äußeren Bedingungen zu reagieren (Adaptation), Ziele zu definieren und zu verfolgen (Goal Attainment), Kohäsion (Zusammenhalt) und Inklusion (Einschluss) herzustellen und abzusichern (Integration) und grundlegende Strukturen und Wertmuster aufrechtzuerhalten (Latency). Aus den Anfangsbuchstaben dieser vier Funktionen ergibt sich das bekannte AGIL-Schema.

„Mindset“ ist zu deutsch die Mentalität und beschreibt die vorherrschende psychische Persönlichkeitseigenschaft im Sinne eines Denk- und Verhaltensmusters einer Person oder sozialen Gruppe. Kurz: Es ist die innere Einstellung, die eine Person zu einem Sachverhalt einnimmt. Die Einstellung zu bestimmten Themen ist unter anderem geprägt von Erfahrungen, die gemacht wurden.

Agil oder growth versus fixed mindset

In der Psychologie hat sich Carol Dweck (*17.10.1946) mit der Erforschung von Motivationen hervorgetan. Ihr 2006 erschienenes Buch „Mindset: The New Psychology of Success“ legt den Grundstein für die Unterscheidung verschiedener Arten von Mindsets.

Zum einen unterscheidet sie zwischen dem sogenannte „growth mindset“, welches als agil angesehen wird. Dieses definiert sich durch:

  • Wachstumsorientierte Denkhaltung
  • Willen zur Aufgabenlösung
  • Wissensdurst sowie Streben nach der Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten
  • Nutzung von Fehler und Feedback als Quelle für Weiterentwicklung

Dagegen steht ein „fixed mindset“, welches sich vom agilen folgendermaßen unterscheidet:

  • Statische Denkhaltung
  • der Glaube an angeborene Fähigkeiten (nicht erworbene)
  • Vermeidung von Herausforderungen aus Angst zu scheitern
  • Lernen nur auf Basis extrinsischer Anreize (z.B. Gehalt, Position)
  • Fehler werden als Abwertung der eigenen Person gesehen

Sie gibt deshalb bereits Eltern den Tipp, dass sie ihren Kindern ein „growth mindset“ antrainieren können, indem sie diesen beibringen sich Herausforderungen zu stellen und sich von Fehlern nicht entmutigen zu lassen, sondern daraus zu lernen. Auf diese Weise werden die Kinder auch weniger abhängig vom Lob anderer. Dweck warnt davor, dass falsches Loben Kinder in ein „fixed mindset“ drängt. Wird ein Kind beispielsweise für seine Intelligenz gelobt, besteht die Gefahr, dass es Angst hat zu Versagen oder sich im Falle eines Fehlers als Versager sieht. Wird es dagegen für den Lösungsansatz einer Aufgabe gelobt – auch wenn das Ergebnis fehlerhaft ist, wird das Kind ermutigt, weiter zu machen.

Agiles Mindest für agile Arbeitsmethoden

Agiles Arbeiten funktioniert nach anderen Prinzipien und Werten als traditionelle Arbeit. Für Unternehmen bedeutet das, dass sie sich entsprechend Aufstellen müssen, um den Wettbewerbsdruck standzuhalten. Hierarchische Organisationsstrukturen müssen aufgebrochen werden. Statt der Silo-Struktur, in der die jeweiligen Mitarbeiter mehr oder minder nur ihre Abteilung kennen und sich hier anhand alteingesessener Strukturen an der Karrierereiter hoch hangeln können, wird es bald Mitarbeiter in ständig wechselnden Teams geben. Somit bedingt das agile Arbeiten andere Einstellungen, Glaubenssätze und Verhaltensweisen.

In traditionell geführten Unternehmen entsteht Sicherheit meist durch Befehl und Kontrolle. Solange die Unternehmensumwelt stabil und relativ unveränderlich ist, können solche Systeme funktionieren. Im Rahmen der Digitalisierung werden nach Ansicht verschiedener Analystenhäuser, darunter Forrester, alt herkömmlich geführte Unternehmen nur schwer mit den digitalen Märkten mithalten können. Agile Arbeitsweisen können in solchen Fällen mögliche Lösungen sein. Allerdings benötigt ein traditionell aufgestelltes Unternehmen einen langen Atem, um agil zu werden. Wachstumshindernisse werden aufgrund der neuen Situation unweigerlich auftauchen. Zumal nicht jeder in allen Situationen ein agiles Mindset aufweist.

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