Die Gerüchteküche der IT-Szene brodelt um den nächsten Schachzug der deutschen Softwareschmiede Suse. Das weltweit größte unabhängige Heim quelloffener Software hat trotz der Pandemie ein zweistelliges Wachstum hingelegt. Zeit für einen IPO?
Das Tier im Suse-Logo ist ein Chamäleon. Diese sind laut Wikipedia eine Familie der Leguanartigen innerhalb der Schuppenkriechtiere.
(Bild: Sebastian Herrmann auf Unsplash)
Der Open-Source-Pionier aus Nürnberg feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Jubiläum. Das Unternehmen konnte gerade noch im September zum Ende des dritten Quartals einen erheblichen Zuwachs der Nachfrage nach Linux-Lösungen der Enterprise-Klasse, darunter „Suse Linux Enterprise Server“ (SLES), für SAP-Workloads vermelden und einen Zuwachs an jährlichen Vertragswert in Höhe von satten 50 Prozent verbuchen. Vertragsabschlüsse im Wert von je über einer Million Dollar hätten um satte 35 Prozent zugelegt.
Im dritten Quartal alleine konnte der Linux-Pionier die globale DellEMC-Gruppe und den Schweizer Technologieanbieter Endress+Hauser als Kunden gewinnen.
Mit Vollgas durch die Pandemie
Suse rast durch die Pandemie mit Vollgas. Grund genug, um sich mit einer frischen Kapitalspritze einen neuen Energieschub zu holen. Insider-Berichten zufolge ist ein Börsengang von Suse gerade in der Mache.
Die schwedische Private-Equity-Firma EQT AB, die erst noch 2019 für gerade einmal 2,5 Milliarden Dollar den Zuschlag für die Akquisition von Suse von der Britischen IT-Firma Micro Focus International Plc. bekommen hatte, möchte anscheinend bereits schon abkassieren. Das Private-Equity-Unternehmen sei mit Beratern im Gespräch.
Bei einem Börsengang von Suse könne die EQT AB eine Wertstellung von schätzungsweise 5,9 Milliarden Dollar (Milliarden Euro) anstreben. Zum Vergleich: Micro Focus selbst ist derzeit gerade einmal 939 Millionen Dollar wert. Der EQT AB ist mit Suse anscheinend ein großer Wurf gelungen. Ein Zeitpunkt im kommenden Jahr sei überaus denkbar, so die Gerüchteküche; es dürfte aber noch von der Großwetterlage an den Kapitalmärkten abhängen.
Auf dem „SuperMUC-NG“, dem aktuellen Höchstleistungsrechner des Leibniz Rechenzentrums, läuft „SUSE Linux Enterprise Server“ (SLES): Auf den 311,040 Compute-Kernen mit 719 TB an Speicher und einer Spitzenleistung von 26.9 PetaFlop/Sekunde liefen im Jahre 2020 unter anderem Workloads der Nuklear- und Teilchenphysik und der Quantenmechanik.
(Bild: LRZ)
Ein Börsengang von Suse gilt dennoch nicht als beschlossene Sache. Die EQT könnte genauso gut andere Ausstiegsstrategien verfolgen oder die Sache auf die lange Bank schieben. Von EQT selbst ist vorerst keine Stellungnahme zu bekommen.
Für europäische Verhältnisse wäre der Suse-Börsengang einer der größeren Kaliber. Technologie-Unternehmen in Europa konnten im laufenden Jahr gerade einmal 7,9 Milliarden Dollar aus IPOs aufbringen (immerhin 2 Milliarden Dollar mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres), und dies vor dem Hintergrund lebhafter Bewertungen und eines starken Investorenappetits für den Sektor. Im kommenden Jahr wollen unter anderem die deutsche Online-Gebrauchtwagenplattform Auto1 Group GmbH und der französische Cloud-Computing-Anbieter OVH Groupe SAS an die Börse gehen.
Der nächste Streich folgt sogleich
Suse (ursprünglich SuSE, ein Akronym für „Software und System-Entwicklung“) hat in ihrer ein Vierteljahrhundert langen Unternehmensgeschichte schon so Einiges durchgemacht. Mit ihrer Linux-Distribution aus dem Jahre 1994 zählt die deutsche Softwareschmiede aus Nürnberg zu den Pionieren von Open Source. Knapp 10 Jahre später, in 2003/2004, ging die damalige Suse Linux AG in den Besitz von Novell über.
2010/2011 konnte sich die Mainframe-zentrische Softwareschmiede Attachmate mit einer Finanzierung von Microsoft die Novell-Gruppe samt Suse unter den Nagel reißen. Knapp ein Jahrzehnt später, in 2014, fusionierte die Attachmate-Gruppe mit der britischen Micro Focus zur neuen Muttergesellschaft von Suse.
Als eine semi-autonome Geschäftseinheit schickte sich dann Suse selbst auf Einkaufstour. Es folgte eine Serie von Acquisitionen, von Open-Attic-Speicher-Management (von der deutschen IT-Novum) bis hin zum ganzen Portfolio von Tools rund um OpenStack und Cloud Foundry (von Hewlett Packard Enterprise). Aus jenen Tools ging unter einem OEM-Vertrag „Helion OpenStack“ und „Stackato“ hervor.
Wieder selbständig
Anfang Juli 2018 trennte sich Micro Focus von Suse endgültig. Die schwedische EQT Partners hat hierzu ihre deutsche Neugründung Blitz 18-679 GmbH vorgeschickt, heute als die Marcel Bidco GmbH bekannt. Das Unternehmen ist bis heute die unmittelbare Muttergesellschaft der Nürnberger Open-Source-Schmiede. Im Juli hat Suse den Cloud-Spezialisten Rancher Labs übernommen.
Der schwedischen EQT AB ist mit Suse sicherlich ein großer Wurf gelungen, aber wohltätig ist die VC-Firma sicherlich nicht. Die florierende Suse soll jetzt einen Börsengang absolvieren und damit voraussichtlich mehrere Milliarden Dollar in die Taschen der schwedischen VC-Firma hinein spülen.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Viele andere IT-Großunternehmen (HPE, IBM & Co.) hätten in den deutlich besseren Nicht-Pandemie-Jahren (2019 und vorher) bereits über einen Bruchteil des Wachstums, den Suse im Vorbeigehen zaubert, mit fliegenden Champagne-Korken gefeiert. Ein Zuwachs des jährlichen Gesamtwertes von Cloud-Verträgen (Annual Contract Value) in Höhe von 81 Prozent sucht sicherlich seines Gleichen. Im Kontext von 14 konsekutiven Quartalen mit Y-o-Y-Growth ist Suse das klare Wunderkind der IT-Landschaft.
Der Mitbewerb wird da leicht grün vor Neid und den VCs läuft das Wasser im Munde zusammen. Da ist ein IPO mit 5 Milliarden Euro gar nicht so weit hergeholt.
Das Fazit der Autoren
Suse wäre für den Börsengang des Jahres sicherlich ein geeigneter Kandidat. 'Mal schauen.
* Das Autoren-Duo Anna Kobylinska und Filipe Pereia Martins arbeitet für McKinley Denali Inc. (USA).