Virtualisierung „VMware ist alternativlos“

Von Dr. Dietmar Müller 4 min Lesedauer

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An der Übernahme von VMware durch Broadcom scheiden sich die Geister. IT-BUSINESS hat bei Partnern nachgefragt, wie sie die aktuelle Lage beurteilen. Heute: Yves Sandfort. Er und sein Unternehmen Comdivision setzen stark auf VMware-Produkte und -Technologien.

Vertraut auf den neuen Kurs bei VMware: Yves Sandfort, CEO Comdivision Consulting(Bild:  Fotografie Witte Wattendorff)
Vertraut auf den neuen Kurs bei VMware: Yves Sandfort, CEO Comdivision Consulting
(Bild: Fotografie Witte Wattendorff)

Yves Sandfort ist Gründer und CEO der Comdivision Consulting sowie ausgewiesener Virtualisierungs-Experte. Sein Unternehmen ist seit 2020 VMware-Principal-Partner und verfügt über zahlreiche entsprechende Zertifizierungen, darunter die höchste Stufe der Master Services Competencies (MSCs). Sandfort selbst verfügt neben der Zertifizierung durch AWS, Microsoft und Cisco auch über die Auszeichnungen zum VMware Certified Design Expert (einer von weltweit unter 300), sowie andere Zertifizierungen von VMware wie VCIX, VCAP und VCP. Wie nimmt er die Lage im Partner-Business wahr, seitdem VMware von Broadcom übernommen wurde? Hat es in den vergangenen Wochen neue Verwerfungen und Aufreger gegeben?

Broadcom erwartet Loyalität

„Ja, es hat neue Verwerfungen gegeben“, bestätigt Sandfort gegenüber IT-BUSINESS, „Aber keine, die uns betreffen.“ Broadcom oder VMware drückten ihre Erwartungshaltung an Partner immer klarer aus, in der Folge würden Programme zunehmend an die Ziele angepasst. „In Europa wird dies aus meiner Sicht noch nicht so stark exekutiert wie in anderen Ländern. Wer hier als Partner meint, das war die Spitze des Eisbergs, täuscht sich, da wird aus meiner Sicht noch mehr kommen“, so der erfahrene Geschäftsführer. „Broadcom erwartet sich loyale Partner, die dann auch entsprechende Aufmerksamkeit und sogar lukrative neue Kunden kriegen. Wer meint, das Thema so nebenbei machen zu können, wird über kurz oder lang aus dem Programm aussteigen müssen.“

Trend weg von VMware

Hat sich die Lage also nach der ersten Empörung über die neuen Lizenzbedingungen und Preisstrukturen nun beruhigt? Oder laufen VMware jetzt die Partner davon, wie an vielen Stellen zu lesen war? Sandfort gibt Entwarnung, sein Unternehmen habe diesen Trend nur bei einem sehr kleinen Teil der Kunden ausgemacht, er spricht von weniger als fünf Prozent. „Viele haben sich damit beschäftigt, dann Kosten und Nutzen abgewogen und sind nun damit zugange, wie sie die Mehrwerte von VCF besser nutzen können, anstatt ein risikobehaftetes Migrationsprojekt durchzuführen.“ Dank Lizenzoptimierung, guter Kombinatorik und lediglich „marginalen Preissteigerungen“ kämen einige Partner heute sogar günstiger davon.

„Im Bereich Professional Services rund um VMware ist der Bedarf sogar eher steigend als sinkend, da die Kunden nun viel häufiger den Nutzen der kompletten VCF-Pakete erzielen wollen und diese nicht nur für die ELA-Konditionen mitgekauft haben“, so Sandfort. Wer Storage, Monitoring, Security etc. durch VCF ersetzen möchte, und gegebenenfalls eigene Pläne für die Nutzung von künstlicher Intelligenz verfolge, sei in der neuen VMware-Welt gut aufgehoben.

Für Kunden, die nur die kleinen Essentials oder vSphere einsetzten, sei die neue VMware-Welt jedoch mutmaßlich unpassend.

Keine Suche nach Alternativen

Sandfort und sein Unternehmen werden VMware auch weiterhin die Stange halten: „Wir stehen 100 Prozent hinter dem Thema VMware, denn jedes Gespräch, jeder Besuch auf dem Campus in Palo Alto – und wir haben alle paar Wochen dort ein Treffen – zeigt die klare Vision sowohl im Produkt als auch im Partnerprogramm“, berichtet der CEO. „Wir sehen für uns und unsere Kunden weltweit eine bessere Perspektive mit Broadcom, als wir die vorher mit VMware hatten.“ Unter neuer Führung habe bei VMware eine kundenorientierte Entwicklung eingesetzt, mit VCF 9.0 als erstem Ergebnis. „Partner werden gefordert in Ausbildung und Umsetzung zu investieren. Das passt nicht für jeden, aber für uns. Wir hätten uns schon viel eher gewünscht, dass geschaut wird, dass sich Partner auch an Programme halten!“

Aber hat Comdivision nie Alternativen zu VMware erwogen? Kämen nicht auch Nutanix, Hyper-V, OpenStack, HPE Morpheus VM Essentials oder Proxmox in Frage? Nicht für Sandfort: „Wir promoten am Ende gar keine Alternative, denn mit der klaren Vision, die es nun gibt, und dem, was unsere Kunden brauchen, gibt es eben keine wirkliche Alternative. Alles, was aktuell zu beziehen ist, bedeutet ganz bewusst Einschränkungen in verschiedenen Bereichen, vor allem aber der Stabilität und Sicherheit oder aber dem Ressourcenbedarf – alles Themen, die unseren Kunden etwas wert sind.“

Das gerade im Storage- und Backup-Bereich Hersteller nach Alternativen schauten, sei verständlich und klar, denn durch das Repackaging von Broadcom dächten viele Kunden über eine hyperkonvergente Infrastruktur (HCI) nach. Dies fordere Partner heraus, die bisher gut neben VMware auch an Storage-Lösungen verdienten. „Nicht jeder, der gerade von VMware wechselt, tut dies, weil der Kunde im Fokus steht, sondern halt ganz einfach die eigenen Margen.“

Das Business mit VMware brummt

Sandfort berichtet, dass Umsatz und Ertrag mit VMware in den letzten 12 Monaten um mehr als 100 Prozent gewachsen sind. „Mit unserer aktuellen Expansion in den USA und auch im Mittleren Osten erwarten wir ein noch größeres und schnelleres Wachstum mit Broadcom, sowohl im Subscription- als auch im Professional-Services-Umfeld“, so der Virtualisierungsexperte. „Partnerschaft heißt halt auch, dass man gemeinsam an sich arbeitet. Wer hier nur fordert und meint, Umsatz ist das Einzige, was man zurückgibt, der ist vermutlich falsch. Ich bin immer wieder verwundert, wenn ich höre, wie wenig sich viele Partner einbringen.“

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