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Virenbedingter Turbo für das Homeoffice

| Autor: Dr. Stefan Riedl

In der Corona-Krise wird auf Homeoffice umgeschwenkt.
In der Corona-Krise wird auf Homeoffice umgeschwenkt. (Bild: muchmania - stock.adobe.com)

Der Vorstandsvorsitzende der MKS AG, Michael Kempf, blickt optimistisch auf die Zeit nach Corona. Die „schnellen Hilfen“ der Banken sieht er kritisch. Und einen Pool an Funktions­erweiterungen weiß er mit Digitalisierungs-Förderprogrammen zu verknüpfen.

„Die Corona-Thematik treibt die Themen Homeoffice, Digitalisierung und papier­loses Büro voran. Schließlich können sie vom Homeoffice aus ihrem Kollegen kein Papier in die Hand drücken“, bringt es ­Michael Kempf, Vorstandsvorsitzender des Software-Herstellers MKS AG mit Stammsitz in Friedrichshafen am Bodensee, auf den Punkt. Kempf geht davon aus, dass in vielen Firmen die dieser Tage neu eingerichteten Homeoffice-Möglichkeiten nicht mehr zurückgenommen werden, wenn die Corona-Krise vorbei ist.

MKS schloss das Geschäftsjahr 2019 mit ­einem positiven Ergebnis ab. Der Turn­around wurde also „gut hinbekommen“, verrät der Vorstandsvorsitzende. „So sind wir voller Vorfreude ins Jahr 2020 gegangen, dann aber kam die Corona-Krise.“ Diese bedeute aber auch, dass sich für MKS als Digital-Company viele Chancen bieten, sagt Kempf. Auf der anderen Seite verzögern sich durch die Krise die Investitionen bei den Unternehmen, was sich für MKS wiederum als Folge zur Umsatzdelle entwickeln kann.

Kritik an Hilfspaketen

Vor diesem Hintergrund hat sich Kempf mit dem Thema staatliche Hilfsmaßnahmen beschäftigt und zieht ein ernüchterndes Resümee: „Die Hilfspakete, die den Unternehmen über Banken zur Verfügung gestellt werden sollen, sind in der Praxis nicht so einfach zu bekommen, wie vielerorts dargestellt wird. So hieß es, Banken gehen mit maximal zehn Prozent ins Risiko, so dass unbürokratisch geholfen werden kann.“ In der Praxis werde aber nach Businessplänen bis 2021 gefragt, und Gesellschafter müssen persönlich bürgen.

„In diesem Zusammenhang hat sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder vor Kurzem zurecht über die Finanzwirtschaft aufgeregt, sinngemäß dahingehend, dass die Allgemeinheit die Banken vor zehn Jahren rausgeboxt habe und jetzt die Banken ihre Rolle als unbürokratische Helfer in der Not nicht überzeugend ausleben“, so der MKS-Chef. Wie dem auch sei: Bei MKS geht man vorläufig davon aus, dass man im Jahr 2020 finanziell in etwa auf Vorjahresergebnis rauskommen wird. Für das Jahr 2021 wird ein Umsatzwachstum von zehn bis 15 Prozent angestrebt.

Förderprogramme und Funktionen

Der Vorstandsvorsitzende verrät seine Strategie, um im Zusammenhang mit dem Coronavirus verunsicherte Bestandskunden zu Investitionen zu bewegen. Dazu wird die 50-prozentige Förderung für Digitalisierungsprojekte für KMUs im Rahmen von GoDigital und ein „Funktionspool“ ins Spiel gebracht. Kempf erläutert seine Idee: „Nehmen wir als Rechenbeispiel eine Funktion, die unser Kunde speziell für sein Business benötigt und die ihn 11.000 Euro kostet. Das entspricht zehn Beratertagen à 1.100 Euro.“

Mit der Förderung koste das Projekt effektiv 5.500 Euro. Als Anreiz oben drauf packt der MKS-Chef den so genannten „Funk­tionspool“, in den bereits umgesetzte Projekte einfließen. Dort kann sich der teilnehmende Kunde dann fünf weitere Funktionen herausnehmen. Womöglich gehen wir hier auch den Weg eines Punkte­systems, sodass zwischen großen und kleinen Funktionen differenziert wird. Wir sind gerade dabei, das Konzept aufzusetzen. Gegenwärtig sind 22 Funktionserweiterungen im Pool“, sagt Kempf.

Darüber hinaus wächst MKS im deutschsprachigen Raum: „Gegenwärtig breiten wir uns auch auf dem österreichischen Markt aus und haben im Großraum Wien einige Projekte in der Umsetzung.“

Insgesamt seien die Projektlaufzeiten deutlich gesunken: „Nehmen wir ein größeres Projekt, das früher mit sechs Monaten zu veranschlagen gewesen wäre, stemmen wir das heute in etwa drei Monaten“, so Kempf.

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