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„Kommentar: Tugendsignalisierung ist zu wenig“
Kennen Sie den Begriff „Virtue signaling“? Übersetzt heißt das so viel wie „Tugendsignalisierung“. Es ist ein negativ konnotierter Begriff, denn er bezeichnet eine Gesprächskultur (offline und online), die davon geprägt ist, die eigene moralische Überlegenheit (im Vergleich zur Masse) hervorzuheben.
Wobei über das, was ethisch-moralisch richtig ist, bekanntlich gestritten werden kann. Deswegen ist Tugendsignalisierung einerseits nichts für seichten Small Talk, denn Fragen der Moral sind oft emotional aufgeladen. Andererseits hilft es aber auch in den Debatten selbst nicht wirklich weiter, denn Virtue signaling macht klar: Mein Standpunkt ist moralisch überlegen, eventuelle Zielkonflikte brauchen wir da gar nicht weiter auszuloten. Auch bei „Piraten-Themen“ wie der Debatte rund um Videoüberwachung kommt das häufig vor. Das tiefgründig und moralisch erhaben scheinende Argument kommt in Varianten daher und geht in folgende Richtung: „Wer dem staatlichen Überwachungsapparat das Wort redet, weil er angeblich nichts zu verbergen hat, kämpft dafür, dass seine Freiheit eingeschränkt wird.“
Zugegeben, Terrorismus lässt sich durch Videoüberwachung kaum verhindern und Kriminalität im öffentlichen Raum wird womöglich nur verlagert. Ich bin aber dennoch für mehr Videoüberwachung – im öffentlichen, privaten sowie gewerblichen Bereich.
Denn dass Straftaten so besser aufgeklärt werden können und sich die Beweislage vor dem Kadi verbessert, liegt auf der Hand.
Einem Überwachungsstaat rede ich nicht das Wort, sondern einem Rechtsstaat, der für innere Sicherheit sorgt.
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