Channel Fokus: Digital Learning Versetzung gefährdet?

Von Margrit Lingner 5 min Lesedauer

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Der Digitalpakt 2.0 soll Schulen Planungssicherheit und bis 2030 fünf Milliarden Euro für die Digitalisierung zur Verfügung stellen. Und eigentlich hat die neue Bundesregierung dem Digitalpakt zugestimmt. Die Finanzierung ist aber derzeit noch nicht geklärt.

Über den Digitalpakt 2.0 sollen rund 5 Milliarden Euro in die Digitalsierung von Schulen fließen. Wann die Mittel zur Verfügung stehen werden, ist derzeit noch nicht geklärt.(Bild:  Tida - stock.adobe.com / KI-generiert)
Über den Digitalpakt 2.0 sollen rund 5 Milliarden Euro in die Digitalsierung von Schulen fließen. Wann die Mittel zur Verfügung stehen werden, ist derzeit noch nicht geklärt.
(Bild: Tida - stock.adobe.com / KI-generiert)

Mitte Dezember 2024 hatten sich Bund und Länder nach monatelangem Gerangel auf den Digitalpakt 2.0 geeinigt. Knapp ein halbes Jahr danach gibt es eine neue Bundesregierung und Zusagen. Allein die Finanzierung des Digitalpakts steht noch nicht – zumindest nicht für den Teil, für den der Bund zuständig ist. Doch geht es dabei um nicht weniger als die Hälfte der im neuen Digitalpakt bewilligten Mittel, nämlich um rund 2,5 Milliarden Euro. Fließen sollten die Mittel bis 2030. Und geplant waren neben der Verbesserung der digitalen Infrastruktur an Schulen, Investitionen in die Fortbildung von Lehrkräften und digitale Lernmittel.

Phong Ngo, Manager Sales Digital Academy Converge, ist überzeugt, dass „die gezielte Investition in die Fort- und Weiterbildung des pädagogischen Personals unerlässlich ist – denn ohne didaktische Konzepte und digitales Knowhow bleibt selbst die modernste Technik wirkungslos“. Der Digitalpakt 2.0 müsse den Weg für langfristige, nachhaltige Investitionen ebnen und über eine bloße Anschubfinanzierung für Hardware hinausgehen, führt der Converge-Manager aus.

Schlechte Noten für die Infrastruktur

Dass es Nachholbedarf gibt, zeigt ein Blick auf die Daten der Bundesnetzagentur. Demnach verfügten rund 77 Prozent der Schulen in Deutschland Mitte 2024 über schnelles Internet. Dabei ist die Versorgung in Sachsen-Anhalt am besten. Insgesamt 94 Prozent der Schulen können auf einen Breitband-Internetanschluss von mindestens 1.000 Mbit/s zurückgreifen. In Thüringen allerdings liegt der Anteil der Schulen mit schnellem Internet bei nur 58 Prozent. Und selbst in Baden-Württemberg haben nur knapp 70 Prozent der Schulen einen Breitbandanschluss. Den raschen Ausbau von Breitbandnetzen hat sich der neue Digitalminister Dr. Karsten Wildberger auf die Fahnen geschrieben und erklärt „wir machen Tempo beim Netzausbau“. Weniger Bürokratie und schnellere Genehmigungsverfahren sollen dafür sorgen, dass auch deutsche Schulen nicht länger abgehängt sind.

Rund 77 Prozent der Schulen in Deutschland verfügten Mitte 2024 über schnelles Internet, allerdings gibt es regional starke Unterschiede.(Bild:  Statista)
Rund 77 Prozent der Schulen in Deutschland verfügten Mitte 2024 über schnelles Internet, allerdings gibt es regional starke Unterschiede.
(Bild: Statista)

Aber auch in vielen anderen Bereichen läuft es nicht rund bei der Digitalisierung der Schulen. Laut einer Forsa-Umfrage aus dem Herbst 2024 haben lediglich 14 Prozent der befragten Schulleitungen angegeben, dass an der eigenen Schule Klassensätze an Laptops, Tablet-PCs und Smartphones für alle Klassen existieren. Bei Dreiviertel der Befragten gibt es zumindest für einige der Schulklassen entsprechende Klassensätze.

Bei Erneuerung oder Neuanschaffung von Geräten müssten im Digitalpakt 2.0 klare, verbindliche Rahmenbedingungen und transparente Prozesse geschaffen werden, um Planungssicherheit für Schulträger und Schulen zu schaffen, erläutert Phong Ngo. Zudem müsse die Antragstellung muss deutlich entbürokratisiert werden. Aus der Praxis bei Converge weiß Ngo zu berichten, dass „sobald die Mittel freigegeben waren, vielerorts schnell Geräte angeschafft werden konnten. Schulträger erhielten dabei die Freiheit, mit erfahrenen IT-Partnern zusammenzuarbeiten“, was sich bewährt habe.

Geräteausstattung nicht ausreichend

Unabhängig von Finanzmitteln eines möglichen Digitalpakts 2.0 stattet das Bundesland Bayern seit dem laufenden Schuljahr 2024/2025 Schüler an weiterführenden Schulen mit elternfinanzierten Endgeräten aus. Dabei bezuschusst das Land den Kauf von Tablets oder Notebooks mit 350 Euro. Die Eltern kaufen in Absprache mit der Schule die Geräte für ihre Kinder, die auch zu Hause uneingeschränkt genutzt werden können. Angeschafft werden dabei immer die gleichen Geräte für eine Schulklasse.

In Dreiviertel der befragten Schulen gibt es zumindest für einige der Schulklassen Klassensätze von Tablets oder PCs. (Bild:  Statista)
In Dreiviertel der befragten Schulen gibt es zumindest für einige der Schulklassen Klassensätze von Tablets oder PCs.
(Bild: Statista)

Bei dieser fördertopfunabhängige Elternfinanzierung von 1:1-Tabletklassen (mit oder ohne Zuschüsse von Kommune oder Bundesland) profitieren Schulen von Planungssicherheit, Unabhängigkeit von Fördermitteln, kurzer Umsetzungszeit und geringerem Verwaltungsaufwand. Das bestätigt Moritz Zeman, Business Manager der ACS Group, die bereits über 3.100 solcher Tabletklassen umgesetzt hat. Finanzschwache Familien können Hilfen erhalten etwa durch Schulen oder Schulträger. Und nicht zuletzt bieten IT-Dienstleister verschiedene sozialverträgliche Zahlungsmodelle an. Und selbst wenn kein anderes Bundesland sich für die flächendeckende Einführung elternfinanzierter Geräten entschieden hat, gibt es Schulen und Schulträger, die Tabletklassen einführen wollen oder bereits eingeführt haben.

Alternative Elternfinanzierung

Auf jeden Fall ist das Modell der Elternfinanzierung attraktiv für IT-Dienstleister, erklärt Zeman. Schließlich profitieren sie nicht nur bei der Beratung, Auswahl und Beschaffung der Geräte. Vielmehr könnten Mobile-Device-Management-Lösungen (MDM) gleich mit angeboten werden. Die mobilen Schülergeräte werden so zentral verwaltetet. Zudem könnten über ein MDM auch Apps integriert und so der Datenschutz der Geräte im Schulnetz gewährleistet werden. Dafür kassiert zum Beispiel die ACS Gruppe knapp 30 Euro pro Gerät und Jahr.

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Defizite gibt es aber nicht nur bei Geräteausstattung und Infrastruktur. So schneiden deutsche Schulen insgesamt bei der Digitalisierung weder bei der PISA-Studie noch in der letzten ICILS-Studie gut ab. Demnach gaben bei der ICILS-Studie (International Association for the Evaluation of ­Educational Achievement) im Jahr 2023 zum Beispiel in Deutschland knapp 22 Prozent der Achtklässler an, in den meisten Unterrichtsstunden Präsentationsprogramme einzusetzen. Dabei liegt der internationale Mittelwert bei 35 Prozent. Und nicht einmal jeder fünfte Achtklässler in Deutschland nutzt eigenen Angaben zufolge mindestens in den meisten Unterrichtsstunden Textverarbeitungsprogramme. Auch dabei liegt der internationale Mittelwert bei über 32 Prozent.

Gezielte Investitionen in die Fort- und Weiterbildung des pädagogischen Personals ist unerlässlich – denn ohne didaktische Konzepte und digitales Knowhow bleibt selbst die modernste Technik wirkungslos.

Phong Ngo, Manager Sales Digital Academy Converge

Lehrerfortbildung befriedigend?

Dabei sind deutsche Lehrer durchaus interessiert an Digitalthemen. So hat eine Studie des Branchenverbands Bitkom ergeben, dass die große Mehrheit der Lehrkräfte sich mehr mit Digitalthemen befassen will.

Moritz Zeman, Business Manager der ACS Group
Viele Lehrkräfte investieren bereits jetzt ihre Freizeit, um digital Schritt zu halten. Sie sind zugleich mit organisatorischen und technischen Herausforderungen konfrontiert.

Bildquelle: ACS

Insgesamt 77 Prozent wünschen sich Weiterbildungen zum Einsatz digitaler Technologien und Medien im Unterricht. Dem veränderten Medienalltag der Schüler wollen sich Lehrer also durchaus stellen und zeitgemäßen Unterricht anbieten. So geht es den meisten Lehrern nicht nur darum, Wissen digital zu vermitteln. Vielmehr steht die Vermittlung von Digitalkompetenzen im Vordergrund. So ist auch Zeman der Ansicht, dass „viele Lehrkräfte bereits jetzt ihre Freizeit investieren, um digital Schritt zu halten. Sie sind zugleich mit organisatorischen und technischen Herausforderungen konfrontiert“. Der ACS-Manager fügt hinzu, dass KI und Social Media ein Teil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen bleiben werden. Damit bewusst und pädagogisch verantwortungsvoll umzugehen, definiere eine neue Rolle für Lehrkräfte. Auch Converge-Manager Ngo, sieht, dass es „wichtig ist, Lehrkräften konkrete Tools, praxisnahe Fortbildungen und klare Leitlinien an die Hand zu geben“.

Laut Bitkom sind Lehrer an Fortbildungen zu pädagogischen Aspekten des digitalen Lernens durchaus interessiert. Wie der didaktisch sinnvolle Einsatz digitaler Endgeräte im Unterricht aussehen sollte, wollen demnach immerhin 40 Prozent der befragten Lehrkräfte wissen.

KI ist aktuell das dominierende Thema im Bildungsbereich, wird aber in vielen Schulen noch zögerlich eingesetzt.

Phong Ngo, Manager Sales Digital Academy Converge

Medienkompetenz aufbauen

Was allerdings bei dem sich schnell verändernden Lebenswelt von Kindern, Jugendlichen und Lehrern im Schulalltag keinesfalls fehlen darf, ist ein richtiger Umgang mit Fake News oder ein verantwortungsvoller Umgang mit Social Media. Solche Inhalte werden auch nach Ansicht von Zeman noch zu wenig berücksichtigt. Diese Ansicht teilt Phong Ngo: „KI ist aktuell das dominierende Thema im Bildungsbereich, wird aber in vielen Schulen noch zögerlich eingesetzt.“

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