Software und Elektronik sind zu festen Komponenten geworden. Auch ressourcenschonende Fertigung und Recycling gestalten die Produktentwicklung vielschichtiger. Als Lösung wird ein effizientes Product Lifecycle Management für die Cloud angeboten. Welche Vorteile die Verlagerung auf einen externen Server mit sich bringt, weiß Johann Dornbach.
Ein Product Lifecycle Management aus der Cloud bietet viele wirtschaftliche und sicherheitstechnische Vorteile.
IT-Ressourcen bedarfsgerecht erhöhen und wieder reduzieren, dabei Kosten sparen, ein hohes Maß an Datensicherheit und die Software immer auf den neuesten Stand – die Vorteile der Cloud sind offensichtlich. Während in der Vergangenheit vor allem große Unternehmen die Vorzüge externer Server nutzten, holen nun kleinere und mittelständische auf. Waren diese früher deutlich zurückhaltender bei der Anwendung, beschäftigen sich mittlerweile mehr als 85 Prozent mit den Potenzialen der Cloud, planen ihren Einsatz oder setzen sie bereits ein.
Gerade im Bereich des PLM bietet die Cloud viele Vorteile gegenüber On-Premise-Hosting, bei dem alle Daten und Hardware im Unternehmen selbst verbleiben.
PLM erfasst alle produktrelevanten Daten über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg. Es umfasst CAD-Zeichnungen, Wartungsnotizen, Produktinformationen, Tabellenkalkulationen, Produktionspläne und Bedienungsanleitungen für den Endnutzer. In seinem Datenpool befinden sich hochsensible Daten, heutzutage, neben den Mitarbeitern, die wichtigste Ressource eines Unternehmens. Es ist verständlich, dass in der Vergangenheit viele Unternehmen zögerlich waren, alle Daten innerhalb ihrer Unternehmensgrenzen, also auf On-Premise-Servern, aufzubewahren.
Mittlerweile macht sich die Erkenntnis breit, dass es gerade die Cloudanbieter sind, die die höchsten Standards für Datensicherheit erfüllen. Vor allem deutsche und europäische Provider bieten ein sehr hohes Sicherheitsniveau, an das nur die wenigsten IT-Systeme von Mittelständern herankommen. Zu den Standards bei der Datensicherheit gehört beispielsweise ein intelligentes Identitätsmanagement mit Zwei- oder Multifaktor-Authentifizierung, das höchsten Schutz gewährleistet
Entscheidende sollten deshalb prüfen, mit welchen Cloudanbietern ein PLM-Dienstleister zusammenarbeitet. Eine gute Orientierungshilfe sind Zertifizierungen nach ISO 27001 und 27018. Die ISO 27018 ist ein internationaler Standard für Datenschutz, der extra auf Cloud-Lösungen zugeschnitten ist, und ergänzt die Informationssicherheitsnorm ISO 27001.
Neben der Datensicherheit ist die Skalierbarkeit einer der großen Vorteile der Cloud, insbesondere für Industrieunternehmen.
Die Datenmenge in den Unternehmen schwillt durch den Trend der Digitalisierung in allen Arbeitsbereichen und im Speziellen durch die Individualisierung von Produkten an. Auch Unternehmensfusionen oder Kooperationen, die zur Migration von CAD- und anderen Daten führen, lassen die Informationsmenge anwachsen.
Setzen Unternehmen dabei auf On-Premises-Lösungen, müssen sie in neue Hardware investieren. Auch auf der Personalseite entstehen Kosten durch die notwendige Implementierung. Zudem kann dies Arbeitsabläufe stilllegen. Passiert das in der Produktion, wirkt es sich signifikant auf die Bilanz aus. Es kann Monate dauern, bis die Erweiterung eines hausinternen Rechenzentrums vollständig abgeschlossen ist.
Cloud-basiertes PLM hingegen ermöglicht die Bereitstellung der benötigten Ressourcen auf Knopfdruck oder automatisiert. Eine Engineering Cloud, wie sie einige PLM-Anbieter bereitstellen, ist auf die speziellen Bedürfnisse von Industrieunternehmen hinsichtlich Performance, Skalierbarkeit und Ausfallsicherheit ausgerichtet.
Die Speicherung von CAD-Dateien lässt sich auf drei Arten umsetzen:
1. Hybrid Cloud: Dabei verbleiben die CAD-Dateien in einem lokalen, unternehmenseigenen Rechenzentrum. Diese Lösung bietet sich an, wenn Unternehmen besonders niedrige Latenzen und eine hohe Bandbreite für den Zugriff auf ihre CAD-Dateien benötigen. Ein Fileserver in der Cloud gleicht die Daten ab bzw. sorgt dafür, dass nur eine einzige Version der Daten existiert. Das Modell der Hybrid Cloud stellt also schnelle Zugriffszeiten auf relevante Daten sicher, die immer innerhalb des unternehmerischen Rechenzentrums verweilen.
2. Cloud only: Hier existieren die Informationen ausschließlich in der Cloud. Dafür ist eine CAD-Software nötig, die nativ in der Cloud arbeitet und sich von einem Client aufrufen lässt, entweder im Browser oder in einer eigenen Applikation.
3. CAD in der Cloud: Die Installation des CAD-Systems erfolgt in der Cloud. Der Transfer aller Darstellungen und Prozesse auf das Gerät des Anwenders geschieht über einen in der Cloud virtualisierten Client, der auf das CAD-Programm zugreift. Der Endnutzer erhält nur die finale Version der CAD-Software, das gesamte Filehandling findet auf dem externen Server statt.
Für Industrieunternehmen mit hohen Ansprüchen an die Systemperformance ist vor allem die dritte Lösung relevant. Bei ihr ist der Provider für die zugrunde liegende Infrastruktur zuständig, einschließlich ihrer Wartung und Aktualisierung, während das Unternehmen zu jeder Zeit auf die benötigten Service zugreifen kann. Bei einer Hosted Cloud erhalten die Unternehmen einen eigenen dedizierten Server, der ausschließlich von ihm in Anspruch genommen wird. Die Datenmigration ins Cloud-Rechenzentrum dauert nur wenige Tage und ist oft innerhalb eines Wochenendes abgeschlossen.
Die Nutzung von Cloud-Lösungen erleichtert auch die Aktualisierung der Software, die durch den Provider geschieht. Damit ist garantiert, dass Sicherheitslücken schnellstmöglich geschlossen werden. Bei On-Premises-Lösungen lässt sich das nur ungleich schwerer umsetzen, da IT-Mitarbeiter dies überwiegend neben dem üblichen Workload erledigen müssen.
Ein PLM aus der Cloud bietet viele wirtschaftliche und sicherheitstechnische Vorteile. Wesentlich bei der Auswahl des PLM-Anbieters ist, dass dieser mit einem Cloud-Provider zusammenarbeitet, die nach den Standards des deutschen bzw. europäischen Datenschutzes arbeiten. Darüber hinaus müssen nicht alle Daten in die Cloud migriert werden – es existieren unterschiedliche Lösungen dafür, welche Informationen innerhalb der Unternehmensgrenzen verweilen und welche ausgelagert werden. Ist die Entscheidung für die passende Cloud-Lösung gefallen, sollte der Migration der Daten nichts mehr im Wege stehen und das Unternehmen profitiert von einer passgenauen und stets aktuellen IT-Umgebung bei geringeren Kosten.
Stand: 08.12.2025
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Dieser Artikel erschien zunächst auf unserem Schwesterportal Industry of Things