Startupdetector Report 2020 Trotz Pandemie werden mehr Startups gegründet

Autor: Sarah Gandorfer

Abgesehen von einem Einbruch bei Gründungen und Investments im zweiten Quartal 2020 ist die Zahl der Startups im Vorjahresvergleich gestiegen. Besonders in den Bereichen Software, Medizin und E-Commerce kamen viele Jungunternehmer auf den Markt.

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Der „startupdetector report 2020“ präsentiert die wichtigsten Zahlen und Fakten zu Startup- Gründungen und Finanzierungsrunden des vergangenen Jahres.
Der „startupdetector report 2020“ präsentiert die wichtigsten Zahlen und Fakten zu Startup- Gründungen und Finanzierungsrunden des vergangenen Jahres.
(Bild: © Sunny studio - stock.adobe.com)

2.857 Startups wurden 2020 in Deutschland gegründet. Das sind über 300 Neugründungen mehr als 2019. Die Pandemie scheint also Gründer nicht abzuhalten. Wobei die Autoren des „Startupdetector Report 2020“ davon ausgehen, dass ohne die Krise möglicherweise noch mehr neue Unternehmen geschaffen worden wären. Zudem zeigen die Daten einen Einbruch bei Gründungen und Investments ab dem 2. Quartal.

Im Ländervergleich liegt Berlin bei den Neugründungen vorn. Rund 24 Prozent aller Startups sprossen allein in der Hauptstadt aus dem Boden. Es folgen Bayern mit 19 Prozent und Nordrhein-Westfalen (NRW) mit 17 Prozent. Mit besonders starkem Wachstum fielen Baden-Württemberg (+23 %), Rheinland-Pfalz (+55 %) sowie Thüringen (+156 %) auf. Dagegen gab es in Hessen einen leichten Rückgang (-11 %).

Ein Blick in die Register der Amtsgerichte zeigt, dass sich 64 Prozent der bayerischen Gründungen auf die Landeshauptstadt München konzentrieren, wogegen sie sich in anderen Bundesländern auf mehrere Städte verteilen. Im Jahresvergleich stechen besonders Stuttgart mit 48 Prozent und Hannover mit 50 Prozent Startup-Gründungen hervor. Frankfurt am Main fiel als einzige Großstadt mit einem Rückgang auf. In den neuen Bundesländern gab es vor allem in Potsdam, Dresden und Leipzig eine bedeutende Anzahl von Neugründungen.

Software, Medizin und E-Commerce

Die Top-Branchen für Firmeninitiatoren waren wie schon 2019 Software, Medizin und E-Commerce. Im Vorjahresvergleich legten 2020 aber vor allem die Bereiche E-Commerce, Lebensmittel, Bildung und Gaming am stärksten zu – was wahrscheinlich den veränderten Anforderungen an das tägliche Leben im Zuge der Corona-Pandemie zuzuschreiben ist. Dagegen nahmen die Gründungen in allgemeiner Software, Hardware, Mobilität und allgemeinen Dienstleistungen ab. Ebenso scheint der Blockchain/Crypto-Boom deutlich abgeebbt zu sein. 52 Prozent aller Startups hatten einen Business-to-Business Fokus (Vorjahr 60 %). Die Gründer sind also offenbar weiterhin überzeugt, dass sich mit der Digitalisierung von Unternehmensprozessen Geld verdienen lässt.

Wie schnell Unternehmen nach dem Notartermin wirklich startklar sind, hängt von der Standortwahl ab. In den beiden großen süddeutschen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg waren Gründer vergangenes Jahr beispielsweise im Mittel bereits nach 23 bis 26 Tagen im Handelsregister eingetragen, wohingegen ihre Kollegen in Hessen und Rheinland-Pfalz zu diesem Zeitpunkt noch fast drei weitere Wochen warten mussten.

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Akademische Fächer mit besonders langer Studiendauer bringen offenbar auch die ältesten Gründer hervor. Sichtbar wird das etwa in den Bereichen Medizin und Rechtsberatung mit einem Durchschnittsalter der Gründer von 39 Jahren. Auch erfordern Startups in den eher B2B-lastigen Branchen wie Energie, Umwelttechnologie, Logistik oder Bauwesen oft einschlägige Arbeitserfahrung, die erst mit dem Alter erreicht wird. Dagegen scheinen sich insbesondere junge Firmeninitiatoren an ihnen persönlich naheliegendere Themen wie Gaming (Durchschnittsalter 32 Jahre), Lebensmittel (Durchschnittsalter 34 Jahre) oder Dienstleistungen (Durchschnittsalter 34 Jahre) zu wagen. Wie auch 2019 lag das Durchschnittsalter der Geschäftsführung aller Startups bei knapp über 35 Jahre

Finanzierung

Wie bereits im Vorjahr haben auch 2020 vor allem Business Angels und Venture Capital einen maßgeblichen Beitrag dazu geleistet, Gründer mit Kapital zu versorgen. Fast 1.700 Startups haben dazu Firmenanteile gegen das Geld der Investoren getauscht. Das zweite und dritte Quartal 2020 waren von den Unsicherheiten der Coronakrise geprägt. Dementsprechend ging die Anzahl der Finanzierungsrunden in dieser Zeit stark zurück, erholten sich jedoch im vierten Quartal. In Summe gab es im zweiten Halbjahr damit fast genauso viele Finanzierungsrunden wie im Vorjahreszeitraum.

Nicht jedes Startup bekam eine Finanzierung von Investoren. Nur 764 Startups, und damit lediglich rund 10 Prozent der Neugründungen von 2018 bis 2020, konnten nach durchschnittlich 19 Monaten zum ersten Mal externes Kapital einsammeln. Knapp 200 von ihnen waren besonders schnell und überzeugten Investoren sogar noch im Jahr ihrer Gründung.

Von der ersten zur zweiten Runde vergingen dann im Schnitt noch einmal rund anderthalb Jahre. Hat das Startup aber bereits zum zweiten Mal Investorengeld erhalten, geht es dann mit der Folgerunde schneller. Das zeigt, wie wichtig Risikokapital in der Frühphase für die Entwicklung von Startups ist, damit diese dann startuptypisch schnell skalieren und wachsen können.

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Über den Autor

 Sarah Gandorfer

Sarah Gandorfer

Redakteurin bei IT-BUSINESS