Hoher Energiebedarf durch Künstliche Intelligenz Treiben die großen KI-Akteure die Strompreise nach oben?

Von Lucas Schmidt 3 min Lesedauer

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Kommen auf Verbraucher höhere Stromkosten zu, weil die Big-Player auf dem KI-Markt zu viel Strom für ihre Anwendungen und deren Training benötigen? Davon geht Reed Cassady, Portfoliomanager bei Clearbridge Investments aus und erklärt die Gründe.

KI-Anwendungen von Unternehmen wie Amazon, Google, Microsoft und Meta benötigen große Mengen an Energie. Das könnte Auswirkungen auf die Strompreise für Verbraucher haben. (Bild:  KI-generiert/midjourney)
KI-Anwendungen von Unternehmen wie Amazon, Google, Microsoft und Meta benötigen große Mengen an Energie. Das könnte Auswirkungen auf die Strompreise für Verbraucher haben.
(Bild: KI-generiert/midjourney)

Bereits 2022 war der Strombedarf von Rechenzentren 70 Prozent höher als 2010. Das geht aus der Bitkom-Studie „Rechenzentren in Deutschland 2023“ hervor. Die Studie prognostiziert auch, dass der Energiebedarf von Rechenzentren bis 2030 von 17,9 Milliarden kWh pro Jahr in 2022 auf etwa 27 Milliarden kWh pro Jahr ansteigt. Im Falle eines Booms erwarten die Analysten im gleichen Zeitraum sogar einen Anstieg auf 34 Milliarden kWh pro Jahr, was fast eine Verdopplung bedeuten würde.

Von stark steigendem Strombedarf geht auch Reed Cassady, Portfoliomanager bei Clearbridge Investments aus: „Durch Innovationen wie das Cloud Computing ist der Strombedarf von Rechenzentren stetig gestiegen, derzeitige Spitzenschätzungen des Strombedarfs für KI-Computing liegen demgegenüber jedoch beim 30-fachen pro Server.“ Denn: KI-Funktionen und gerade deren Training verbrauchen große Mengen an Energie. Bleibt die angebotene Strommenge gleich und der Bedarf steigt, steigen auch die Kosten. Nach aktuellen Schätzungen werden die USA aufgrund der wachsenden KI-Nachfrage in den nächsten zehn Jahren zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder ein Wachstum der Stromnachfrage von mehr als 3 Prozent verzeichnen. Die Deckung dieser erhöhten Nachfrage wäre bereits unter normalen Umständen keine leichte Aufgabe.

Reed Cassady, Portfoliomanager bei ClearBridge Investments, prognostiziert steigende Strompreise für Verbraucher. (Bild:  Clearbridge / Franklin Templeton)
Reed Cassady, Portfoliomanager bei ClearBridge Investments, prognostiziert steigende Strompreise für Verbraucher.
(Bild: Clearbridge / Franklin Templeton)

Als größten Treiber dieser Nachfrageexplosion sieht Cassady die Big Player der KI. „Die großen Player der KI-Infrastruktur Amazon, Google, Microsoft, Meta und zunehmend auch Oracle werden die bestehenden Systeme an ihre Grenzen bringen. Angesichts der Schwierigkeiten überrascht es nicht, dass sich die Stromversorgung schnell als größter Engpass für einen umfassenderen Ausbau von KI-Rechenzentren herausstellt“, erklärt Cassady das Problem. Geht es nach ihm, werden diese Akteure deshalb versuchen das allgemeine Stromnetz zu umgehen. Er führt aus: „Sie wenden sich direkt an Stromhändler, um über langfristige Verträge Strom zu beziehen, oft mit einem erheblichen Aufschlag auf die herrschenden Strompreise.“

Doch was für die großen Player von Vorteil ist, ist laut dem Portfoliomanager nicht zwangsläufig gut für den Rest der Gesellschaft. Als Beispiel dient für ihn der kürzlich geschlossene Vertrag von Amazon und dem Kernkraftwerksbetreiber Talen Energy über die Abnahme von mehr als 1 Gigawatt (GW) Strom mit einem Aufschlag von 50 Prozent auf die aktuellen Strompreise. Eine Strommenge die dann nur Amazon zur Verfügung steht. Dieser Umstand verschlechtert die Ausgangssituation weiter, wie Cassady erläutert: „Diese Strommenge wird nicht dazu beitragen, die Netzzuverlässigkeit zu sichern und sie wird nicht helfen, die Strompreise niedrig zu halten.“ Ferner rechnet er nicht damit, dass diese Herangehensweise von Amazon an sämtlichen Konkurrenten vorbei gegangen ist. Denn geht es nach ihm, hat der Internet-Gigant durch die Talen-Transaktion den Grundstein für die Beschleunigung seiner KI-Strategie geschaffen. Die KI-Konkurrenz werde nachziehen und das angespannte Angebot-Nachfrage-Verhältnis weiter verschärfen. „Im Zuge dieser Entwicklung könnte es in den nächsten Jahren zu einem galoppierenden Anstieg der Strompreise kommen", resümiert er.

Umweltkrise erschwert die Lage zusätzlich

Das Problem werde nicht einfach verschwinden, sondern sich eher verschärfen. Cassady führt das auf die Umstellung von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien zurück. Dieser unausweichliche Umstieg wird für den Manager dann zum Problem, wenn durch KI entsprechende Strommengen aus dem Netz genommen werden und nicht mehr zur Deckung der Grundlast zur Verfügung stehen. Versorgungsunternehmen seien dann gezwungen, auf erneuerbare Energie zurückzugreifen, doch sei es bei diesen Energiequellen nicht möglich, die Produktion bei Bedarf beträchtlich zu steigern. Geht es nach Cassady, drohen im schlimmsten Fall dann sogar Stromausfälle.

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