Auf schwierigere Zeiten hat Synaxon-Chef Frank Roebers die Teilnehmer der iTeam-Geschäftsführertagung 2023 eingestimmt. Nichtsdestotrotz hält Synaxon Kurs, baut das Partnermanagement der Systemhauskooperation aus und sucht für sie einen zweiten Geschäftsführer.
Kommen auf den IT-Channel schwierige Zeiten zu? Frank Roebers, CEO bei Synaxon, rät zur „leichten Vorsorge“.
(Bild: Korea Saii - stock.adobe.com)
Negative Faktoren, die das IT-Geschäft beeinflussen, hat Frank Roebers schon immer klar benannt. Auf der Geschäftsführertagung der Systemhauskooperation iTeam, die vergangene Woche in Bonn stattfand, zeichnete der Synaxon-Chef aber ein selbst für seine Verhältnisse düsteres Bild der wirtschaftlichen Lage. „Wir sind endgültig in der Rezession angekommen“, sagte er in seiner Eröffnungsrede. Dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um etwa 0,3 Prozent schrumpfe, sei zwar allein noch nicht dramatisch. Der Rückgang der Industrieproduktion, die hohe Inflationsrate, die Zinsentwicklung und der drastisch gestiegene Strompreis für die Industrie seien jedoch weitere Belastungen, die sich auf die Nachfrage nach IT-Dienstleistungen auswirken könnten.
Für einen negativen Standortfaktor hält Roebers außerdem die europaweit zunehmende Regulierung, die „die Wirtschaft zu strangulieren“ beginne. Die Kritik an der Bürokratie sei in Deutschland zu Recht schon immer groß gewesen. Der CEO der Verbundgruppe verwies auf den Jahresbericht des Nationalen Normenkontrollrats (NKR), wonach der deutschen Wirtschaft 2022 durch neue Regularien zusätzliche Belastungen in Höhe von 6,7 Milliarden Euro entstanden sind. Laut dem Institut für Mittelstandsforschung (IfM) müsse ein kleineres Unternehmen mit 125 Mitarbeitern heute etwa drei Prozent des Umsatzes aufwenden, um bürokratische Auflagen zu erfüllen. „Wir haben es mit einer Regulierungswut zu tun, die einem den Spaß am Unternehmertun verleiden kann.“
Mehr als Einkaufsvorteile und Zentralregulierung
Synaxon mit Sitz in Schloß Holte-Stukenbrock bei Bielefeld ist die größte IT-Verbundgruppe Europas, in der nach eigenen Angaben etwa 4.500 ITK-Dienstleister in Deutschland und Großbritannien organisiert sind. Hierzulande sind es mehr als 3.000. Neben der Systemhauskooperation iTeam gehören zum Unternehmen die Kompetenz- und Marketingverbünde PC-Spezialist und IT-Service.Network sowie der MSP Einsnulleins, der Managed Services in einem Franchise-Modell vermarktet. Synaxon beschäftigt rund 300 Mitarbeiter. 2016 sortierten die Ostwestfalen ihre Marken neu und führten den „Synaxon IT.Partner“ als Basismitgliedschaft ein, auf der die Verbünde mit ihren spezifischen Leistungsangeboten aufbauen.
Neben den klassischen Leistungen einer Fachhandelskooperation, die ihren Mitgliedern günstige Einkaufskonditionen bietet und Forderungen zentral für sie reguliert, unterstützt Synaxon die Partner in Marketing und Vertrieb, berät sie durch zertifizierte Systemingenieure und Lizenzexperten in Projekten und vermittelt ihnen Wissen in Seminaren und Workshops. Außerdem stellt ihnen die Verbundgruppe als „Master MSP“ eine Reihe von Managed Services bereit, die sie in ihr Portfolio einbinden können.
Um den Einkauf für die Mitglieder zu digitalisieren, führte Synaxon bereits vor 20 Jahren die elektronische Plattform Egis ein, über die heute 3,5 Millionen Produkte aus den Sortimenten von etwa 90 Distributoren verfügbar sind. Der Zielmarkt der Partner sind im wesentlichen SMB-Kunden, die bis zu 250 Mitarbeiter beschäftigen.
Von der Rezession unberührt
Diese Faktoren seien für die IT-Branche „keine guten Vorzeichen“, fasste Roebers zusammen. Nachdem Systemhäuser und Dienstleister im Aufschwung das Problem hatten, schnell genug Personal zu bekommen, um die Nachfrage zu bedienen, müssten sie sich nun verstärkt mit Marketing und Vertrieb auseinandersetzen. Im Gespräch mit der Fachpresse relativierte der Synaxon-Vorstand, der in Personalunion die Geschäfte bei iTeam führt, allerdings seine pessimistische Prognose. „Unseren iTeam-Partnern geht es gut.“ Von der Rezession seien sie bislang weitgehend unberührt. Einige Indizien deuteten jedoch darauf hin, dass sich die Situation ändern könnte. „Deswegen war es mir wichtig zu sagen: Geht nicht allzu sicher davon aus, dass es so bleibt!“
Den Partnern rät Roebers, jetzt „leichte Vorsorge“ zu treffen, um das Geschäft „wetterfest“, sprich resilient, zu machen. Sinnvoll sei es, die Eigenkapitalbasis zu stärken, weil Finanzierungen durch Banken wesentlich teurer geworden sind, und die Umsatzrendite im Auge zu behalten. Bei den iTeam-Mitgliedern liegt sie, gemessen am Vorsteuergewinn, derzeit bei etwa 10 Prozent. Diesen Wert hält der Manager für ein gutes Polster. Die Partner seien daher nicht gezwungen, auf jeden Umsatzrückgang mit Entlassungen zu reagieren. „Wenn man Personal, dass man in den vergangenen Jahren teuer rekrutiert hat, jetzt wieder abgeben müsste, wäre das bitter.“ Letztlich sieht Roebers für die Systemhäuser aber keinen Grund dazu, in ihrem Business „auf die Bremse zu treten“.
Auch Synaxon selbst drosselt nicht das Tempo, sondern investiert weiter in iTeam. So stocken die Ostwestfalen das Partnermanagement von vier auf fünf Köpfe auf. Außerdem suchen sie für die Kooperation gerade einen zweiten Geschäftsführer, der ihr künftig seine gesamte Arbeitszeit widmen soll. Das Netzwerk sei ihm „zu wichtig, als dass es noch einmal zehn Jahre von einem Teilzeitgeschäftsführer geleitet wird“, betont Roebers. Er übernahm die iTeam-Geschäftsführung im März 2015 zusätzlich zu seiner Funktion als Synaxon-Chef. Mittlerweile könne er aber viele Themen, die die Kooperation betreffen, nicht mehr ausreichend bearbeiten, da andere Aufgaben seine Zeit in Anspruch nehmen. Tatsächlich hat die Verbundgruppe ihr Leistungsspektrum in den vergangenen Jahren stetig verbreitert und ist personell stark gewachsen.
Stabile Entwicklung
Mit der Entwicklung von iTeam zeigt sich Roebers zufrieden. Die Kooperation kommt auf gut 370 Mitglieder und hat damit ihre Obergrenze, die nominell bei 400 liegt, aufgrund der regionalen Verteilungsschlüssel de facto erreicht. Die Nachfrage von Systemhäusern, die dem Netzwerk beitreten wollen, sei ungebrochen groß, die Zahl der Austritte niedrig, berichtet der Geschäftsführer. Die jährliche Fluktuation betrage daher lediglich zwei Prozent. Aufgenommen werden Unternehmen mit mindestens zehn Mitarbeitern. Die Obergrenze liegt idealerweise bei 100. Allerdings dürfen Häuser, die darüber hinauswachsen, im Verbund bleiben. Der Gruppe der sogenannten „Ü50“, die mehr als 50 Mitarbeiter beschäftigen, gehören etwa 70 Unternehmen an. Für die positive Entwicklung bei iTeam spricht nach Roebers Worten auch, dass die durchschnittliche Mitarbeiterzahl der Mitglieder, die derzeit 35 beträgt, stetig wächst.
Stand: 08.12.2025
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Synaxon-Chef Frank Roebers sucht einen zweiten Geschäftsführer, der iTeam künftig gemeinsam mit ihm leitet.
(Bild: Michael Hase)
Um die iTeam-Partner macht er sich auch für die Zukunft relativ wenig Sorgen. Denn der Markt biete nach wie vor genügend Potenzial. Einen Grund dafür sieht der Branchenexperte darin, dass die Zahl der ITK-Dienstleister hierzulande in den vergangenen Jahren stark abgenommen hat. Nach Beobachtung von Synaxon ist diese Zahl seit 2018 von 26.000 auf derzeit etwa 18.000 zurückgegangen. Dabei sind vor allem Kleinstunternehmen aus dem IT-Geschäft ausgestiegen. Von der Lücke, die dadurch im Markt entstanden ist, profitieren Roebers zufolge die verbliebenen Systemhäuser. Denn der Dienstleistungsbedarf auf Endkundenseite ist im Zuge der Digitalisierung angestiegen.
Trend in Richtung Cloud
Der Synaxon-Chef erwartet trotz der ökonomischen Herausforderungen keinen Einbruch der Nachfrage. Denn für IT-Entscheider gebe es gute Gründe, ihre Ausgaben nicht zurückzufahren. „In schwierigen Zeiten in IT zu investieren, ist eine gute Idee, weil Unternehmen dadurch ihre Gesamtkosten senken können.“ Allerdings beobachtet der Manager, dass sich die Entscheidungsprozesse bei Kunden verlangsamen und die Sales-Zyklen länger werden. Deshalb ergebe es Sinn für Systemhäuser, ihre Aktivität in Marketing und Vertrieb zu verstärken. Bei den IT-Investitionen sieht er einen klaren Trend in Richtung Cloud. Die Wahrnehmung deckt sich mit Zahlen von Statista, wonach der Gesamtmarkt für IaaS, PaaS und SaaS in diesem Jahr in Deutschland um 23,8 Prozent auf 19,9 Milliarden Euro wächst. „Die Bereitschaft, in die Cloud zu gehen, nimmt bei Kunden deutlich zu.“ Das gelte auch für das Marktsegment der Unternehmen mit 10 bis zu 250 Mitarbeitern, auf dem der Schwerpunkt der iTeam-Partner liegt.
Für Synaxon insgesamt ist Roebers ebenfalls optimistisch. Er rechnet damit, dass die Verbundgruppe, der in Deutschland mehr als 3.000 ITK-Dienstleister angehören, ihren Gesamtumsatz in diesem Jahr wieder signifikant steigern wird, und zwar um 10 bis 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2022 erhöhten sich die Erlöse lediglich um vier Prozent auf 122 Millionen Euro. Für 2024 erwartet der CEO sogar ein noch etwas stärkeres Wachstum als 2023.