Rund um die niederbayrische Hartl Group ist im Stillen ein neuer Verbund entstanden: Synaforce geht jetzt offiziell an den Start und positioniert sich als Provider hochwertiger Datacenter-Services. Neben Hartl gehören Abakus, ITecon und Trikom zur Gruppe.
Sie bilden das Führungsteam von Synaforce (v. l.): Hannes Beierlein (CMO), Tobias Lehner (CTO), Andreas Braidt (COO) und Peter Hartl (CEO).
(Bild: Ruppografie - Nadine Rupp)
Einzelkämpfer war Peter Hartl nie. Sonst wäre es dem IT-Unternehmer nicht möglich gewesen, einen erfolgreichen Managed Service Provider aufzubauen und sich mit relativ kleinem Team drei Jahrzehnte im Markt zu behaupten. Dabei hat Hartl stets eng mit anderen Dienstleistern, mit Systemhäusern und Software-Anbietern zusammengearbeitet. Er spricht von „Mitstreitern“. Jetzt geht der Entrepreneur aus dem niederbayrischen Hofkirchen einen Schritt weiter: Er hat sich mit drei dieser Mitstreiter zu einer Gruppe zusammengeschlossen, die künftig unter der Marke „Synaforce“ agiert und sich als Anbieter hochwertiger Datacenter-Services positioniert.
Neben der Hartl Group, die ihren bisherigen Namen schon im Mai dieses Jahres abgelegt hat, gehören zu dem neuen Konstrukt das Systemhaus Abakus IT Service aus dem württembergischen Waldburg (seit April) und der Netzwerkdienstleister Trikom aus Hamburg (seit diesem Monat). Der Mainzer IT-Dienstleister ITecon und seine Tochtergesellschaft ITecon Financial IT Services werden zum 1. Januar 2024 in Synaforce aufgehen. Zusammen kommen die Fünf auf rund 100 Mitarbeiter, mit denen sie etwa 1.000 Kunden betreuen. Geplant ist, dass die Gruppe künftig weitere Mitglieder aufnimmt. „Meine Wunschvorstellung ist, dass wir in vier bis fünf Jahren bei einer Größenordnung von 300 Mitarbeitern sind“, teilt Hartl mit, der nun CEO von Synaforce ist.
Buy-&-Build-Strategie
Nach dem Soft-Launch im Mai hat das Unternehmen die neue Marke am Mittwoch dieser Woche auf einem Event in der Münchner Motorworld seinen Kunden und Partnern sowie der Fachpresse vorgestellt. Hinter der Dienstleistungsgruppe steht die Münchner Beteiligungsgesellschaft Afinum, die im Mai 2022 die Mehrheit an der Hartl Group übernahm. Der Investor kündigte seinerzeit bereits den Plan an, im Rahmen einer Buy-&-Build-Strategie weitere IT-Dienstleister zu erwerben. Das ist inzwischen geschehen. Weitere Akquisitionen sollen folgen.
Neben Hartl stehen Andreas Braidt als Chief Operating Officer (COO) und Tobias Lehner als Chief Technology Officer (CTO) an der Spitze von Synaforce. Beide waren in ihren Funktionen bereits in der Hartl Group tätig. Hannes Beierlein zeichnet als Chief Marketing Officer (CMO) für die Kommunikation und den Markenaufbau verantwortlich. Der Hauptsitz der Gesellschaft ist in Hofkirchen bei Passau.
Ein wesentlicher Grund, die Eigenständigkeit aufzugeben und sich mit anderen zu einer größeren Organisation zusammenzuschließen, war für Hartl der Fachkräftemangel. „Das Arbeitsumfeld hat sich seit Ausbruch der Corona-Pandemie komplett gedreht“, berichtet der IT-Profi. Die Nachfrage nach IT-Services sei zwar nach wie vor immens hoch. Weil es für den niederbayrischen Dienstleister aber immer schwieriger geworden sei, zusätzliches Personal zu rekrutieren, könne er den Bedarf nicht mehr in vollem Umfang bedienen. Dadurch werde das Wachstum gebremst. Von der Fusion zu einer Gruppe verspricht sich Hartl deutlich bessere Chancen am Arbeitsmarkt. „Dank der Größe und der überregionalen Aufstellung können wir Mitarbeitern jetzt eine ganz andere Perspektive bieten.“ Bei den Mitstreitern sei die Motivation ähnlich gewesen.
Etablierte Dienstleister
Hartls Unternehmen entstand 1992 als Hartl EDV und tritt nach eigenen Angaben seit 27 Jahren als MSP auf. Mit einem 21-köpfigen Team stellt es in einem eigenen Rechenzentrum in Hofkirchen sowie an weiteren Standorten in München, Nürnberg und Wien ein Portfolio an Managed Infrastructure Services für seine Kunden bereit. Ein weiteres Geschäftsfeld sind Branchenlösungen, die der Dienstleister auf Basis des ERP-Systems MD-Premium von Multidata entwickelt. Zur Klientel von Hartl gehören Unternehmen des gehobenen Mittelstands, die insbesondere aus der fertigenden Industrie und dem Gesundheitswesen kommen.
Abakus wurde bereits 1968 gegründet und agiert seit 40 Jahren als Systemhaus. Seit 2011 entwickelte sich das Unternehmen mit einem eigenen Rechenzentrum zum MSP weiter. Schwerpunkte der Oberschwaben liegen auf Virtuellen Desktop-Infrastrukturen (VDI) und Cybersecurity. Ein großer Anteil der Kunden von Abakus stammt aus dem öffentlicher Sektor.
Trikom wurde 1998 gegründet. Der Dienstleister, der neben dem Hauptsitz in Hamburg ein weiteres Büro in Nürnberg unterhält, hat sich auf Netzwerkservices für anspruchsvolle IT-Umgebungen spezialisiert. Schwerpunkte von Trikom bilden die herstellerneutrale Beratung von Kunden bei der Auswahl von Netzwerktechnologien sowie die Konzeption und Implementierung komplexer Systeme.
ITecon agiert ebenfalls seit 25 Jahren am Markt und stellt Managed Infrastructure Services in einem eigenen Rechenzentrum in Mainz und einem Ausgleichsrechenzentrum in Frankfurt / Main bereit. Die Kunden stammen vor allen aus der Finanzbranche und dem Gesundheitswesen. Die Tochter ITecon Financial IT Services entwickelt und vertreibt Software für Banken, die unter anderem in Geldautomaten zum Einsatz kommt.
Stand: 08.12.2025
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Agilität und Nachhaltigkeit
In der neuen Konstellation wollen die Unternehmen künftig Synergien nutzen. Dazu soll eine agile Kultur geschaffen werden, die durch flache flache Hierarchien, offene Kommunikation und vertrauensvollen Umgang untereinander gekennzeichnet ist. Besonderen Wert legt die Gruppe nach eigenen Angaben darauf, dass ihre Services nachhaltig sind. So nutze sie schon heute erneuerbare Energiequellen und verbessere fortdauernd ihre Prozesse, um den ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten.
Weiteres Augenmerk liegt auf dem Ausbau des Portfolios. Bei der Bereitstellung der Services setzen die Dienstleister in hohem Maße auf Plattformen und Technologien von Microsoft. So zählt die Hartl Group zu den ersten deutschen MSP-Partnern des US-Konzerns, die Services auf Basis des Service Provider License Agreements (SPLA) angeboten haben. Bei den Kunden beobachtet Hartl allerdings eine zunehmende Verunsicherung, weil Microsoft immer wieder die Preise anhebe. Deshalb möchte er mit Synaforce in Zukunft auch Angebote auf Basis von Open-Source-Technologien bereitstellen, bei denen er eine wachsende Nachfrage erwartet. „Wir wollen den Markt breiter bedienen“, kündigt der CEO an. „Bevor es andere machen, werden wir es selbst tun.“
Einen zusätzlichen Vorteil des Verbunds sieht Hartl darin, dass er von Kunden künftig nicht mehr unterschätzt wird. So habe die Hartl Group einige Projekte nicht gewonnen, weil die Auftraggeber den Dienstleister für zu klein hielten. Wenn sich ein zweifelnder Kunde aber doch für die Niederbayern entschied, habe man die Bedenken stets schnell ausgeräumt. Dank des hohen Automatisierungsgrads sei der Service Provider auch mit kleinem Technik-Team in der Lage, die Workloads relativ vieler Kunden zu managen. „Wir haben Tools geschaffen, die es uns ermöglichen, mit den Hyperscalern zu konkurrieren“, betont der Firmengründer. Nach seinen Worten ist die Zufriedenheit innerhalb der Klientel derart hoch, dass Neukunden fast ausschließlich über Empfehlungen kamen. „Einen klassischen Vertrieb haben wir nie gebraucht.“ Stattdessen agierte das Sales-Team von Hartl als Fachvertrieb, der Kunden zu technologischen Lösungen beraten hat.
Stabwechsel geplant
Für Peter Hartl ist der Aufbau von Synaforce zugleich Teil seines Plans zur Unternehmensnachfolge. Wenn die neuen Strukturen weitgehend stehen, will sich der 58-Jährige von der Spitze in die zweite Reihe zurückziehen, wie er ankündigt. Dann werde er sich im Vertrieb um die Betreuung von Bestandskunden kümmern. Designierter Nachfolger als CEO ist Andreas Braidt. Der Manager, der seit 21 Jahren bei Hartl tätig ist, nahm bis Mitte 2022 im Unternehmen die Funktion des Head of Application Development wahr.