It-sa 2023 Sicherheit ist längst nicht mehr nur Technik

Von Barbara Gribl 4 min Lesedauer

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Auf der It-sa zeigte sich: Die IT-Branche wandelt sich rasch, mit Fokus auf MDR und Managed Services. Doch menschliche Intelligenz bleibt trotz KI zentral und Zusammenarbeit sowie Technologieintegration werden zu Schlüsselkompetenzen.

797 Aussteller aus 31 Ländern zeigten ihre Produkte und Lösungen für IT-Sicherheit auf der It-sa 2023. Fünf Foren informierten zur Abwehr von Cyberkriminalität, Start-ups rückten auf einer Sonderfläche in den Fokus.(Bild:  NürnbergMesse / Thomas Geiger)
797 Aussteller aus 31 Ländern zeigten ihre Produkte und Lösungen für IT-Sicherheit auf der It-sa 2023. Fünf Foren informierten zur Abwehr von Cyberkriminalität, Start-ups rückten auf einer Sonderfläche in den Fokus.
(Bild: NürnbergMesse / Thomas Geiger)

Früher war alles besser? Es war einfach anders. Auf neue Anforderungen müssen Hersteller, IT-Dienstleister, Distributoren und Partner mit anderen Mitteln reagieren. In der Partnerlandschaft tut sich einiges, der Channel rückt enger ­zusammen. MDR und Managed Services stehen hoch im Kurs. Des Weiteren sind sich alle einig: Die menschliche Komponente bleibt wichtig. Trotz KI braucht es weiterhin menschliche Intelligenz für technologische Fortschritte und Erfolge gegen ­Cyberkriminalität.

Apropos KI: Sie ist wohl der Hype des Jahres. Und auch weitere Veränderungen prägen den Channel. Während vorher klassische Antivirus- und Firewall-Installationen im Mittelpunkt standen, ist heute beispielsweise MDR (Managed Detection and Response) heute das Top-Betätigungsfeld. Es geht darum, „sich mit neuen, gefragten Technologien sinnvoll beim Kunden positionieren zu können und sich zu fragen, wie verkaufe ich denn die neue Art von Security“, sagt Jörg von der Heydt, Regional Director DACH bei Bitdefender.

Wo sind Stolpersteine?

Während bei Endpoint Security bisher vor allem das physikalische Gerät gemeint war, „ist mit Endpoint Security heute die gesamte IT-Infrastruktur gemeint – das heißt auch jede Cloud-Plattform und jedes IT-Device“, erklärt von der Heydt weiter. Statt allein das Produkt, steht heute das Konzept im Vordergrund. Im Rahmen des Konzepts, welches Hersteller oder Partner gemeinsam mit dem Kunden erarbeiten, erklären sie ihm: Um die Angriffsfläche minimieren zu wollen, müssten bestimmte Technologien verortet sein, die in der angebotenen Plattform enthalten sind. „Wir werden einen deutlich höher qualifizierteren Channel brauchen, der sich mit neuen Technologien weiterentwickelt. Und wir von Bitdefender werden entsprechende Angebote machen, um sich dies, auch vertrieblich, aneignen zu können“, verrät von der Heydt. Security Awareness, Schulungen und Managed Security Services werden deshalb immer wichtiger und etablieren sich zunehmend im Portfolio. Dahinter verbirgt sich öfter aber großes Unwissen: Hinter welchem Begriff steckt eigentlich welche Art von Dienstleistung? Manche Anbieter nennen es SOC as a Service, andere SIEM as a Service oder MDR. „Da muss ich mich fragen, was steckt hinter dieser Benennung, die den Service ausmacht“, erläutert von der Heydt.

Datensouveränität rückt in den Vordergrund

Der Kunde möchte vor allem wissen, „wen ich denn persönlich ansprechen, und wem ich vertrauen kann“, schildert ­René Hofmann, Geschäftsführer der ­Securepoint. „Ein Unternehmer sollte sich Expertise und vertrauensvolle Partner suchen, die einen Schutz ganzheitlich aufbauen.“ IT-Sicherheit beginnt bei den Menschen. „Menschen, Prozesse und Technik müssen aufeinander abgestimmt werden“, erläutert Hofmann. „So erreichen Unternehmen ihre digitale Unabhängigkeit.“ Gerade in Unruhezeiten wie aktuell im Nahen Osten erscheint das Thema Datensouveränität nochmal präsenter auf der Bildfläche.

Stärkeres Miteinander und gemeinsame Lernkurve

Ohne das Geflecht aus Hersteller, Partner und Kunde komme man nicht weit, da jeder an unterschiedlichen Punkten der Wertschöpfungskette sitzt. Viele Kunden scheuen sich zunächst davor, einen Partner mit ins Boot zu holen und würden stattdessen lieber gleich direkt mit dem Hersteller zusammenarbeiten. „Keine Abhängigkeiten“, heißt es dann. Jede Partei bringe allerdings tiefes Wissen mit, das den anderen ohne entsprechende Kommunikation nicht zur Verfügung steht. „Die Lösungen heute, sei es SD-WAN, SASE oder ZTNA, umfassen alle mehrere Produkte, die ein bestimmtes Verständnis und Implementierungserfahrung erfordern“, so Peter Schill, System-Engineering-Manager bei Fortinet. „Auch empfehle ich ein stärkeres Zusammengehen bereits in der frühen Projektphase.“ Der Grund, weshalb Cyberkriminelle eine Zeit lang so erfolgreich waren, sei eben auch: „Sie haben unendlich gut zusammengearbeitet und alle Informationen, die sie hatten, miteinander geteilt“, erläutert Schill. Auf Seiten der Security-Verantwortlichen sei dagegen das Scheuklappen-Denken noch groß. Wenn eine Plattform funktionieren soll, muss sie herstellerübergreifend funktionieren.

Drittanbieter-Integrationen ermöglichen

Andererseits ist der Channel in letzter Zeit schon stark auf dieser Fährte. Alleine im Kundeninteresse müssen Hersteller so offen sein, Informationen von Drittsystemen im eigenen zentralen Ansatz einbauen zu können. Diese Herangehensweise verfolgt auch Sophos. Neben Top-Thema MDR, welches vor gut einem Jahr vom Hersteller noch gelauncht wurde, sollen auch die Möglichkeiten zur Drittanbieter-Integration vorangetrieben werden – bestätigt Sven Janssen, seit August 2023 VP Sales EMEA Central bei Sophos. Das Unternehmen nennt eine MDR-Kundenzahl weltweit von mittlerweile über 18.000. „Man merkt auch, dass sich viele Partner nochmal die Zeit genommen haben, ihre Services neu zu strukturieren“, so Janssen. „Was biete ich als MSP oder Reseller genau an und welches Serviceangebot kann ich vielleicht noch ergänzen? Hierzu bietet sich mittlerweile eine ganze Palette. Was hat der Kunde überhaupt in seiner Infrastruktur und kann ich andere Tools mit einbinden?“.

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Notfall: Das mobile Rechenzentrum rückt an

Ein außergewöhnliches Konzept bietet Watchguard-Partner CT Cloud Design den Kunden. Der Profi in Sachen IT-Infrastruktur und Cyber Prevention arbeitet seit Jahren mit dem Hersteller zusammen und unterstützt Kunden mit einem Rescue Kit, das bei Ransomware-Angriffen zum Einsatz kommt. Geschäftsführer Jan Carstens erklärt: „Wurden die Systeme des Kunden verschlüsselt, muss die IT zunächst isoliert werden. Der Kunde muss die Möglichkeit haben, sozusagen auf einer grünen Wiese neu anzufangen, sprich Systeme neu installieren zu können.“ In dieser Phase beschlagnahme das LKA die IT zur Beweissicherung. Deshalb kann erst einmal eben nicht neu installiert werden. Daher die Idee des Rescue Kits: Mit einem vollgepackten, mobilen Rechenzentrum via Transporter kommt CT Cloud dann zum Kunden und stellt ihm dieses über gesicherte Systeme zur Überbrückung zur Verfügung. „WatchGuard hat uns bei dieser Idee sehr unterstützt. Es macht unheimlich Spaß, das Business des Kunden zu verstehen und ihm gemeinsam unter die Arme zu greifen“, erzählt Carstens.

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