Homeschooling und Wechselunterricht Schulpolitik in der Coronakrise fällt durch

Autor: Ann-Marie Struck

Die vergangenen beiden Schulhalbjahre waren für Schüler, Lehrkräfte und Eltern ein chaotischer Mix aus Präsenz- und Heimunterricht. Demnach ist einer Umfrage des Bitkom zufolge das Corona-Krisenmanagement der Schulpolitik auch versetzungsgefährdet.

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Eine Schulnote dient zur Erhebung der Leistungen. Im deutschen Schulsystem geht es von Eins für sehr gut bis Sechs gleich ungenügend.
Eine Schulnote dient zur Erhebung der Leistungen. Im deutschen Schulsystem geht es von Eins für sehr gut bis Sechs gleich ungenügend.
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Mangelnde Digitalisierung, lähmende Datenschutzdebatten, Schulöffnungen ohne Teststrategie: Das Corona-Krisenmanagement in der deutschen Bildungspolitik fällt bei der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger durch. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Bitkom unter mehr als 1.000 Personen in Deutschland ab 16 Jahren. Davon waren rund ein Drittel Eltern schulpflichtiger Kinder. Demnach vergeben 59 Prozent der Befragten für das allgemeine Krisenmanagement der Bildungspolitik während der Pandemie die Schulnote Fünf („Mangelhaft“; 30 %) oder Sechs („Ungenügend“; 29 %). 19 Prozent bewertet es mit einer „Ausreichend“ (Vier), 14 Prozent geben eine Drei („Befriedigend“). Mit einer Zwei („Gut“), benoten es nur vier Prozent, mit der Bestnote Eins „Sehr gut“ zwei Prozent. Das ergibt eine Durchschnittsnote von 4,5. Das ist stark gefährdet.

Unterscheidet man die Einzelergebnisse der Umfrageteilnehmer, fallen die Urteile der Eltern schulpflichtiger Kinder strenger aus: 36 Prozent geben eine Sechs, 33 Prozent eine Fünf, 23 Prozent eine Vier und sechs Prozent eine Drei. Eine Eins oder Zwei wird mit jeweils einem Prozent so gut wie gar nicht vergeben. Die Durchschnittsnote ist eine glatte 5,0. „Das Urteil ist ebenso eindeutig wie verheerend: Das Krisenmanagement in der Bildungspolitik wird für krachend gescheitert erklärt. Die miesen Noten spiegeln die persönlichen Erfahrungen der Menschen wider“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. Auch die allgemeine Fähigkeit der Schulen, in Pandemie-Zeiten digitalen Fernunterricht anzubieten, fällt überwiegend durch. Mehr als ein Drittel (36 %) aller Befragten vergibt eine Fünf, ein Sechstel (17 %) eine Sechs. Unter den Eltern benoten 40 Prozent mit Fünf und 26 Prozent mit Sechs.

Homeschooling soll für die gesamte Dauer der Pandemie bleiben

Ferner sind 91 Prozent der Befragten der Ansicht, dass der Einsatz digitaler Technologien und Medien wie Computer, Smartboards oder Tablets an allen Schulen Standard sein solle. 80 Prozent sind der Ansicht, alle Schulen sollten in die Lage versetzt werden, noch in diesem Schuljahr per Homeschooling zu unterrichten. Weitere 88 Prozent fordern, dass die strengen Datenschutzstandards zumindest vorübergehend angepasst werden, um digitalen Unterricht zu ermöglichen beziehungsweise zu erleichtern. Dass für alle Lehrkräfte Fortbildungen zu digitalen Themen und Kompetenzen verpflichtend sein sollten, meinen 68 Prozent.

Geteilt ist die Bevölkerung in der Frage, ob Schulen geöffnet oder geschlossen bleiben sollten: 41 Prozent fordern, dass die Schulen für die Dauer der Corona-Pandemie geschlossen bleiben sollten. Respektive erwarten 32 Prozent, dass ausschließlich digital per Homeschooling unterrichtet werden sollte. Unter den befragten Eltern sind Schulschließungen (34 %) und Homeschooling (23 %) über die gesamte Pandemie-Dauer hinweg weniger populär. Berg interpretiert dies wie folgt: „In unserem Bildungssystem gibt es ein Jahr nach Beginn der Pandemie wenig Licht und viel Schatten. Digitaler Unterricht ist noch immer die Ausnahme, stattdessen verlieren wir uns in einer Endlos-Debatte über Schulschließungen und Schulöffnungen. Und der Datenschutz wird in einer Pandemie, in der es um Leben und Tod geht, über den Schutz vor Infektionen und der Gesundheit gestellt. Diese Strategie ist ohne Zweifel gescheitert – und das sehen auch die allermeisten Menschen in unserem Land so. Jetzt muss es an den Schulen heißen: Digital first!“

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Redakteurin, Vogel IT-Medien