Verschiedene Möglichkeiten der Nachforschung Schuldner verschwunden – was nun?

Autor Sarah Gandorfer

Es kommt vor, dass Schuldner einfach verschwinden. Doch es gibt Wege, diese dennoch aufzuspüren und die offene Rechnung einzufordern. Der Geschäftsführer von Bremer Inkasso erklärt, wie das Auffinden funktionieren kann. Doch nicht immer ist das sinnvoll.

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Wenn plötzlich der Schuldner spurlos verschwunden ist, herrscht oftmals Ratlosigkeit, wie die Rechnung doch noch zugestellt werden kann.
Wenn plötzlich der Schuldner spurlos verschwunden ist, herrscht oftmals Ratlosigkeit, wie die Rechnung doch noch zugestellt werden kann.
(Bild: Vicen - stock.adobe.com)

Es ist ärgerlich, wenn eine gestellte Rechnung mit dem Vermerk der Post „Empfänger/Firma unter angegebener Anschrift nicht zu ermitteln“ wieder im eigenen Briefkasten landet. Noch ärgerlicher ist es, wenn zudem alle telefonischen Versuche scheitern, den Schuldner zu erreichen. Ist das Geld nun verloren?

Nicht unbedingt, erklärt Bernd Drumann, Geschäftsführer der Bremer Inkasso: „Da es viele Möglichkeiten gibt, eine aktuelle Anschrift zu ermitteln, wäre mein Rat, umgehend tätig zu werden und diese auszuschöpfen, bevor man die Flinte zu früh ins Korn wirft. Der wohl naheliegendste Versuch, den Schuldner ausfindig zu machen, erfolgt bei den meisten Unternehmen über das Internet. Geben die Homepage des Schuldners oder Auftritte in den sozialen Netzwerken noch wichtige Informationen zu seinem Unternehmen oder zu seiner Person preis? Hat diese erste Suche nichts Neues ergeben, gilt es schleunigst, weitere Schritte einzuleiten.“

Wege der Nachforschung

Dazu gehören:

  • Eine Gewerbeanfrage stellen: Da einem Unternehmer bei einem gewerblichen Kunden nur selten dessen private Adresse bekannt ist, sollte eine Anfrage beim Gewerbeamt gestellt werden. Denn auch wenn sich der Schuldner nicht mehr in seinen Geschäftsräumen aufhalten sollte, kann es sein, dass er unter seiner Privatanschrift anzutreffen ist. Über diese gibt eventuell die Gewerbeanfrage einen Hinweis. Für eine Gewerbeanfrage ist eine Gebühr zu entrichten.
  • Anfordern eines Handelsregisterauszugs: Ist das schuldnerische Unternehmen eines, welches im Handelsregister vermerkt ist, ergibt sich daraus die Geschäftsanschrift. Es kann somit versucht werden, die Rechnung an die im Handelsregister vermerkte Adresse zustellen zu lassen. Sollte dort eine Zustellung nicht erfolgreich sein, kann gegebenenfalls unter der Privatadresse des eingetragenen Geschäftsführers eine Zustellung veranlasst werden. Der Handelsregisterauszug kann beispielsweise bei www.handelsregister.de online eingesehen werden oder beim Amtsgericht angefordert werden. Bis auf die Firmenrecherche und den Abruf von Veröffentlichungen fallen für alle anderen Abrufe Kosten an. Darauf wird jeweils gesondert hingewiesen.
  • Anfrage zu Privatpersonen beim Einwohnermeldeamt: Ist man mit der Onlinesuche nicht weitergekommen, kann bei schuldnerischen Privatpersonen eine kostenpflichtige Anfrage beim jeweiligen Einwohnermeldeamt der Stadt ein nächster Schritt sein. Die Kosten richten sich nach dem Auskunftsaufwand.
  • Die Einschaltung eines Ermittlungsdienstes: Taucht der Schuldner unter, meldet er sich dennoch gemäß der Erfahrungen von Bremer Inkasso selten bei seiner bisherigen Meldeadresse ab. Deshalb wird die Post nach wie vor an die offiziell bekannte Meldeadresse zugestellt und stapelt sich im Briefkasten, wo sie der Schuldner nicht abholt. Das kann lange so gehen, wenn keinerlei Mitteilung darüber erfolgt, dass der Aufenthaltsort des Empfängers nicht mehr mit seiner Meldeadresse übereinstimmt. Nicht selten herrscht im Umfeld solcher Schuldner eine gewisse Nachlässigkeit bis hin zum bewussten Decken des Schuldners durch Schweigen. Drumann empfiehlt einen Ermittlungsdienst einzuschalten. Die vom Ermittlungsdienst durchgeführten Datenbankabfragen sowie Recherchen im Umfeld des Schuldners führen meist schneller als erwartet zum Auffinden. Ebenso kommt auf diesem Wege mitunter auch zutage, wie der Schuldner seinen Lebensunterhalt bestreitet.
  • Eine ununterbrochene Datenbankabfrage: Haben alle bisher aufgeführten Wege zu keinem Ergebnis geführt, kann eine permanente Datenbankabfrage in Auftrag gegeben werden. Dabei wird alles, was über den Schuldner an Daten bekannt ist, mittels der unterschiedlichsten Datenbanken überwacht. Die betreffende Person durchläuft dabei mehrmals in der Woche einen Bestand von mehreren Millionen ermittelter Personen. Besagter Bestand wird zudem permanent mit anderen Datenbanken wie etwa externen Umzugs-, Adress- und Auskunftei-Datenbanken abgeglichen. Sobald es im Leben des Schuldners ein Ereignis gibt, das mit der Einspeisung von Daten in eine dieser Datenbanken verbunden ist, wie die An- oder Ummeldung eines Autos, reagiert das System und ermöglicht das Aufspüren. Der gewünschte Überwachungszeitraum ist frei bestimmbar, die dafür anfallenden Kosten variieren daher.
  • Das Einholen einer Wirtschaftsauskunft: Es gibt eine Vielzahl von Unternehmen, die Wirtschafts-Auskünfte sowohl zu Privatpersonen als auch zu Unternehmen anbieten. Die wohl bekannteste Wirtschaftsauskunftei in Deutschland ist die SCHUFA (Kurzform von ‚Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung‘). Bei der SCHUFA kann die Kreditwürdigkeit privater Schuldner abgefragt werden. Das Abfragevolumen sowie die unterschiedlichen gewünschten Abfragemerkmale bestimmen die Höhe der dafür zum Ansatz gebrachten Gebühren.
  • Einen Rechtsdienstleister einschalten: Für einen Rechtsanwalt oder ein Inkassounternehmen gehört die Recherche unter Inanspruchnahme der verschiedensten Dienste und Ämter zur Routine. Mit der Beauftragung eines Rechtsdienstleisters lassen sich Zeit und Nerven sparen, und man erhält eine erste Einschätzung der realistischen Möglichkeiten, einen Schuldner ausfindig zu machen. Gestaltet sich so eine erste Prognose positiv, sollte der Dienstleister beauftragt werden. Neben der Ermittlung sind Rechtsdienstleister auch in der Lage, die von den unterschiedlichsten Behörden und Stellen erhaltenen Daten richtig auszuwerten. Aus den Abfrageergebnissen lässt sich das weitere, sinnvolle Vorgehen für den Mandanten ableiten.

„Ab und an hört man den Spruch ‚Wer aufgibt, hat schon verloren‘. Nicht immer muss Aufgeben mit Resignation zu tun haben. Es kann auch eine bewusste, wohl durchdachte Entscheidung dahinterstecken. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn eindeutig sicher ist, dass man durch weitere Recherche-, Mahn- oder gar Gerichtskosten nur gutes dem schlechten Geld hinterherwerfen würde, wenn also bei einem Schuldner definitiv nichts zu holen ist oder dieser sich ‚erfolgreich verzogen‘ hat“, so das Fazit Drumanns.

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