Oracle nutzt SAP-Prozess für Angriff gegen HP-Chef Schlägt Ellison Apotheker in die Flucht?

Redakteur: Harry Jacob

Ex-SAP-Chef Léo Apotheker ist seit 1. November CEO von Hewlett Packard. Gesehen hat ihn da aber angeblich noch niemand. Vor allem Oracle-Chef Larry Ellison sucht ihn vehement – um ihm eine Gerichtsvorladung zustellen zu können. Doch es geht um mehr.

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Der Streit zwischen HP und Oracle treibt immer wildere Blüten. Nun nutzt Oracle-Gründer Larry Ellison auch das Gerichtsverfahren gegen SAP, um den frischgebackenen HP-Chef zu bedrängen. Der war nämlich früher SAP-CEO und soll von illegalen Machenschaften von Tomorrownow gewusst haben, einem Service-Unternehmen, das SAP zugekauft, aber inzwischen geschlossen hat.

Doch angeblich ist Apotheker derzeit nicht auffindbar. HP-Mitarbeiter sollen mitgeteilt haben, sie wüssten nichts über den Aufenthaltsort ihres neuen Chefs.

Und schon Ende Oktober hatte Ellison getönt, Apotheker befinde sich „auf der Flucht“. Aus dem Amt vertreiben und durch einen Ellison genehmen Manager ersetzen lässt sich Apotheker aber sicherlich nicht. Derzeit ist anscheinend ungewiss, ob der frischgebackene HP-CEO überhaupt in den USA weilt. Denn dort könnten ihm die Gerichtsdiener eine Vorladung von Oracle zustellen – die Nachrichtenagentur Reuters behauptet sogar, Ellison habe Privatdetektive losgeschickt.

Männer-Feindschaften

Bei der medienwirksam ausgetragenen Schlammschlacht geht es nicht nur um persönliche Eitelkeiten, sondern vor allem ums Geschäft.

Mark Hurd, Ex-HP-CEO, ist jetzt President bei Oracle. (Archiv: Vogel Business Media)

Auslöser war der Rauswurf von Mark Hurd bei HP. Hurd ist nicht nur ein persönlicher Freund von Ellison, sondern war auch ein wichtiger Fürsprecher für Oracle im HP-Konzern. Die jahrelange enge Zusammenarbeit war bereits belastet, da Oracle durch die Übernahme von Sun zum Wettbewerber von HP im Servergeschäft aufstieg. Doch unter seiner schützender Hand wurde dieses Thema kleingeredet. Nach dem Abgang bei HP bekam Mark Hurd bei Oracle sofort einen neuen Job.

Die Position von Hurd übernahm nun Léo Apotheker, ausgerechnet der Ex-Chef von Oracles schärfstem Konkurrenten SAP. Auch wenn Apotheker bei SAP nicht freiwillig abdankte, sondern Knall auf Fall vor die Tür gesetzt wurde, muss Ellison nun befürchten, dass diese Personalie einen weiteren Keil zwischen Oracle und HP treibt.

Der bisherige Kooperationspartner könnte sich nun möglicherweise eher mit SAP zusammentun und Kunden, deren Oracle-Datenbanken auf HP-Servern laufen, dem Wettbewerber zuführen.

Ray Lane, Aufsichtsrats-Chef von HP und Ex-Oracle-President (Archiv: Vogel Business Media)

Nicht genug damit: Eine weitere Figur in dieser engmaschigen Manager-Rochade ist Ray Lane. Den hat Léo Apotheker als Aufsichtsrats-Chef (Chairman of the Board) zu HP geholt. Lane kennt Ellison und seine Strategien sehr genau, denn er war von 1992 bis Juli 2000 bei Oracle und dort bis zum President aufgestiegen. Er hatte also dieselbe Position inne, die nun der Ex-HP-CEO Mark Hurd einnimmt.

Streit ist nicht zu stoppen

Direkt nach dem Rauswurf von Hurd war der Streit schon einmal hochgekocht: HP hatte Hurd „vorsorglich“ verklagt. Sein Ex-Arbeitgeber befürchtete, er könne Geschäftsgeheimnisse ausplaudern. Wie man inzwischen weiß, hatte Hurd das schon in der Vergangenheit getan und die bevorstehende EDS-Übernahme seiner Geliebten zwei Monate vor der börsenrelevanten Bekanntgabe geflüstert. Die Affäre mit dieser Frau, ihre falschen Vorwürfe gegen Hurd und dessen nachgewiesenen Spesen-Betrügereien hatten zum Rauswurf bei HP geführt.

Die Klage hatte HP schließlich zurückgezogen und sich mit Oracle auf eine gute Zusammenarbeit geeinigt. Doch anscheinend ist die Beziehung der beiden Weltkonzerne unheilbar zerrüttet. Keine drei Wochen später gab es Versuche in der New York Times, Hurds Spesenbetrügereien zu bagatellisieren und gleichzeitig Léo Apotheker als Mitwisser der Tommorownow-Machenschaften zu kriminalisieren. Dabei hatte der damals das Unternehmen gar nicht unter seiner direkten Verantwortung.

Nun wird es persönlich

Da sprang Ray Lane in die Bresche. In einem Brief, der wiederum der New York Times zugespielt wurde, warf er Hurd vor, bei der Untersuchung der Spesenaffäre mehrfach gelogen zu haben. Apotheker dagegen sei ein Mann „mit herausragender persönlicher und beruflicher Integrität“.

Irgendwann wird der Prozess gegen SAP zu Ende sein. Und irgendwann muss Apotheker sich an seinem neuen Dienstsitz blicken lassen. Das Katz-und-Maus-Spiel wird wohl noch eine Weile weitergehen. Aber es ist kaum anzunehmen, dass HP sich von Larry Ellison vorschreiben lässt, welche Manager das Unternehmen leiten dürfen.

So wird die Zusammenarbeit wohl recht schnell auseinandergehen – so schnell sich das eben bei 14.000 gemeinsamen Kunden bewerkstelligen lässt

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