Die Sicherheitslage verschärft sich, während die Investitionen in IT in Deutschland auf einem niedrigen Stand bleiben. Auf dem Security Day von Controlware diskutieren Experten über die Notwendigkeit einer resilienten Unternehmensaufstellung und den Einsatz von KI in der Sicherheitsbranche.
Bernd Schwefing, CEO Controlware, bei der Eröffnungs-Keynote der Security Days in Hanau.
(Bild: Controlware)
„Die Stimmung ist besser als die Lage“, mit diesen Worten läutet Bernd Schwefing, CEO von Controlware, den Security Day des Dienstleisters ein. Damit spielt er einerseits auf die verschärfte Sicherheitslage an, denn die Zahl der versicherten Schadensfälle ist um mehr als 80 Prozent gestiegen. Andererseits aber auch auf die wirtschaftliche Situation. Besonders besorgniserregend sei in Deutschland die Investitionsquote in die IT, die mit rund 1,3 Prozent des BIP auf einem niedrigen Stand liegt. Als Vergleich nennt Schwefing die USA, in der dieser Wert bei 3,7 Prozent liegt. „Wir können uns nicht durch die Themen durchsparen“, wird er deutlich. Und Themen gibt es genug: Digitalisierung, neue Technologien wie KI, eine verschärfte Sicherheitslage und die resiliente Aufstellung von Unternehmen, um in Zeiten multipler Krisen handlungsfähig zu bleiben.
Dazu kommen die gesetzlichen Regelungen rund um NIS2 und DORA, die es jetzt umzusetzen gilt. Dabei bewertet Schwefing vor allem positiv, dass das Thema Unternehmens-Sicherheit nun viel Aufmerksamkeit erhält und dass die verantwortlichen Manager Mittel bereitstellen, um passende Lösungen zu etablieren. Nicht zuletzt wäre es eine gute Idee, hier auch Förderprogramme aufzusetzen, appelliert er an die Politik.
Für Dienstleister ergeben sich daraus viele Handlungsfelder. Denn wer sein Unternehmen schützen möchte, muss im ersten Schritt erst einmal alle Assets validieren. Danach geht es an die Priorisierung, um die vorhandenen Budgets zielgerichtet und bestmöglich einzusetzen. Immer wichtiger wird deshalb das übergreifende und automatisierte Management der Lösungen – alles angestammte Aufgaben von IT-Dienstleistern. „Da müssen wir hin“, so Schwefing.
Und hier kommt auch KI ins Spiel. „Ohne KI wäre ein klassisches SOC heute nicht mehr möglich.“ Da geht es um die Auswertung der Daten, um Priorisierung der Vorfälle, aber auch an einer ganz anderen Stelle kann KI helfen. Nämlich bei der Gestaltung von User Interfaces. Dank des Kommunikations-Geschicks von Large Language Models (LLM) kann die KI auch unerfahrenen Nutzern und Quereinsteigern besser vermitteln, wann ein Security-Vorfall kritisch ist, und Handlungsempfehlungen aussprechen – und das in einem Dialog-Modus.
Security Roundtable
Doch nicht nur Dienstleister überlegen, wie sie KI gewinnbringend einsetzen können. Security-Hersteller selbst haben KI bereits an den unterschiedlichsten Stellen in ihren Produkten implementiert. Das war Thema des Roundtables, der am Vorabend des Security Day stattfand. Unter dem Motto „Digitale Transformation im Zeitalter von KI“ beleuchtete Controlware-Geschäftsführer Schwefing zusammen mit Vertretern der Security-Partner Check Point, Cisco, Fortinet, Infoblox, Palo Alto Networks und Tenable die wichtigsten Cybersecurity-Trends, allen voran KI. Die Experten widmeten sich zunächst den Einsatzmöglichkeiten von KI-Technologie und erörterten das Thema erst aus Herstellersicht – in Bezug auf die Produkt- und Serviceoptimierung mit KI – und dann im Hinblick auf KI-basierte Angriffe und Bedrohungen.
Die Einsatzmöglichkeiten reichen von der Entlastung bei der Ticketbearbeitung, die Thomas Boele, Regional Director Sales Engineering bei Check Point, als ein Beispiel nennt, über die Interpretation von Ergebnissen und die Simulation von Änderungen, wie Max Rahner, Senior Business Development Manager bei Tenable, berichtet. Ein vereinfachter Betrieb, Anomalieerkennung und die Absicherung der Kundennutzung von KI, nennt Arnd Gille, Senior Manager Solutions Consulting Germany bei Palo Alto Networks, als zentrale KI-Tools. Der Traum sei „eine vollständig autonome Sicherheit in Echtzeit“. Thomas Gerch, Senior Sales Director bei Infoblox, setzt dafür bereits sehr früh in der Security-Kette an und nennt die Voraberkennung von Angriffsmustern sowie deren Prävention als gutes KI-Betätigungsfeld.
Überhaupt ist Mustererkennung ein wichtiges Element, bei dem KI allen anderen Tools künftig wohl überlegen sein wird. Das sieht auch Dietmar Hilke, Director Cyber Security bei Cisco. Er fügt hinzu, dass das Sprachmodell wertvolle Dienste bei der Kommunikation bei der IT-Mensch-Schnittstelle leisten kann. Für Hersteller gelte es, „eine Nische zu finden, in der sie mit ihren Lösungen einen einzigartigen Mehrwert bieten können, gleichzeitig aber Interoperabilität gewährleisten“. Denn „der Wettlauf bleibt ja gleich“, bemerkt Dr. Peter Schill, Manager Systems Engineering bei Fortinet und meint damit nicht nur die Wettbewerber, sondern auch das Verhältnis zwischen Angreifern und Angegriffenen.
Stand: 08.12.2025
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Sicher sind sich alle Vertreter der Hersteller, dass sich die Lösungen auch künftig noch voneinander unterscheiden werden. „Eine Standardisierung wird nicht passieren“, ist Gille sicher. Entscheidend werde es sein, die passenden Use Cases zu identifizieren und für diese die passenden Lösungen zu schneidern. Das wiederum sei die Aufgabe von Systemhäusern. „Wir verkaufen ja kein KI-Modell“, so Schwefing. „Wir verkaufen Ergebnisse.“
Cloud, KI und Quanten
„Es gab immer schon neue Technologien. Für diese braucht es neue Fertigkeiten und Fähigkeiten, beschreibt der Moderator des Roundtables, Dr. Christoph Skornia, Vizepräsident der Technischen Hochschule Regensburg. „Wichtig sei deshalb für alle Beteiligten zu klären: Welche Kompetenzen wollen wir haben?“ Sein Fazit des Roundtables: „Der Siegeszug der Cloud hat die digitalen Ökosysteme verändert – und mit KI und Quanteninformatik zeichnet sich bereits die nächste Generation potenziell disruptiver Technologien ab, die die Weiterentwicklung bestehender Sicherheitsarchitekturen wie SASE erfordert. Es war spannend, herauszuarbeiten, wie unterschiedlich Journalisten, IT-Dienstleister und Hersteller diese Innovationen bewerten.“
Fazit
„Um die Chancen der Digitalisierung zu nutzen und im globalen Wettbewerb nicht weiter zurückzufallen, müssen Unternehmen und Behörden ihre Investitionen eher verstärken als zurückfahren – auch wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schwierig sind. Dies gilt angesichts der verschärfen Bedrohungslage auch für die IT-Security, die sich nicht mehr auf die Abwehr beschränken kann, sondern Detektion, Mitigation und vor allem auch Recovery umfassen muss, um eine robuste Cyber-Resilienz zu erreichen“, erklärt Schwefing. „Das alles ist Teamsport“, appelliert er und deshalb sind Veranstaltungen wie der Security Day so wichtig. Denn sie sorgen für den Austausch zwischen Herstellern, Dienstleister und den Kunden. Deshalb freut sich Mario Emig, Head of Information Security Business Development bei Controlware, „dass wir auch in diesem Jahr mehr als 400 Besucher in Hanau begrüßen durften“.
Über Controlware
Die Controlware GmbH, gegründet 1980, ist Teil der Controlware Gruppe mit insgesamt rund 1.000 Mitarbeitenden und einem Umsatz von über 400 Mio. Euro, zu der auch die Networkers AG sowie Controlware Österreich gehören. Als Digitalisierungspartner von mittelständischen und großen Unternehmen sowie von Behörden und Einrichtungen der öffentlichen Hand entwickelt, implementiert und betreibt Controlware IT-Lösungen in den Bereichen Network Solutions, Information Security, Data Center & Cloud, Collaboration, IT-Management und Managed Services – und unterstützt Kunden dabei, die Weichen für einen wirtschaftlichen, zukunftssicheren und nachhaltigen IT-Betrieb zu stellen. Dabei steht das Unternehmen den Kunden in allen Projektphasen zur Seite: von der Beratung und Planung bis hin zur Realisierung und Wartung. Als MSP mit einem eigenen ISO 27001-zertifizierten Customer Service Center reicht das Angebot von Betriebsunterstützung bis zu kompletten Managed Services für Cloud-, Data Center-, Enterprise- und Campus-Umgebungen. Zudem bietet der Dienstleister Cyber Defense Services. Neben einem Vertriebs- und Servicenetz mit 16 Standorten in DACH, die gemäß ISO 9001-zertifiziert sind, unterhalten die Ditzenbacher internationale Partnerschaften und sind so in der Lage, auch globale Projekte abzuwickeln.