Vor 30 Jahren hat IBM die ersten Server auf PC-Basis vorgestellt. 2014 ging die x86-Server-Sparte, die nun den Namen ThinkSystem trägt, an Lenovo. Zum Jubiläum stellt der Hersteller mehr als 50 neue Systeme und die Management-Plattform XClarity One vor.
Bei den Servern der ThinkSystem-V3-Generation setzt Lenovo vermehrt auf Wasserkühlung. Die Direct-Water-Cooling-Lösung kommt dabei gleich bei vier neuen High-Density-Servern auf AMD- und Intel-Basis zum Einsatz.
(Bild: Lenovo)
Vor acht Jahren hat Lenovo nach den PCs und Notebooks auch noch die x86-Server-Sparte von IBM übernommen, die „Big Blue” anno 1992 mit dem PS/2 Server 85 gestartet hatte. Derzeit ist Lenovo weltweit auf Platz vier unter den Server-Herstellern und bei Supercomputern sogar auf der Spitzenposition. Mit mehr als 50 neuen Servern, HCI- und Storage-Systemen will die Firma ihre Marktposition weiter ausbauen. Dabei setzt das Unternehmen mit TruScale zunehmend auf das Infrastructure-as-a-Service-Geschäft und stellt mit XClarity One eine Cloud-basierte Management-Plattform vor. „Mit seinen Infrastrukturlösungen, die ganze Branchen verändert haben, leistet Lenovo seit mehr als 30 Jahren Pionierarbeit“, erklärt dazu Kirk Skaugen, Executive Vice President, Lenovo Group und President der Infrastructure Solutions Group. „Auf diesem Erbe aufbauend liefern wir jetzt die umfangreichste Portfolio-Erweiterung in unserer Geschichte – mit erstklassiger Leistung, Skalierbarkeit, Sicherheit und Nachhaltigkeit.“ Skaugen, zuvor bei Intel verantwortlich für das PC-Geschäft, hat 2016 die Leitung von Lenovos Server-Sparte übernommen, die seit 2017 den Namen ThinkSystem trägt.
Kirk Skaugen ist Executive Vice President bei Lenovo und President der Infrastructure Solutions Group.
(Bild: Lenovo)
ThinkSystem und Thinkagile V3
Auf den kommenden Server-Prozessoren von AMD und Intel basiert die V3-Generation der ThinkSystem-Server und ThinkAgile-V3-Generation, die in den kommenden Monaten auf den Markt kommen soll. AMD bringt Ende 2022 unter dem Codenamen Genoa neue Epyc-Prozessoren mit Zen-4-Mikroarchitektur und bis zu 96 Cores. Intel folgt Anfang 2023 mit der fünften Xeon-Scalable-Generation (Sapphire Rapids). Sie wird bis zu 56 Cores bieten, dafür aber zusätzliche in der CPU integrierte Beschleuniger. Beide CPUs nutzen DDR5 als Arbeitsspeicher und unterstützen PCI-Express 5.0 sowie den Compute Express Link (CXL). Dazu kommen noch neue GPU-Beschleuniger von AMD und Nvidia.
Kamran Amini, VP und General Manager für Server, Storage und Software Defined Infrastructure bei Lenovos Infrastructure Solutions Group, verspricht durch die neuen Prozessoren einen massiven Leistungszuwachs für die Server und HCI-Systeme. So sollen sich KI-Modelle in der halben Zeit berechnen und Finanzanalysen um 70 Prozent schneller durchführen lassen. Für die ThinkAgile-HCI-Systeme nennt Amini 50 Prozent mehr VMs und 25 Prozent mehr VDI-Nutzer pro Plattform. Mit der verbesserten Sicherheitslösung ThinkShield sollen der Schutz gegen Angriffe und die Ausfallsicherheit verbessert werden.
Um Server dichter packen zu können und den Stromverbrauch um bis zu 40 Prozent zu senken, erweitert der Hersteller die Nutzung einer Neptune-Wasserkühlungslösung. Mit der neuen fünften Generation der Direct-Water-Cooling-Lösung des Herstellers kommen vier High-Density-Server auf den Markt: ThinkSystem SD650 V3 und SD650-I V3 mit Intel- und erstmals AMD-basierte Server mit den Modellen SD665 V3 sowie SD665-N. Mit einer kombinierten Luft-Wasser-Kühlung, sie führt die Abwärme über einen großen Radiator auf der Rückseite des Racks ab, sind drei weitere Systeme ausgestattet, darunter der SR675 V3 AMD für den Einsatz mehrerer GPU-Karten. Der flache SR630 V3 ist schließlich mit einer Liquid-to-Liquid-Kühlung ausgestattet. Zusätzlich können Unternehmen Emissionen mittels der Lenovo CO2 Offset Services durch die Unterstützung von Klimaschutzprojekten der Vereinten Nationen ausgleichen.
Die kommenden V3-HCI-Systeme teilen sich in drei Serien auf: ThinkAgile VX mit VMware-Software, ThinkAgile HX auf Nutanix-Basis sowie ThinkAgile MX und SMX, die Microsoft Azure Stack HCI nutzen. Im Zusammenspiel mit Microsoft bietet Lenovo drei neue TruScale Microsoft Azure Deployment Ready Solutions an: SQL, AI and Machine Learning (ML) Insights als zentrale Anwendungsplattform für Data Science, Backup and Site Recovery sowie Azure Virtual Desktop Infrastructure. Alle Lösungen sind dafür konzipiert, in der hybriden Cloud genutzt zu werden. Allerdings lassen sich laut dem Hersteller alle neue V3-Systeme über TruScale als Service buchen.
Mit XClarity One baut Lenovo eine offene Cloud-Software-Management-Plattform auf, über die sich IT-Orchestrierung, Bereitstellung, Automatisierung, Messung und Support-Analyse abwickeln lassen, und zwar von Edge bis Cloud. Die Verwaltung von TruScale Infrastructure as-a-Service soll ebenfalls in das Portal integriert werden. XClarity One selbst wird als Service in der Cloud oder On-Premise angeboten. Die bisherigen XClarity-Lösungen werden weitergeführt, aber XClarity One stellt laut Amini eine wirklich übergreifende Management-Lösung der nächsten Generation dar.
Entry-Storage mit NVMe
Vier Storage-Systeme kündigt Lenovo ebenfalls an. Die ThinkSystem-Modelle DE6400F und DE6600F sind die ersten Entry-Systeme des Herstellers, die komplett mit NVMe-SSDs ausgestattet sind. Sie bieten eine Kapazität von bis zu 1,8 PB und sollen mit zwei Millionen IOPS die doppelte Performance der letzten Generation liefern. Neben den All-Flash-Modellen kommen mit der DE6400H und der DE6600H noch zwei Hybrid-Storage-Systeme mit bis zu 8 PB Speicherkapazität. Hier verspricht Amini ein um 50 Prozent besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Weitere technische Daten zu den Systemen nennt Lenovo noch nicht.
Stand: 08.12.2025
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