KIS, KIM, TI, eArztbrief, eAU, ePA, eRezept Patientendaten: Milliarden für die Digitalisierung

Von Dr. Stefan Riedl

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Krankenhausinformationssysteme zu implementieren, wäre im Prinzip ähnlich gelagert, wie in anderen Branchen ERP-Systemen einzurichten. Schließlich werden Ressourcen organisiert und Daten verwaltet. Doch es gibt ein Aber.

Datenschutz hat in der Gesundheitsbranche einen besonders hohen Stellenwert.
Datenschutz hat in der Gesundheitsbranche einen besonders hohen Stellenwert.
(Bild: Gorodenkoff - stock.adobe.com )

Gäbe es da nicht Spezialanforderungen rund um sensible Patientendaten, wäre ein Krankenhausinformationssystem (KIS) – wenn man so will – auch nichts anderes als ein ERP (Enterprise Ressource Planning) für Krankenhäuser, Kliniken oder Ärztehäuser. Denn unter „Krankenhaus­informationssysteme“ wird jene Software zusammengefasst, die Informationen und Daten im Krankenhauses erfasst und nutzbar macht. ­Darunter fallen medizinische und administrative ­Daten rund um Patienten. Zu einem KIS gehören auch die Computernetzwerke und verbundenen Server sowie die angebundenen Arbeitsplätze. Auch Spezialsysteme aus Radiologie, Labor und Diagnostik fallen darunter. Ein weites Feld, das vom Umgang mit sensiblen Daten geprägt ist.

Kommunikation im Medizinwesen

Was jenen Teil eines KIS angeht, der das Netzwerk und die vernetzten Server betrifft, punkten derzeit vor allem Konzerne mit Spezialangeboten für den Sektor, bei denen es sich IT-Verantwortliche allein schon wegen des großen Namens dahinter nicht nachsagen lassen können, auf einen unseriösen Anbieter gesetzt zu haben. Der Telekom spielt ihre Größe vor diesem Hintergrund sicherlich in die Karten, was ihr KIM-Angebot („Kommunikation im Medizinwesen“) angeht. KIM ist seit Anfang 2021 verpflichtend für die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. ­Telekom Healthcare Solutions betreibt einen KIM-Fachdienst, der mit herkömmlichen E-Mail-Programmen genutzt werden kann. So kann dieser Dienst auch in Krankenhausinformationssysteme integriert werden. Dieser KIM-Kommunikationsdienst will vom Anspruch her die komplette digitale Kommunikation im Medizinwesen umfassen. ­Dahinter steht die Integration eines E-Mail-Postfachs zum verschlüsselten Versand beispielsweise von eArztbrief, eAU oder eRezept über die Telematikinfrastruktur (TI).

Datenautobahn des Gesundheitswesens

Besagte Telematikinfrastruktur wiederum, auf die die Telekom hier zurückgreift, ist laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) „die Datenautobahn des Gesundheitswesens“. Sie soll eine schnelle und sichere Kommunikation zwischen Ärzten, Psychotherapeuten, Krankenhäusern und anderen Akteuren aus dem Gesundheitswesen ­ermöglichen. Medizinische Informationen, die für die Behandlung von Patienten benötigt werden, sollen so sicher ausgetauscht werden können.

Milliardenmarkt

Im Rahmen dieser organisatorischen und technischen Klammern (KIS, KIM, TI), bewegt sich die Digitalisierung im Gesundheitswesen, die geprägt ist vom Umgang mit besonders sensiblen Daten, die nicht in die falschen Hände geraten dürfen. Glaubt man einer Studie von McKinsey & Company, einer weltweit agierenden Unternehmens- und Strategieberatung, birgt die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen eine 42-Milliarden-Euro-Chance – pro Jahr. Das entspricht rund 12 Prozent der gesamten jährlichen Gesundheits- und Versorgungskosten von zuletzt 343 Milliarden Euro. Das größte Potenzial für Anbieter und Dienstleister aus diesem Umfeld bieten demnach die elektronische Patientenakte (ePA), Online-­Interaktionen und -Terminvereinbarungen zwischen Arzt und Patient sowie die Fernüberwachung von chronisch Kranken. „Richtig eingesetzt kann die Digitalisierung im Gesundheitsbereich massiven Nutzen stiften. Wir reden von einer 42-Milliarden-Euro-Chance, von der alle im Gesundheitswesen profitieren könnten“, kommentierte McKinsey-Partner und Co-Autor der Studie, Stefan Biesdorf.

Aussichtsreiche Geschäftsfelder

In der Studie wurden 26 Digitaltechnologien im Einzelnen untersucht. Fünf davon machen mit fast 22 Milliarden Euro über die Hälfte des gesamten Potenzials von 42 Milliarden Euro aus. An der Spitze steht die ePA. Auf den weiteren Plätzen folgen Telekonsultation, Fernüberwachung chronisch kranker Menschen, elektronische Terminvereinbarung und Tools für das Management chronisch Erkrankter. Die Digitalisierung ermögliche über die Einzelsegmente hinaus Nutzen für angrenzende Bereiche der Wertschöpfungskette wie der pharmazeutischen Forschung.

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