Wie der TK-Distributor nach der Fusion von Also und Actebis das Retail- und Fachhandelsgeschäft stärken will NT-plus-Chef: „Wir werden aggressiver auftreten“
NT plus fuhr 2010 einen harten Sanierungskurs. Wie sich die Fusion von Also und Actebis auf die TK-Sparte auswirkt, erläutern NT-plus-Chef Dr. Volker Flemming und Peter Stroetmann, Geschäftsführer des Spezialdistributors Seamcom.
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ITB: NT plus setzt mit Smarthome und Unified Communications Schwerpunkte für den Fachhandel. Spielen die E-Tail- und Retail-Kanäle, zu denen Also und Actebis traditionell einen guten Zugang haben, gar keine Rolle?
Flemming: NT plus wird künftig im Retail und E-Tail wieder eine größere Rolle spielen. Den Zugang, den Actebis zu diesen Kanälen pflegt, nutzen wir schon heute, in der Also-Actebis jetzt noch mehr. Wir haben Anfang April ein spezielles Team unter Leitung von Volkan Weißenberg eingesetzt, um diesen Geschäftsbereich strategisch auszubauen. Diese Mannschaft lotet bereits gemeinsam mit den Kollegen von Also aus, welche Kundenzugänge der Also hier genutzt werden könnten. Das heißt, wir arbeiten heute schon standortübergreifend zusammen. Es ist erstaunlich, wie gut diese Zusammenarbeit von Anfang an klappte. Ich habe so etwas noch nie erlebt.
ITB: NT plus hat den winzigen Teil an Logistikleistungen, der bislang am Standort Osnabrück abgewickelt wurde, ins NT-plus-Zentrallager nach Staufenberg verlagert und im vergangenen Jahr auch Personal abgebaut. Wird das NT-plus-Team in Osnabrück in kleinere Räumlichkeiten umziehen?
Flemming: Nein. Wir werden den Standort Osnabrück auf jeden Fall erhalten, weil unsere 180 Mitarbeiter und damit unsere Kernkompetenz hier verwurzelt sind. Die Also-Actebis-Gruppe unterhält europaweit insgesamt 20 Firmen- und Logistik-Standorte. Wir müssen – und können – gut damit leben, dass wir multinational aufgestellt sind und übergreifend zusammenarbeiten. Wir werden in Osnabrück auch nicht in andere Räumlichkeiten umziehen. Denn der Teil der Lagerhalle, der jetzt nicht mehr benötigt wird, wurde abgeteilt und bereits wieder an unseren Vermieter zurückgegeben. Und die bestehenden Bürokapazitäten benötigen wir weiterhin. Es gibt also weder Anlass noch Grund für einen Umzug.
ITB: Auf der Hausmesse wurden Lösungen fürs Smarthome präsentiert. Was ist aus dem Schwesterprojekt Smartoffice, den Vernetzungs-Lösungen für Firmenkunden, geworden?
Flemming: Wir setzen den Schwerpunkt auf Smarthome, weil für den TK-Fachhandel hier die größten Geschäfts-Chancen liegen. Smarthome bietet den Resellern eine Plattform, um in das Thema Heimvernetzung einzusteigen und Geschäft zu entwickeln. Es bietet ihnen die Möglichkeit, zusätzlich zum Mobilfunkgeschäft andere Standbeine aufzubauen. Insbesondere der etablierte Zugang zu den Privatkunden kann hier für die Vermarktung neuer Produkte wertvoll werden. Denn die Smarthome-Lösungen sind inzwischen für eine breite Anwenderschicht erschwinglich geworden und halten in vielen Haushalten Einzug. Wir unterstützen die Partner auf diesem Weg mit Schulungen, Beratung und den nötigen Produkten, damit sie ihr klassisches TK-Geschäft um die CE- und Infrastruktur-Themen erweitern können.
ITB: Was ist bei dem 2010 gegründeten System-Spezialist Seamcom geplant?

Stroetmann: Wir konzentrieren uns weiterhin auf professionelle Funklösungen für Anwender in Unternehmen und Behörden und führen herstellerübergreifend Produkte zu einer Lösung zusammen. Das umfasst auch die Kombination von In- und Outdoor-Anwendungen. Das hat uns einen großen Zuwachs an Partnern aus dem Funkfachhandel beschert, zumal im Markt noch Platz für viele neue Reseller ist – sowohl aus dem IT- als auch aus dem TK-Umfeld. Neben dem klassischen Vertrieb im Innendienst unterstützen unsere Fokus-Sales-Spezialisten die Systemhäuser bei Projekten, für die individuelle Komplettlösungen aus Applikationen und Endgeräten erstellt werden müssen. Gleichzeitig favorisieren wir soweit möglich Standard-Produkte, um proprietäre Lösungen zu vermeiden.
ITB: Sind die Mobility-Themen, also auch das Geschäft mit mobilen Endgeräten, jetzt gebündelt bei NT plus angesiedelt?
Flemming: Es ist noch nicht alles bei NT plus angesiedelt. Wir sind gerade dabei, das zu regeln. Allerdings hängt es auch vom jeweiligen Hersteller ab, in welcher Unit er vorzugsweise betreut werden möchte.
ITB: Sie hatten im November gesagt: „Wir werden am Markt aggressiver auftreten“. Was bedeutet das konkret?
Flemming: Also-Actebis treibt die Europäisierung des Geschäfts voran. Das gilt auch für die TK-Unit. Wir haben bereits erste internationale Verträge geschlossen. Hierzulande haben wir bereits im Herbst 2010 unter der Leitung von Thomas Heidbreder einen Außendienst für die Vor-Ort-Betreuung unserer Partner im Bereich Netzvermarktung eingerichtet. Das hat sich binnen kürzester Zeit positiv ausgewirkt, und wir werden unsere Präsenz hier weiter erhöhen. Außerdem können wir Partnern hierzulande im Unterschied zu anderen Broadlinern bereits heute ein abgerundetes Portfolio von TK-, IT- und CE-Produkten anbieten. Infolgedessen können wir auch neue Allianzen bilden: So sind wir europaweit der erste zertifizierte Exklusiv-Distributor für die mit Polycom kombinierten Microsoft-UC-Lösungen. Obendrein werden wir sicherlich preisaggressiver auftreten – immer dort, wo wir die Skalen-Effekte der Broadline-Prozesse nutzen können.
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