Aktueller Channel Fokus:

Machine Learning & KI

Fachkräfteeinwanderungsgesetz

Neues Gesetz ebnet Weg für Fachkräfte aus dem Ausland

| Autor: Heidemarie Schuster

Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz sollen mehr Fachkräfte durch weniger Bürokratie gelockt werden.
Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz sollen mehr Fachkräfte durch weniger Bürokratie gelockt werden. (Bild: © fotohansel - stock.adobe.com)

Mit der Digitalisierung wird die IT immer wichtiger und damit braucht es mehr IT-Fachkräfte. Genau an diesen mangelt es aber bereits seit Jahren. Am 1. März 2020 tritt das Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft, welches das Problem des Fachkräftemangels zumindest verringern soll.

Eine noch unveröffentlichten Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hat ergeben, dass für 56 Prozent der hiesigen Unternehmen der Fachkräftemangel das größte Geschäftsrisiko darstellt und ausländische Arbeitskräfte bereits erheblich zur Abmilderung der Engpässe beitragen. Ein Drittel der Betriebe, die an der Umfrage teilgenommen haben, hat in den vergangenen Jahren bereits ausländische Fachkräfte aus der EU sowie aus Nicht-EU-Staaten eingestellt.

Um dem Fachkräftemangel weiter entgegenzuwirken gilt ab dem 1. März 2020 das Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Es soll den Rahmen für eine gezielte und gesteigerte Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften aus Drittstaaten schaffen. Ziel sei es, dass diejenigen Fachkräfte nach Deutschland kommen können, die Unternehmen vor dem Hintergrund des großen Personalbedarfs und leerer Bewerbermärkte dringend benötigen. Das sind Hochschulabsolventinnen und -absolventen sowie Personen mit qualifizierter Berufsausbildung, so das Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat.

Soll heißen: Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz regelt eine gezielte und gesteuerte Einwanderung in den deutschen Arbeitsmarkt. Dieser ist damit nicht nur für Hochqualifizierte vollständig geöffnet, sondern auch für Menschen mit anerkannter Berufsausbildung, die die deutsche Wirtschaft dringend braucht. Die bisherige Begrenzung auf Engpassberufe entfällt. Zwei Faktoren sind für die Erwerbsmigration wichtig: Der wirtschaftliche Bedarf und die Qualifikation. Eine Fachkraft muss ein konkretes Arbeitsplatzangebot haben, damit sie langfristig bleiben kann und die Qualifikation muss gleichwertig sein (das heißt: die Berufsanerkennung muss vorliegen). Für Fachkräfte wird keine Vorrangprüfung durchgeführt. Sie kann aber bei Verschlechterung der Arbeitsmarktlage kurzfristig wiedereingeführt werden.

Für IT-Spezialisten gibt es eine besondere Regelung: Unter bestimmten Voraussetzungen können diese auch ohne formalen Abschluss Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten.

So soll es in der Praxis laufen

Um die Stellenbesetzung zu erleichtern, können Menschen mit Berufsausbildung für sechs Monate einen Aufenthalt in Deutschland zur Arbeitsplatzsuche erhalten. Voraussetzung ist, dass die Fachkraft eine anerkannte Qualifikation, die notwendigen Deutschkenntnisse und einen gesicherten Lebensunterhalt vorweist. Während der Suche kann eine Probearbeit bis zu zehn Wochenstunden in dem späteren Beruf ausgeübt werden. So werden beispielsweise Praktika bei einem potenziellen Arbeitgeber ermöglicht.

Mit qualifizierter Beschäftigung ist dann für die Arbeitskräfte ein unbefristeter Aufenthalt nach zwei Jahren möglich, wenn sie einen deutschen Abschluss haben. Mit ausländischem Abschluss sind es vier Jahre.

Beim Fachkräftegipfel im Kanzleramt am 16. Dezember 2019 unterzeichnete Kanzlerin Angela Merkel gemeinsam mit der Wirtschaft eine Absichtserklärung, damit das Fachkräfteeinwanderungsgesetz schnell wirken kann. Ein schnelleres Visaverfahren sowie Unterstützung beim Spracherwerb, der Wohungssuche und bei Behördengängen sollen helfen. Zudem soll die Anerkennung ausländischer Qualifikationen erleichtert werden.

Der Bitkom über den „Bremsklotz der deutschen Wirtschaft“

„Das Fachkräfteproblem ist der Bremsklotz der deutschen Wirtschaft. Hunderttausende Stellen können nicht besetzt werden – darunter allein 124.000 lukrative IT-Jobs in allen Branchen. Tendenz: rasant steigend“, so Bitkom-Präsident Achim Berg. „Laut Bitkom-ifo-Digitalindex hat der Fachkräftemangel in der IT- und Telekommunikationsbranche einen historischen Höchststand erreicht und rangiert mit Abstand als wichtigstes Geschäftshemmnis vor fehlender Nachfrage und Finanzierungsschwierigkeiten. Neben Bildung ist die qualifizierte Zuwanderung der Schlüssel, diesen Bremsklotz zu lösen. Während anderswo Handelsmauern hochgezogen werden, müssen wir Hindernisse abbauen und die Arme ausbreiten. Dafür brauchen wir weniger Bürokratie und mehr Tatkraft. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das im März in Kraft tritt, kann ein erster Schritt sein auf dem Weg zur Greencard 4.0. Aber das reicht nicht. Wir müssen uns intensiv um die besten Köpfe auf der ganzen Welt bemühen, mit allem, was dazugehört. Wir müssen sie und ihre Familien bei uns willkommen heißen. Denn wir sind auf diese Spezialisten sehr viel mehr angewiesen als sie auf uns.“

Der Bitkom schlägt vor, das Fachkräfteeinwanderungsgesetz nachzubessern. Das Verfahren zur Erteilung des Aufenthaltstitels, um eine Beschäftigung auszuüben, sollte möglichst vollständig digitalisiert werden. Bei IT-Spezialisten sollte zudem nicht nur in begründeten Einzelfällen auf den Nachweis ausreichender Sprachkenntnisse verzichtet werden, sondern das sollte der Regelfall sein.

Weitere Informationen zum Fachkräfteeinwanderungsgesetz finden Sie hier:

https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/faqs/DE/themen/migration/fachkraefteeinwanderung/faqs-fachkraefteeinwanderungsgesetz.html

https://www.anerkennung-in-deutschland.de/html/de/fachkraefteeinwanderungsgesetz.php

Kommentare werden geladen....

Sie wollen diesen Beitrag kommentieren? Schreiben Sie uns hier

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 46291712 / Recht)