Ist der Hype um das Metaverse schon vorbei? Produktiv einsetzen lassen sich AR- und VR-Brillen zwar schon – vor allem in Unternehmen – doch richtig durchgesetzt haben sie sich noch nicht. Schafft Apple jetzt das, was Microsoft oder HTC bisher nicht erreicht haben?
In der Entwicklung haben sich VR-Brillen etabliert; so entwickeln beispielsweise Automobilhersteller Designs und Prototypen im Metaverse.
(Bild: BoOm - stock.adobe.com)
Wer in Dalìs Traumwelten, in die Traumlandschaften eines 3D-Spiels oder gar in den menschlichen Körper eintauchen will, greift heute einfach zu einer Datenbrille, wie sie von HTC, Meta, Microsoft oder neuerdings auch von Apple angeboten werden. Weniger Spiel als vielmehr Realität sind solche AR- oder VR-Brillen bereits in vielen Unternehmen. Schließlich bieten sie nicht nur im privaten, sondern vor allem auch im Unternehmensumfeld ein breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten. Von der Automobilkonstruktion über digitale Zwillinge und E-Commerce bis hin zur Wartung profitieren viele Bereiche von den virtuellen Welten, in die AR & VR-Brillen Nutzer entführen.
Statista zufolge, wird sich der Umsatz mit Metaverse bis 2030 noch stark erhöhen.
(Bild: Statista)
Ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor ist das Metaverse allemal. Dabei zählen zu dem Metaverse virtuelle und erweiterte Realitäten sowie andere immersive Technologien. Insgesamt schätzen die Marktforscher von Advertising & Media Markets Insights, dass der weltweite Umsatz im Metaverse auf 468 Milliarden Euro im Jahr 2030 steigen wird. Auch Game, der Verband der deutschen Games-Branche, geht von einer gesteigerten Nachfrage nach VR-Brillen aus. Bereits heute besitzen 3,7 Millionen Menschen in Deutschland eine VR-Brille für PC, Spielekonsole und Co. Und 7 Prozent oder knapp 4,7 Millionen Menschen planen die Anschaffung eines solchen Geräts.
Auch Tom Neubert, Head of Business Management XR bei Schenker, bestätigt, dass das XR-Geschäft rentabel sei. Der Anbieter verzeichnet ein „lineares Wachstum“ und eine „berechenbar hohe Nachfrage.“ Das bestätigt auch Jannik Blatter, IT-Consultant AR/VR bei Bechtle.
Technologien mit verschiedenen Einsatzgebieten
„Automobilhersteller entwickeln Designs und Prototypen, VR-Schulungen und -Trainings erlauben das Einstudieren von Bewegungsabläufen in einer gefahrlosen Umgebung oder das Einblenden zusätzlicher Informationen in einem realen Lernumfeld,“ erklärt Neubert. Die Experten des Broadliner Ingram Micro sehen ein großes Potenzial im Gesundheitswesen. So könnten sich Gesundheitsfachkräfte mit externen Spezialisten vernetzen oder Röntgen- und MRT-Aufnahmen in 3D überprüfen. Blatter sieht zudem, dass das Metaverse ebenfalls bei „Schulungen, Wartung von Maschinen über Remote Support, Inbetriebnahme und Onboarding sowie Remote Meetings bei 3D-Visualisierung oder Messeauftritten eingesetzt werden kann“.
Automobilhersteller entwickeln ihre Designs in VR ortsübergreifend im Team mit der Möglichkeit zu Echtzeit-Änderungen.
Tom Neubert, Head of Business Management XR Schenker
Tom Neubert, Head of Business Management XR bei Schenker Technologies
(Bild: Schenker Technologies)
Dass dieses Standbein in Zukunft noch Früchte tragen wird, davon ist man bei Schenker überzeugt. So würden sich auch Hersteller wie Siemens und Sony diesem Thema stärker widmen. Im „Industrial Metaverse“ dienen „Software und Simulationen als XR-Apps im virtuellen Raum, hierhin verlagert sich also auch ein Teil der Workflows.“
Blatter ist ferner überzeugt, dass sich das Metaverse positiv auf die Nachhaltigkeit auswirkt: „Techniker können ihren Support in realer Umgebung aus der Ferne leisten und aufwendige Reisen vermeiden.“
Die Technik hinter VR & Co
Virtual, Augmented, Mixed und Extended Reality: Das sind alles Begriffe für die Darstellung computergenerierter Umgebungen beziehungsweise Objekte mittels Brillen unterschiedlicher Art. Extended Reality (XR) ist ein relativ neuer Oberbegriff für Virtual (VR), Augmented (AR) und Mixed Reality (MR). VR-Brillen sind Geräte, die den Weg in virtuelle Welten ermöglichen. Die reale Außenwelt wird komplett ersetzt, die Kopf- und Körperbewegungen des Trägers werden aber auf die Spielfigur oder die virtuelle Kamera übertragen. Das soll ein möglichst weites Eintauchen in die computergenerierte Szenerie ermöglichen, man spricht hier von „Immersion”. Bei AR geht es darum, die „echte” Realität durch zusätzliche Elemente zu ergänzen, etwa durch Hinweise zu Objekten, die man betrachtet. Der Begriff MR wurde von Microsoft für die Hololens geprägt. Sie ist im Prinzip eine AR-Brille für beide Augen, die mit Kameras und weiteren Sensoren ihre Umwelt erfasst und mittels eines integrierten Rechners eine sehr genaue Positionierung und eine Interaktion zwischen virtuellen und realen Objekten ermöglicht. Aktuell ist die verbesserte Hololens 2. Apple geht bei der MR-Brille Vision Pro einen anderen Weg: Sie ist eine VR-Brille, die durch hochauflösende Kameras und einen schnellen integrierten Rechner zur MR-Brille werden kann.
Auf jeden Fall ergeben sich für Dienstleister und Distributoren Umsatzmöglichkeiten mit und um virtuelle Welten herum. Bei Schenker geht es vom „Verkauf und der Distribution von Einzelgeräten bis zur projektbezogenen Ausstattungsplanung von Lösungspaketen aus XR- und IT-Hardware“, erklärt Neubert. Bei Bedarf sei auch eine Individualisierung der Geräte mit eigenen Brandings möglich. Zudem bietet Schenker ein Basispaket mit Headsets und Laptops oder Desktop-PCs sowie Zubehör wie Router oder Zusatz-Akkus.
Auch bei Bechtle gibt es Unterstützung bei der Integration der Lösungen oder Schulungen für Admins und Endanwender. Blatter fügt hinzu: „Wir verfolgen mit unseren Kunden einen ganzheitlichen Ansatz, beraten sie rund um Best Practice sowie zu geeigneter Soft- und Hardware und empfehlen auch passende Managed Services“. Vor allem ginge es aber darum, „die Anwender einzubinden und ihre Akzeptanz für die neuen Technologien zu gewinnen“, ergänzt Blatter.
Ingram setzt auf die Lösung von Microsoft, die Hololens 2, und bietet neben Hard- und Software (wie Microsoft Dynamics D365 Remote Assist/Guides) im Cross Selling beispielsweise 5G-Router zusätzlich an. Zudem gibt es Finanzierungslösungen und Logistik-Dienstleistungen.
Neue Lösungen bringen Schwung in den Markt
Dass sich durch die neue Apple Vision Pro viel im Metaverse ändern wird, nehmen weder Distributoren noch Dienstleister an. Solche Produkteinführungen würden laut Neubert eher zu einem Nachfragehoch im B2C-Geschäft führen. Das wiederum könnte sich positiv auf das B2B-Geschäft auswirken. Denn ein Nebeneffekt des Ganzen: Durch solch bekannte Hersteller werde mehr Aufmerksamkeit auf XR-Technologien gelenkt und möglicherweise das Interesse für den Betriebseinsatz von XR geweckt. Davon geht zumindest der XR-Experte von Schenker aus.
Stand: 08.12.2025
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Unternehmen, die AR-Technologien in ihren Alltag integrieren, wollen ihre betriebliche Effizienz steigern.
Jannik Blatter, IT-Consultant AR/VR, Modern Workplace, Bechtle
Jannik Blatter, IT-Consultant AR/VR, Modern Workplace bei Bechtle
(Bild: Bechtle)
Auch Jannik Blatter ist überzeugt, dass „neue Produkte Schwung in den Markt bringen“. Zwar gebe es derzeit noch nicht allzu viele XR-Brillen auf dem Markt, die auch sinnvoll eingesetzt werden könnten. So widmet sich das Systemhaus weiterhin diesem Thema und baut das Angebot weiter aus. „Neu entwickelt haben wir beispielsweise ein virtuelles Messekonzept, das sich vor allem an Unternehmen richtet, die große und schwere Produkte vor Ort nicht ausstellen können. Mithilfe von VR können Maschinen und Fahrzeuge, aber auch Produktionshallen und Logistikprozesse in einem virtuellen Raum präsentiert werden. Das schafft vor allem ein Gefühl für Dimensionen. Die ausstellenden Unternehmen schaffen realistische Szenarien und für die Besucher bleibt ein interaktives Erlebnis,“ führt Blatter aus.
Extendet Reality schon voll im Einsatz
Mit realistischen Szenarien im Unternehmensumfeld arbeitet auch der Hersteller Dassault Systèmes. Auf dem MWC in Barcelona zeigte der bei 3D-Konstruktions- und Simulationslösungen führende Anbieter einen virtuellen Cleanroom für die Chipherstellung. Diese digitale Kopie eines echten Cleanrooms an der Purdue University in Indiana, USA, wird für das Training der Studenten verwendet. Für Stéphane Sirau, Vice President High-Tech-Industry bei Dassault, ist die Ausbildung mittels VR eine schnelle und günstige Methode für die Ausbildung von Fachkräften. In der Entwicklung sind VR-Brillen etabliert und werden für die Arbeit mit digitalen Zwillingen immer wichtiger.
Bei Microsoft zeigt man sich gelassen gegenüber der Konkurrenz von Apple. Schließlich ist der IT-Gigant bestrebt, Kunden Microsoft 365 auf möglichst allen Plattformen und Geräten anzubieten. Dazu arbeite Microsoft seit geraumer Zeit auch eng mit Apple zusammen. Und diese Zusammenarbeit soll nun ebenfalls für die Apple Vision Pro fortgesetzt werden, indem Microsoft-365-Apps dafür verfügbar gemacht werden.