Nach der Broadcom-Übernahme Lizenzproblematik: Die VMware-Kuh vom Eis holen

Von Dr. Stefan Riedl 3 min Lesedauer

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Bei ScaleITS aus Wolfratshausen ist man von der Virtualisierungs-­Software von VMware eigentlich begeistert. Allerdings hadert man seit dem Broadcom-Dilemma vor allem mit der Kommunikationspolitik des Unternehmens. Nun gilt es, mit der Situation in Projekten bestmöglich umzugehen.

Die Lizenz-Problematik rund um VMware sorgt, dafür, dass in laufenden Projekten Entscheidungen getroffen werden müssen.(Bild:  Tom Bayer - stock.adobe.com)
Die Lizenz-Problematik rund um VMware sorgt, dafür, dass in laufenden Projekten Entscheidungen getroffen werden müssen.
(Bild: Tom Bayer - stock.adobe.com)

Seit der Übernahme von VMware durch Broadcom sind viele IT-Häuser und -Dienstleister in einer Art Schwebezustand. Eine der ersten Amtshandlungen war die Kündigung der Partnerverträge unter anderem mit den bisherigen Distributoren. Möglich machte dies ein Sonderkündigungsrecht im Falle einer Übernahme. Neue Verträge wird es nur noch mit einer geringeren Anzahl an strategischen Partnern geben, über die vor allem größere Kunden adressiert werden.

VMware-Lizenzen und Partnerschaft

Stephan Oesten, Geschäftsführer, ScaleITS(Bild:  ScaleITS)
Stephan Oesten, Geschäftsführer, ScaleITS
(Bild: ScaleITS)

Als Systemhaus hängt beispielsweise ScaleITS aus Wolfratshausen in Bezug auf Virtualisierungsmöglichkeiten gerade etwas in der Luft. „Wir haben zum einen die Schwierigkeit, überhaupt noch an VMware-Lizenzen zu kommen. Zum anderen läuft die Kommunikation unglücklich, man kann es nicht anders sagen“, berichtet Geschäftsführer Stephan Oesten. So erreichten sein Unternehmen E-Mails zur Partnerregistrierung, die kurz darauf wieder revidiert wurden, und Informationen über die zukünftige Strategie des Software-Anbieters blieben lange aus. „Unseren Kunden gegenüber stehen damit wir etwas unbeholfen da“, räumt der Systemhaus-Chef ein.

Wir müssen jetzt bei offenen Projekten die Kuh vom Eis holen.

Stephan Oesten, Geschäftsführer, ScaleITS

Wegfall von vSphere Essentials

„Selbst die Distributoren und VMware-­Hostinganbieter aus unserem Partner­netzwerk mit ihren großen Abnahmemengen wissen nicht viel mehr – und senden uns unkommentiert 08/15-Angebote zur VMware-Lizensierung.“

Nach der Übernahme von VMware durch Broadcom wurde die Lizenz „VMware vSphere Essentials“ aus dem Programm genommen. „Diese war für kleine bis mittelständische Unternehmen perfekt geeignet, sofern keine besonderen Funk­tionen wie Hochverfügbarkeit, vMotion, vSphere Replication, et cetera erforderlich waren“, berichtet Oesten aus der Praxis.

Verzögerungen in Virtualisierungsprojekten

Insbesondere bei Managed-Service-­Kunden mit lediglich einer Hand voll virtuellen Servern führt der Wegfall der vSphere Essentials zu erheblichen Verzögerungen in den Virtualisierungsprojekten. „Mit circa 750 Euro war sie [die vSphere-Essentials-Lizenz] zudem preislich für viele unserer kleinen Managed-Service-Kunden super attraktiv und bezahlbar.“ Jetzt gelten hingegen Preis- und Lizenzkonditionen, die für diese Zielgruppe in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen. „Zum Beispiel die ‚Essentials Plus‘. Die ist für die meisten KMU überdimensioniert und kostet etwa das Zehnfache“, so der Manager.

Eine Frage der Kosten

Wie man es dreht und wendet: „Stand heute gibt es keine gute Lösung“, sagt der ScaleITS-Chef. Sein Unternehmen wird wohl vorerst auf die vSphere-Standard-­Lizenz wechseln und beobachten wie sich die Situation weiterentwickelt. „Die kostet zwar mehr als das Doppelte und ist damit keine Dauerlösung, aber wir müssen jetzt bei offenen Projekten die Kuh vom Eis holen“, formuliert der IT-Profi den prag­matischen Ansatz.

Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel: „Einer unserer Kunden, die das aktuell betrifft, ist eine mittelständische Firmengruppe rund um Elektroinstalla­tionen, Freileitungs-Hoch- und Tiefbau mit diversen Standorten in ganz Deutschland und rund 2.000 Beschäftigten“, beschreibt Oesten. Hier läuft praktisch alles auf VMware und dort gilt es eine Lösung zu finden.

VMware war bei der Virtualisierung das Flaggschiff. Egal, wo ScaleITS als IT-Dienstleister neu hinkam: VMware war schon da. Und auch das Unternehmen selbst empfiehlt nichts anderes. Ein wichtiger Grund: 24/7-Verfügbarkeit.

Intuitive VMware-Oberfläche

Eine Überlegung sei nun, auf Proxmox zu wechseln. „Wer allerdings den Komfort der VMware-Oberfläche kennt, wird daran keine Freude haben“, antizipiert der ScaleITS-Chef. Die Virtualisierungs-Plattform leiste zwar am Ende dasselbe, sei aber bei weitem nicht so intuitiv und auch unter Fachleuten wenig verbreitet, sodass es schwierig wird, auf Erfahrungswerte aus anderen Projekten zurückzugreifen. n

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