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Studie Supply Chain Risk Management

Lieferkette als millionenschwerer Risikofaktor

| Autor: Sarah Gandorfer

Die Umfrage „Supply Chain Risk Management – Herausforderungen, Status quo und Trends“ wurde von BME und Riskmethods durchgeführt.
Die Umfrage „Supply Chain Risk Management – Herausforderungen, Status quo und Trends“ wurde von BME und Riskmethods durchgeführt. (Bild: © Vitaly Krivosheev - stock.adobe.com)

In der heutigen komplexen globalen Wirtschaft ist Supply Chain Risk Management (SCRM) ein Wettbewerbsvorteil. Diese Risikominimierung entlang der Lieferkette wird jedoch selten ganzheitlich genutzt. Statt automatisierter Risikoidentifizierung sowie Maßnahmen zur Risikominimierung wird meist nur mit wenigen Daten aus Excel-Tabellen gearbeitet, obwohl Schäden in Millionenhöhe entstehen können. So haben zwei von drei Unternehmen keine kontinuierliche Überwachung.

Wenn es in der Lieferkette kriselt, dann kann das Schäden in Millionenhöhe zur Folge haben. Zumal die wenigsten Firmen Maßnahmenpläne für eine plötzliche Unterbrechungen in ihrer Lieferkette parat haben. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Supply Chain Risk Management – Herausforderungen und Status quo“, die der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) zusammen mit Riskmethods, einem Anbieter von SCRM-Lösungen nun bereits zum zweiten Mal durchgeführt hat. Befragt wurden 215 Personen, die großteils in leitenden Funktionen im Einkauf tätig sind. Rund zwei Drittel der Studienteilnehmer repräsentieren produzierende Unternehmen, annähernd die Hälfte der Firmen haben einen Umsatz von über 500 Millionen Euro.

So verzeichnete die Mehrheit der befragten Firmen (77 %) in den vergangenen zwölf Monaten mindestens eine Unterbrechung in der Lieferkette. 37 Prozent berichten gar von mehr als fünf Störungen, die den Geschäftsablauf beeinträchtigt haben. Das ist eine Steigerung von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Jede fünfte Unterbrechung verursachte Schäden von mindestens einer Million Euro. Trotz der möglichen hohen Kosten verfügen erst 24 Prozent (Vorjahr: 20 %) der Unternehmen über systematische Maßnahmenpläne zur Krisenreaktion.

„Megatrends wie Globalisierung, Digitalisierung oder des "War for Talents" fordern den Einkauf massiv heraus. Angesichts wachsender politischer Spannungen und Krisenherde rund um den Erdball ist es für das Procurement wichtiger denn je, das Risikomanagement einem permanenten Stresstest zu unterziehen“, betont BME-Hauptgeschäftsführer Silvius Grobosch.

39 Prozent der Unternehmen hatten mindestens ein Problem mit ihrer Lieferkette.
39 Prozent der Unternehmen hatten mindestens ein Problem mit ihrer Lieferkette. (Bild: riskmethods)

Dabei messen die Firmen selten den finanziellen Schaden, der durch die Störung der Lieferkette oder eines Lieferantenausfalls entsteht. Lediglich sieben Prozent nehmen eine strukturierte Bewertung der Schadensauswirkungen auf Umsatz oder Ergebnis vor.

Mangelnde Transparenz

Wird solch eine Berechnung durchgeführt, beschränkt sich das Risikomonitoring meist auf direkte Lieferanten. Allerdings werden immer häufiger Störungen von Sublieferanten verursacht. Das meldet mittlerweile jedes zweite Unternehmen. Das sind 24 Prozent mehr als im Vorjahr. „Die heutigen komplexen und globalen Supply-Chain-Netzwerke sind besonders verletzlich. Deshalb ist es wichtig, die Lieferkettenstruktur aller Ebenen im Blick zu haben. Doch nur 18 Prozent der Befragten überwachen die Sub-Lieferanten“, erklärt Heiko Schwarz, einer der Gründer und Geschäftsführer von Riskmethods. Andere Ursachen von Störungen liegen bei den eigenen Produktionsstätten (28 %) oder logistischen Knotenpunkten wie Häfen oder Flughäfen (20 %).

Meist geht die Störung von einem direkten Lieferanten aus, obwohl diese bereits jetzt hauptsächlich überwacht werden.
Meist geht die Störung von einem direkten Lieferanten aus, obwohl diese bereits jetzt hauptsächlich überwacht werden. (Bild: Riskmethods)

53 Prozent derjenigen, die ein Risikomanagement eingeführt haben, haben dies aufgrund einer vorausgegangenen Störung oder wegen regulatorischen Anforderungen getan. Zunehmend wird die Einführung eines SCRM eine strategische Entscheidung. Dabei greifen jedoch längst nicht alle Unternehmen auf Komplettlösungen zu, sondern nutzen Behelfs-Tools wie Tabellenkalkulationen oder Finanzkennzahlen-Monitoring.

Prävention ist mehr als Bonitätsprüfung

Der Vorteil im proaktiven Risikomanagement durch Frühwarnsysteme liegt in der potenziellen Kosteneinsparung, da es Risiken minimiert und im Krisenfall schneller reagiert werden kann. Hauptsächlich erfolgt die Risikoüberwachung im Rahmen der Lieferantenanalyse und -bewertung. Indikatoren wie Qualität und Performance (88 %) sowie Finanzkennzahlen und Bonitäten (81 %) stehen dabei im Vordergrund. Frühindikatoren und Veränderungen beim Lieferanten, wie zum Beispiel Managementwechsel oder veränderte Wachstumsprognosen, hat dagegen nur die Hälfte der Unternehmen kontinuierlich auf dem Radar. Cyber-Risiken überwachen gerade einmal elf Prozent.

Katastrophen sowie Cyber-Risks haben viele nicht im Blick.
Katastrophen sowie Cyber-Risks haben viele nicht im Blick. (Bild: Riskmethods)

„Eine umfassende Rundumsicht sollte nicht nur Einzelinformationen über Lieferanten zusammenführen, sondern auch globale Länder- und Standortrisiken überwachen. Das ist allerdings nur bei einem Drittel der Befragten der Fall, obwohl Unterbrechungen und Standortrisiken, etwa Naturkatastrophen, Streiks, Brände und Explosionen an Standorten oder Logistikknotenpunkten, oftmals gleich mehrere Lieferanten betreffen“, erläutert Schwarz.

Enorme Datenmengen

Bei einer durchgängige Risikoüberwachung müssen sehr viele Daten aus dem Internet und aus Datenbanken in Echtzeit durchleuchtet werden. Allerdings nutzen nur 34 Prozent der Befragten eine digitale Risikomanagement-Lösung.

Der geringe Automatisierungsgrad trägt dazu bei, dass lediglich 30 Prozent der Studienteilnehmer die verfügbaren Risikoinformationen kontinuierlich aktualisieren. Dabei sind automatisierte Systeme heute in der Lage, anfallende Daten in Echtzeit zu analysieren, auf Relevanz zu filtern und alle Nutzer rund um die Uhr auf dem Laufenden zu halten.

Risikodaten werden meist in das Lieferanten- und Warengruppenmanagement integriert. Aber Risikomanagement endet nicht im Einkauf. Jeder Bereich des Unternehmens ist gefährdet, wenn in der Lieferkette etwas schiefgeht. Doch noch wenige Unternehmen nutzen den Wert dieser Daten in anderen Bereichen. So sind nur bei zwölf Prozent Risiko-gesteuerte Vergabe-Entscheidungen im Sourcing möglich, bei nur zehn Prozent fließen die Daten in ein Enterprise Risk Management ein.

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