Mehr Sichtbarkeit im Markt. Das wünscht sich Kai Grunwitz und dafür ist er als Deutschland-CEO bei Kyndryl angetreten. Der Dienstleister haucht nicht nur dem Mainframe neues Leben ein, er bietet Kunden Beratung und Transformation in moderne Infrastrukturen.
Kai Grunwitz, CEO von Kyndryl Deutschland
(Bild: Kyndryl)
Als „riesiges Startup“ betitelt selbst der CEO den IT-Infrastruktur-Dienstleister Kyndryl. 2021 als Spin-Off von IBM gegründet, erwirtschaftet das Unternehmen mit rund 80.000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 16 Milliarden US-Dollar. „Selbstkritisch müssen wir allerdings anmerken, dass wir in Deutschland noch immer ‚unter dem Radar“ fliegen“, sagt Kai Grunwitz, seit Beginn dieses Jahres verantwortlich für das Deutschland-Geschäft. Er ist angetreten, das zu ändern. „Was mich besonders motiviert, ist die Herausforderung, Kyndryl als eigenständige Marke mit eigener Unternehmenskultur im deutschen Markt zu etablieren und zum Wachstum zu führen", erklärt der Manager im Gespräch mit IT-BUSINESS. Und nie scheinen die Zeiten dafür besser zu sein als jetzt, trotz wirtschaftlich und geopolitisch schwieriger Rahmenbedingungen. „Genau diese Phasen bieten besondere Chancen, da Unternehmen verstärkt nach Effizienzsteigerungen suchen, IT-Systeme modernisieren und sich für die Zukunft wettbewerbsfähig aufstellen wollen“, ist Grunwitz überzeugt.
Wir besetzen Themen, die für unsere Kunden Consulting-relevant sind. Und sie trauen uns eine hohe Kompetenz und Expertise zu, weil wir kritische Infrastrukturen betreiben.
Kai Grunwitz, CEO von Kyndryl Deutschland
Was sind die Stärken von Kyndryl?
Kyndryl sei für diese Marktanforderungen optimal positioniert. „Wir sind in verschiedenen Branchen wie dem Finanzsektor, Logistik, Automotive und weiteren Bereichen hervorragend aufgestellt. Wir betreiben kritische Infrastrukturen mit skalierbaren Services und umfassender Erfahrung. Diese Expertise hilft unseren Kunden, eigene Kosten zu senken – besonders im Bereich Managed Services – und sich wieder stärker auf ihre Kernkompetenzen zu fokussieren." Besonders stark ist Kyndryl Deutschland im Financial Services Sector (FSS). Zu den Kunden gehören die Deutsche Bank, die Allianz und spezialisierte Banken wie die Münchner Hausbank. Parallel dazu transformiert sich das Unternehmen in Richtung höherwertiger Beratungsdienstleistungen. „Dies umfasst beispielsweise die Entwicklung maßgeschneiderter Cloud-Strategien, die auf die spezifischen Anforderungen und die Kritikalität von Daten abgestimmt sind. Es gibt keine Universallösung – man muss je nach Datenklassifizierung entscheiden, ob eine souveräne Cloud-Lösung oder eine Public Cloud die richtige Wahl ist."
Die strategische Neuausrichtung zeigt bereits Erfolge: „Unser Consulting-Geschäft hat sich im vergangenen Jahr verdoppelt. Und auch im nächsten Jahr ist unser Ziel eine Verdoppelung." Die Glaubwürdigkeit kommt dabei aus der praktischen Erfahrung: „Wir besetzen Themen, die für unsere Kunden Consulting-relevant sind. Und sie trauen uns eine hohe Kompetenz und Expertise zu, weil wir kritische Infrastrukturen betreiben. Denn die Annahme ist: Wer weiß, wie man sie betreibt, weiß auch, wie man sie verbessern kann.“ Besonders betont Grunwitz: „Wir legen Wert darauf, dass Kunden genau wissen, wie Ihre Daten behandelt werden und wer darauf zugreifen kann. Zugriffsrechte, Absicherung und die Einhaltung von Compliance-Richtlinien stehen dabei im Mittelpunkt.“
Regionale und branchenorientierte Strategie
Für das Wachstum in Deutschland verfolgt Kyndryl eine klare Strategie: „Wir wollen uns in Deutschland stärker regionalisieren und branchenorientiert aufstellen.“ Dabei steht der persönliche Kundenkontakt im Vordergrund: „Ich bin fest davon überzeugt, dass man sich in das Business seiner Kunden hineindenken muss. Zudem zählen die Nähe zum Kunden und der persönliche Austausch." Die Zielgruppe umfasst dabei nicht nur Großunternehmen: „Wir werden wahrscheinlich nicht die Bäckerei um die Ecke bedienen, aber der obere Mittelstand gehört zu unserer Zielgruppe. Im Automobilsektor beispielsweise sind nicht nur die OEMs, sondern auch die Zulieferer unsere Kunden."
Mainframe-Expertise als Alleinstellungsmerkmal
Ein Alleinstellungsmerkmal bleibt die Mainframe-Expertise: „Wir sind der größte Service Provider für Mainframes, die nicht von Kunden selber betrieben werden.“ In Zeiten von Cloud-Transformationen und DORA-Regulierung erweist sich diese Kompetenz als wertvoll: „Der Mainframe hat Vorteile, weil die Verschlüsselung auf dem Mainframe ungleich besser ist als auf allen anderen Systemen.“ Und der Mainframe wird nicht so schnell verschwinden, ist er überzeugt. „Jetzt wahrscheinlich noch langsamer als vorher.“ Stattdessen beobachtet er einen Trend zum „Workload-Shifting“ – einer Modernisierung der Mainframe-Umgebung in Kombination mit hybriden Infrastrukturen.
Sichere Transformation als Kernkompetenz
Dafür ist allerdings Beratung nötig. Denn bei der Transformation ist entscheidend zu wissen, welche Daten und Applikationen wie migriert werden können. „Genau hier liegt unser Kernthema: die sichere Transformation. Dies ist der zentrale Bestandteil unserer Beratungsleistungen.“ Zudem ist die Digitale Souveränität heute allgegenwärtig. Dies gilt besonders für kritische Infrastrukturen: „Genau dieses Abwägen, welche Systeme in die Cloud migriert werden sollten und welche lokal verbleiben, macht die IT-Landschaft unglaublich komplex. Dies bietet ein optimales Feld für unsere Beratungsdienstleistungen.“
Stand: 08.12.2025
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Diese Komplexität macht vielen Dienstleistern zu schaffen, beobachtet Grunwitz eine Konsolidierung. „Kleinere Dienstleister können die wachsende Komplexität für ihre Kunden kaum noch bewältigen – sowohl in der Beratung als auch in der Umsetzung.“ Die Spezialisierung werde zunehmend zum entscheidenden Faktor. „Ich glaube, viele kleinere Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen stehen vor der Entscheidung: Wachstum um jeden Preis oder qualitativer Fokus? Mit einer klaren Spezialisierung kann man sich auch in einer Nische sehr gut behaupten – das ist meine persönliche Sicht.“
„Unsere neue strategische Ausrichtung auf Beratungsdienstleistungen in Kombination mit unserer Mainframe-Expertise und der Erfahrung mit kritischen Infrastrukturen zahlt sich aus. Wenn Unternehmen kritische Strukturen betreiben oder modernisieren wollen, werden unsere Fähigkeiten in Zukunft noch stärker gefragt sein.“