Gaming und Mining Krypto-Boom: Grafikkarten werden Mangelware

Autor Dr. Stefan Riedl

Die steigende Akzeptanz von Kryptowährungen ist nicht nur ein preissteigernder Faktor für Bitcoin, Ethereum und Co., sondern auch für Grafikkarten, da diese von Minern eingesetzt werden.

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Grafikkarten sind im Krypto-Umfeld begehrte Hardware.
Grafikkarten sind im Krypto-Umfeld begehrte Hardware.
(Bild: Hoda Bogdan – adobe.stock.com)

„Angebot und Nachfrage regeln den Preis“ heißt es in der BWL. Außerdem führen Nachfragesteigerungen nach Komplementärgut A zu ebensolchen nach Komplementärgut B. Steigt die Nachfrage nach Autos, werden auch Reifen stärker nachgefragt. Steigt das Interesse beziehungsweise die Nachfrage nach Krypto-Währungen, werden Grafikkarten knapp, da sie im Mining-Umfeld, also sozusagen im Backoffice der dezentral organisierten Währungen eingesetzt werden. Der Channel kann seit geraumer Zeit ein Lied davon singen.

Preissteigerungen durch Nachfrageüberhang

Aktuelle Daten der GfK beziffern das Umsatzwachstum im Grafikkarten-Segment im vierten Quartal 2020 in Deutschland mit 64 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch das gestiegene Interesse an Videospielen in Lockdown-Zeiten mag hier reinspielen. Diese steigende Nachfrage treibt die Preise für Gaming-Zubehör immens nach oben.

Rechenleistung in digitale Münze verwandeln

Trotz Rücksetzern: Seit Herbst letzten Jahres ist der Kurs für Bitcoins regelrecht explodiert, was es für Krypto-Miner wieder lukrativ macht, in entsprechende Hardware zu investieren. Für das Mining, den Vorgang zur Herstellung der Kryptowährung, benötigen professionelle Miner Rechenleistung: Neben einem geeigneten Computer ist hierzu mindestens eine leistungsstarke Grafikkarte nötig.

Schieflage und Innovation im Grafikkarten-Markt

Der Markt geriet insofern in Schieflage, als dass Hersteller wie Nvidia Kunden aus der Gaming-Szene kaum noch mit Karten beliefern können. Diese Zielgruppe im Auge, versuchen sie deshalb mitunter, der Nutzung zu Miningzwecken entgegenzuwirken. So werden Grafikkarten mit sehr hoher Leistung, wie die Geforce RTX 3060, gezielt so ausgeliefert, dass sie das Mining verlangsamen. Zudem wurden im Februar dieses Jahres eigene Chips für Miner vorgestellt: die Cryptocurrency Mining Processors (CMP) Chips. Die Nvidia CMP HX sollen abhängig von der jeweiligen Variante, 30, 40, 50 oder 90 HX, also in etwa die dem Modellnamen innewohnende Hashrate für das Mining von Ethereum bieten. Laut Nvidia sind die Karten darauf optimiert, dass sich mehrere davon von einer CPU kontrollieren lassen. Eine spezielle Architektur wurde eigens für ein effizienteres Mining entwickelt.

Zahlen aus dem IT-Channel

Dass diese Entwicklung wie beschrieben auch nicht unbemerkt am Preis vorbeigeht, ist nachvollziehbar: Der HEK der Top 10-Grafikkarten lag im Q1 und im Q2 vergangenen Jahres im Schnitt bei 470 Euro und stieg im Q3 und Q4 jedoch bereits auf 750 Euro. Der Sprung im aktuellen ersten Quartal 2021 ist jedoch nochmals eine enorme Steigerung: Der durchschnittliche HEK der letzten Wochen beträgt laut ITscope fast 1.100 Euro – ein weiteres Wachstum um fast 50 Prozent.

Besonders deutlich wird dieses Bild anhand der seit 2019 gelisteten RX 5700 XT Gaming X von MSI (siehe Grafik).

Der HEK für die MSI Radeon RX 5700 XT Gaming X kennt kein Halten mehr.
Der HEK für die MSI Radeon RX 5700 XT Gaming X kennt kein Halten mehr.
(Bild: ITscope)

Hier liegt der HEK bis auf kleinere Ausreißer sehr stabil zwischen 350 und 400 Euro – bis Februar dieses Jahres, wo die Kurve innerhalb kürzester Zeit auf über 1.100 Euro springt. Auch die Produkt-Klick-Historie verdeutlicht das wachsende Interesse an der RX 5700 XT Gaming X ab November letzten Jahres.

Mittel- und langfristige Perspektive

Es kann davon ausgegangen werden, dass eine Beendigung des Lockdowns in Kombination mit wärmeren Temperaturen im Frühjahr eher zu Aktivitäten außerhalb des „Gamer-Kellers“ einlädt und das Interesse an Home Entertainment wieder abnimmt. Was die Nachfrage seitens der Kryptowährungen angeht, dürfte das Mining weiterhin auch bei den im weltweiten Vergleich hohen Strompreisen hierzulande lukrativ und damit die erhöhte Nachfrage gegeben bleiben.

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