Industrie-Mainboards für den IoT-Fokus bei Kontron Kontron: PC-Mainboards Made in Germany

Von Klaus Länger 3 min Lesedauer

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Kontron hat einen Teil der Mainboard-Entwicklung und Fertigung von Fujitsu fortgeführt. Die Geschichte der „Mainboards Made in Germany“ geht also weiter, und mit Erfolg, wie Peter Hoser, Leiter der Mainboard-Sparte des Herstellers, berichtet.

Das in Augsburg entwickelte K3931-N mit Alder-Lake-N-Prozessor ist das jüngste Pferd in Kontrons-Mainboard-Stall. (Bild:  Kontron)
Das in Augsburg entwickelte K3931-N mit Alder-Lake-N-Prozessor ist das jüngste Pferd in Kontrons-Mainboard-Stall.
(Bild: Kontron)

PC-Mainboards kommen aus Fernost! Alle Mainboards? Nicht ganz! Kontron entwickelt weiterhin in Augsburg Hauptplatinen in PC-Standard-Formaten und lässt sie in Mauerstetten bei Kaufbeuren fertigen, also ebenfalls in Bayern. Allerdings stellt die Firma Katek als Lohnfertiger keine herkömmlichen Mainboards, sondern für den 24/7-Betrieb ausgelegte Hauptplatinen her, die auch mit harschen Umgebungsbedingungen zurecht kommen.

Zwar gibt es außer den Kontron-Mainboards durchaus noch andere Hauptplatinen aus deutscher Produktion. Allerdings dann in speziellen Formaten für Embedded-Computing oder von Herstellern wie Siemens ausschließlich für die eigenen Industrierechner.

Fujitsu-Design und darüber hinaus

Die Keimzelle für die PC-Mainboard-Entwicklung und Fertigung war das Fujitsu-Werk in Augsburg, das im September 2020 endgültig geschlossen wurde. Dort wurden nicht nur Rechner montiert, sondern auch auf mehreren Fertigungsstraßen die Mainboards für alle Fujitsu-Desktop-PCs und einige Server hergestellt. Daneben gab es OEM-Mainboards, die an Endkunden, Systemintegratoren und, in Form spezieller Serien, an Industriekunden und spezialisierte Händler verkauft wurden. Aus dieser OEM-Sparte, seinerzeit geleitet von Peter Hoser, ist der Mainboards-Zweig bei Kontron hervorgegangen. Verantwortlich für ihn ist nach wie vor Peter Hoser als VP Product Center Boards, der noch vor der Schließung mit einem Teil der Mitarbeiter aus Entwicklung und Sales zu Kontron gewechselt ist. Einen Teil der Fertigungslinien und auch der Mitarbeiter aus der Produktion ging ab Mitte 2019 zum Elektronikdienstleister Katek. In deren Werk in Mauerstetten bei Kaufbeuren – bis 2019 ETL Elektrotechnik Lauter – werden seit Anfang 2020 die PC-Mainboards und einige Add-on-Karten für Kontron hergestellt.

Die Fertigung der Kontron-Mainboards erfolgt beim Dienstleister Katek in dessen Werk Mauerstetten bei Kaufbeuren.(Bild:  Katek)
Die Fertigung der Kontron-Mainboards erfolgt beim Dienstleister Katek in dessen Werk Mauerstetten bei Kaufbeuren.
(Bild: Katek)

Zunächst wurden die bestehenden Fujitsu-Designs weiter produziert – unter Fujitsu-Brand. Parallel begann bei Kontron die Entwicklung neuer Platinen für aktuelle Prozessoren wie Intels Alder Lake oder AMDs Ryzen Embedded R2000. Die Sockel-1700-Boards sind inzwischen per BIOS-Update für Raptor Lake angepasst.

Große Erwartungen hat Hoser für das neuste Mainboard im Kontron-Portfolio: Das K3931-N im Mini-ITX-Format mit aufgelötetem Alder-Lake-N-Prozessor für Einsatzbereiche wie Industrie, Medizintechnik, Digital Signage oder Spielautomaten. Es passt somit perfekt zur IoT-Ausrichtung des Unternehmens, das Anfang März in den TecDAX aufgenommen wurde. „Dies ist eine aufregende Zeit für unser Unternehmen, da wir unseren Wandel zu einem reinen IoT-Anbeiter abschließen und im IoT-Markt weiter wachsen werden“, erklärt Hannes Niederhauser, CEO der Kontron Gruppe.

Lieferketten normalisiert

Während der Corona-Pandemie und vor allem während der Lockdows in China hatte Kontron wie alle Elektronikhersteller mit Problemen in der Lieferkette zu kämpfen. Oft waren Bauteile nicht oder nur zu überhöhten Preisen über Broker erhältlich. Daher mussten Designs teilweise verändert werden, um alternative Komponenten zu verwenden. Inzwischen funktioniert die Supply Chain wieder. Zudem versucht Kontron, auf eine größere Zahl von Lieferanten für einzelne Bauteile zu setzen, um in Zukunft für derartige Krisen besser gewappnet zu sein. Auf der anderen Seite sieht Hoser in den überstandenen Lieferketten-Turbulenzen Vorteile für sein Unternehmen, das als Anbieter mit lokaler Entwicklung und Produktion schneller und flexibler agieren kann, als Mitbewerber aus Asien. „Das Mainboard-Geschäft in Deutschland hat Zukunft“, bekräftigt der Head of Product Center Motherboards.

Peter Hoser leitet als Head of Product Center Motherboards die Mainboard-Sparte bei Kontron.(Bild:  Kontron)
Peter Hoser leitet als Head of Product Center Motherboards die Mainboard-Sparte bei Kontron.
(Bild: Kontron)

Kontron-Mainboards im Channel

Ein Teil der Mainbords geht direkt an Industriekunden wie beispielsweise den Roboter-Hersteller Kuka, der schon zuvor Fujitsu-Mainboards verwendet hat. Ein anderer wird in eigenen Rechnern von Kontron oder in Industrie-PCs von Wortmann oder Extra Computer eingesetzt. Wortmann verwendet die Boards für semi-industrielle oder medizinische Anwendungen, Extra Computer für Rechner der Calmo-Serie. Die Mainboards als Einzelkomponenten werden zudem über Distributoren wie Avnet, Rutronik oder Api vertrieben. Api vertreibt dabei nur die günstigeren Extended-Lifecycle-Motherboards, die zwar ebenfalls für den 24/7-Betrieb ausgelegt sind, denen aber spezielle Embedded-Funktionen fehlen und bei denen der Temperaturbereich nicht ganz so breit ist, wie bei den speziellen Industrie-Mainboards von Kontron.

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