Unternehmen mit starkem Prozessverständnis erzielen fünfmal häufiger erfolgreiche KI-Ergebnisse. Doch die meisten Firmen haben nur fragmentierte Sicht auf ihre Prozesse – eine neue Studie erklärt, warum Daten allein für KI-Agenten nicht ausreichen.
Vom Datenpunkt zum Prozessverständnis: Unternehmen müssen KI-Agenten nicht nur mit Informationen, sondern mit dem Kontext ihrer Arbeitsabläufe versorgen.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Die Industrie treibt das Tempo bei der Einführung von Agentic AI massiv voran. Doch eine neue Studie von The Hackett Group und ARIS offenbart ein Umsetzungsproblem. Fast neun von zehn befragten Führungskräften aus Global-2000-Unternehmen sind zwar davon überzeugt, dass KI-Agenten ohne fundierten Prozesskontext nicht zuverlässig funktionieren können. Doch nur jedes fünfte dieser Unternehmen verfügt tatsächlich über eine umfassende Echtzeit-Sicht auf seine End-to-End-Prozessabläufe. Noch besorgniserregender: Etwa sechs von zehn Unternehmen beschreiben ihre Prozessübersicht als stark fragmentiert, verteilt über verschiedene Systeme und Abteilungen.
Process Context als unsichtbare Infrastruktur
Das zentrale Konzept der Studie heißt „Process Context“ – ein tiefes Verständnis für die betriebliche Realität. Die meisten Unternehmen verstehen darunter vor allem die Echtzeit-Sichtbarkeit darüber, wie Arbeit über Systeme und Funktionen hinweg fließt. Process Context umfasst aber auch Workflows, Regelwerke, Kontrollmechanismen, Genehmigungspfade und Systeminteraktionen im gesamten Unternehmen.
Der Unterschied ist fundamental: Während ein Reporting-Tool mit gewissen Ambiguitäten leben kann, weil Menschen die Ergebnisse noch interpretieren und überprüfen, muss ein autonomerKI-Agent verstehen, wie Arbeit tatsächlich ausgeführt wird. Das bedeutet: Er muss die Regeln kennen, die Ausnahmefälle verstehen und wissen, wann er eskalieren muss.
Der Multiplikator-Effekt
Unternehmen mit umfangreicher Process-Context-Erfahrung erzielen laut der Studie fünfmal häufiger sehr erfolgreiche KI-Ergebnisse. Das ist nicht irgendein Effizienzgewinn – es ist ein entscheidender Unterschied zwischen Erfolg und Scheitern. Gleichzeitig berichten diese Unternehmen auch knapp sechsmal häufiger über umfassende Echtzeit-Sichtbarkeit auf ihre Prozesse. Der Zusammenhang ist deutlich: Wer seine Prozesse versteht, setzt KI erfolgreicher ein.
Ein konkreter Vergleich zeigt: Unternehmen mit hohem Process-Context-Reifegrad berichten knapp 50 Prozent von moderaten bis sehr erfolgreichen KI-Ergebnissen. Bei Unternehmen mit niedriger Erfahrung sind es weniger als ein Drittel. Das ist mehr als ein Unterschied in der Geschwindigkeit – es ist die Differenz zwischen großen Erfolgen und bescheidenen Ergebnissen.
Die Top-Barrieren: Kosten, Datenqualität und organisatorische Silos
Was hält Unternehmen zurück? Die Hälfte der Hindernisse entsteht durch drei bekannte Probleme: Hohe Kosten und technische Komplexität sind das größte Hindernis, gefolgt von Datenqualitätsproblemen. Gleichzeitig beschränken organisatorische Silos – jede Abteilung mit ihren eigenen Systemen und Prioritäten – die Sicht auf End-to-End-Prozesse erheblich.
Besonders kritisch ist die Governance-Lücke: Nur ein Drittel der Unternehmen ist zuversichtlich, KI-gestützte Entscheidungen effektiv zu steuern und zu kontrollieren. Und nur gut jedes sechste Unternehmen hat heute ausgeifte, unternehmensweite Governance-Rahmenwerke etabliert. Ein weiteres großes Problem: In fast der Hälfte aller Unternehmen liegt die KI-Verantwortung ausschließlich bei der IT. Das führt zwangsläufig zu fehlenden fachlichen Zuständigkeiten – Geschäftsbereiche verstehen nicht, wer für KI-gestützte Entscheidungen verantwortlich ist.
Wo der Mehrwert konkret entsteht
Die Studie zeigt, dass Unternehmen mit besserer Prozesskenntnis überraschend breite Vorteile erzielen. Deutlich mehr Unternehmen berichten, dass ihre Prozessabläufe schneller werden – kürzere Durchlaufzeiten und komprimierte Prozesszyklen ermöglichen es, Kundenanfragen zügiger zu bearbeiten. Knapp drei Viertel aller Befragten beschreiben eine deutliche Reduktion manueller, repetitiver Aufgaben. Das ist besonders wichtig, weil diese Routinearbeit oft anfällig für Fehler ist. Viele Unternehmen sehen auch eine höhere Prozessqualität und -konsistenz – KI-Agenten machen Dinge konstant richtig, nicht manchmal richtig und manchmal falsch. Die Entscheidungsqualität verbessert sich ebenfalls spürbar. Und schließlich schöpfen mehr Unternehmen echten Mehrwert aus besserer Governance, die es ihnen ermöglicht, KI-Einsätze zu kontrollieren und zu erklären.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
In einzelnen Funktionsbereichen gibt es dabei Schwerpunkte: In der Supply Chain kümmern sich Führungskräfte besonders um verbessertern Kundenservice und größere operative Effizienz. Im Finanzwesen liegt der Fokus klar auf höherer Produktivität und weniger manualer Arbeit.
Der strategische Fehler: Silos statt Enterprise-Verständnis
Ein oft unterschätzter Punkt der Studie betrifft die Grenzen funktionaler Silos. Enterprise AI funktioniert nur, wenn Prozesse funktionsübergreifend verstanden werden. Ein Finanzbuchhaltungs-Agent braucht Kontext über Sales, Kunden und Erfüllung. Ein Beschaffungs-Agent benötigt Finanz-, Lieferanten- und Rechts-Kontext. Supply-Chain-Agenten brauchen ein Verständnis von Beschaffung, Bestandsverwaltung und Kundenanforderungen. Wer diese Kontexte voneinander trennt, baut Agenten, die nur in ihrer eigenen Ecke funktionieren.
Rick Gardner, Senior Director bei The Hackett Group, betont den grundsätzlichen Paradigmenwechsel: „Während sich KI vom Assistenten zum eigenständigen Akteur wandelt, wird das Schließen dieser Lücke immer entscheidender. Unternehmen müssen KI-Agenten das operative Prozessverständnis vermitteln, damit diese nicht nur wissen, was sie tun können, sondern auch, wie diese Arbeit im Unternehmensalltag tatsächlich ausgeführt werden muss."
Anstatt Agentic AI als riesiges Transformationsprojekt zu starten, empfiehlt die Studie einen deutlich fokussierten Ansatz. Unternehmen sollten mit wertschöpfungsintensiven Workflows beginnen: Finanzplanung und -analyse, Ausgabenanalysen und Vertragsmanagement, IT-Service-Desks mit automatisiertem Incident-Management oder Recruiting und Mitarbeiter-Onboarding. Das sind Bereiche, wo KI schnell Mehrwert schafft.
Guiallaume Bacuvier, CEO bei ARIS
(Bild: Aris)
The Hackett Group und ARIS schlagen dann ein fünfstufiges Programm vor. Im ersten Schritt sollten Unternehmen die wichtigsten Workflows identifizieren, wo Risiken beherrschbar sind und wo sich Erfolg schnell zeigt. Dann müssen die Rollen, Regeln, Genehmigungspfade und Kontrollmechanismen abgebildet werden – das ist die Feinarbeit, die am meisten Zeit kostet. Im dritten Schritt sollten Unternehmen von statischer Dokumentation zu dynamischen Prozessmodellen übergehen, mit Hilfe von Process Mining und Simulation. Im vierten Schritt sei es entscheidend, die AI-Governance klar mit den Prozessverantwortlichen zu verbinden – sonst bleibt unklar, wer entscheidungsbefugt ist. Und schließlich sollte der Erfolg nicht nur an Adoption oder Modellperformance gemessen werden, sondern an echten Geschäftsergebnissen wie Produktivität, Geschwindigkeit und Risiken.
Reine Rechenpower schafft keinen Mehrwert
Guillaume Bacuvier, CEO von ARIS, fasst die zentrale Erkenntnis so zusammen: „Künstliche Intelligenz wird in rasanter Geschwindigkeit leistungsfähiger, aber reine Leistungsfähigkeit schafft noch keinen Mehrwert. Der entscheidende Unterschied liegt darin, wie effektiv Unternehmen diese Intelligenz im operativen Geschäft einsetzen. Daten verraten der KI Fakten über Ihr Unternehmen – der Prozesskontext erklärt der KI, wie Ihr Unternehmen funktioniert.“
Die zentrale Botschaft der Studie: KI-Systeme brauchen nicht nur mehr Daten und bessere Modelle. Sie brauchen ein echtes Verständnis für die Realität, in der sie agieren sollen. Unternehmen, die dieses Verständnis aufbauen, werden ihre Wettbewerber deutlich überflügeln. Alle anderen werden in Pilotprojekten steckenbleiben.
Zur Studie
Die „Process Context Study 2026“ ist eine Untersuchung von The Hackett Group in Zusammenarbeit mit ARIS. Befragt wurden über 200 Führungskräfte aus Global-2000-Unternehmen weltweit – 45 Prozent aus Nordamerika, 34 Prozent aus Europa und 21 Prozent aus dem Rest der Welt. 80 Prozent der Unternehmen haben einen Jahresumsatz über einer Milliarde Euro und sind international in mehr als 25 Ländern tätig.
Die Studie fokussiert auf sechs Funktionsbereiche: Finance & Controlling, Beschaffung, IT, Supply Chain, Business Operations und Human Resources. Die Befragten gaben Auskunft zu ihrer Process-Context-Strategie, ihrer Prozessvisibilität, bestehenden Barrieren sowie ihrer AI-Governance-Reife und erwarteten Geschäftseffekten.