„Google“ des Channels ITscope geht nach Relaunch gut gerüstet an den Start

Autor Sarah Gandorfer

Bei ITscope sind Händlereinkaufspreise sowie individuelle Konditionen von über 200 Distributoren gelistet. Geschäftsführer Benjamin Mund sprach mit IT-BUSINESS über die Wettbewerbslage und die Zukunftspläne der Handelsplattform.

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Benjamin Mund, Geschäftsführer bei ITscope
Benjamin Mund, Geschäftsführer bei ITscope
(Bild: ITscope)

ITscope.de deckt das Sortiment von 207 Distributoren ab, die im deutschen Markt aktiv sind, Tendenz steigend. Wie passt das zur aktuellen Stabilisierung des Distributionsmarkts in Deutschland?

ITscope ist in der Tat das Unternehmen in Deutschland, das mit den meisten Distributoren, vertraglich zusammenarbeitet. Die von Ihnen angesprochene Konsolidierung haben wir auch sehr intensiv wahrgenommen, allerdings vorrangig im Zeitraum Herbst 2013 bis etwa April 2014. Seitdem herrscht erstaunlicherweise Ruhe. Die wachsende Zahl entsteht einerseits durch Spezialanbieter aus Bereichen wie Netzwerk und Telekommunikation, aber durch eine zunehmende Listung von internationalen Distributoren, die nun auch in Deutschland meist über uns aktiv werden.

Wie sehen Sie generell die Entwicklung des Distributionsmarkts?

Ich befürchte, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es mit den Disti-Insolvenzen weitergeht. Ich sehe aber zwei Trends: Zum einen hat sich erwiesen, dass „Kistenschieben“ weiter ein wichtiger Bestandteil im ITK-Channel bleibt. Das sehen wir ganz klar an den wachsenden Aktivitäten auf unserer Plattform, die mit inzwischen über 3.000 nutzenden Fachhändlern und Systemhäusern einen repräsentativen Überblick bietet. ITscope bildet ja das reine Handelsgeschäft mit Hard- und Software ab. Zum anderen zeigt sich: Immer mehr Distributoren machen ihre Hausaufgaben, bieten hohe Verlässlichkeit in Sachen Service und Lieferzeit und pflegen auch ihre Lagerbestände besser. Daran sind auch wir nicht ganz unschuldig.

Wie meinen Sie das?

Erst kürzlich betonte Robert Aicher von Ingram Micro auf einer großen Veranstaltung, dass ITscope inzwischen ein wichtiger E-Commerce-Enabler für Distributoren geworden ist. Wir führen die Disti-Daten zu den Kunden, in dem wir sie vereinheitlichen und mit Services aufbereiten, und weil dem so ist, müssen auch die Distis ihre Hausaufgaben machen. Sicher gibt es auch Wettbewerber für uns, etwa die Systeme der Einkaufsgemeinschaften, doch diese beschränken sich auf die zusammengeführten Daten des jeweiligen Lieferantenstammes. Wir halten derlei Einschränkungen für falsch. Auf unserer Plattform wird weiterhin Transparenz groß geschrieben und daran stören sich auch die Distributoren nicht mehr.

Dass Ingram Micro sie lobt, ist erwähnenswert. Sie waren dem Konzern ein ziemlicher Dorn im Auge.

Das lag daran, dass wir unseren Dienst zu einer Zeit gestartet haben, als Recherche und Bestellungen per Web im Channel noch unüblich waren. Einer, der Preise und Verfügbarkeiten direkt vergleichbar macht, war unter den Marktführern entsprechend unbeliebt. Heute ist es so, dass immer mehr Distributoren, auch Ingram Micro, sogar Bestellungen über uns offiziell ermöglichen. Auch Tech Data, Also, Tarox und API sind mittlerweile mit einer vollelektronischen Bestellfunktion inklusive Statusrückmeldung voll integriert.

Mit Ihrem Marktüberblick sind Sie fast so etwas wie ein „Google“ des Channels. Sie sehen immerhin die Interessenslagen von mittlerweile 8.000 Fachhandels- und Systemhaus-Mitarbeitern. Welche Trends machen Sie aus?

Ersteinmal muss ich sagen: Auch wenn immer mehr Teile des Einkaufsprozesses von Systemhäusern im Internet stattfinden, bleibt die persönliche Ansprechbarkeit und das Zwischenmenschliche zentraler Bestandteil der Abläufe. Das sehen wir an der großen Zahl gelisteter Ansprechpartner bei den Distributoren. Ich halte das auch für sinnvoll und richtig. Zugleich sind schnittstellenstarke Web-Systeme als Einkauf- und auch Verkaufshilfen immer gefragter. Das sehen wir auch an den stark steigenden Nutzerzahlen.

Sehen Sie auch Markttrends?

Ja, es gibt eine Menge Trends auszumachen. So nimmt die Zahl der gehandelten IT-Produkte deutlich zu. Das liegt nicht nur an der steigenden Zahl von Tablet- und Notebook-Typen, sondern auch daran, dass immer mehr Geräte in die IT drängen und von den Unternehmen gehandelt werden. So bieten immer mehr Elektrogeräte IT-Funktionalitäten und zudem wächst der Bereich Home Automation – beides sind neue Geschäftsfelder für Systemhäuser. Auch der Consumer-Handel bekommt Zuwachs, wie vernetzte weiße Ware oder Gartengeräte. Es ist erstaunlich, was im IT-Markt jetzt alles gehandelt wird.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Mund die Wettbewerbssituation einschätzt und welchen Rat er für Händler hat.

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