Nach dem ersten Quartal dieses Geschäftsjahres verzeichnet der Value Added Distributor Infinigate starkes Umsatzwachstum. Wie es dazu kam und welche weiteren Neuigkeiten es beim Distributor gibt, darüber spricht Klaus Schlichtherle, CEO der Infinigate Group.
Klaus Schlichtherle, CEO der Infinigate Group, spricht über die Wachstumstreiber bei Infinigate.
(Bild: Infinigate/Remy Steiner)
Der Cybersecurity-Markt boomt und stellt sich als lukratives Geschäft heraus. Den Statista Market Insights zufolge wird das Business mit der IT-Sicherheit 2024 weltweit einen Umsatz von nun 172 Mrd. Euro abwerfen. Kein Wunder also, dass sich das in der Bilanz der Distributoren widerspiegelt, die sich genau darauf spezialisiert haben. So auch bei Infinigate. Der VAD verzeichnet nach dem ersten Quartal dieses Geschäftsjahres einen starken Umsatzanstieg, der einem Zuwachs von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht – insbesondere in Europa.
Übernahmen stärken das Wachstum
„Akquisitionen waren der größte Wachstumstreiber“, erklärt Schlichtherle den Zuwachs und nennt konkrete Zahlen. So lag der Umsatz Mitte 2021 noch bei rund 800 Millionen Euro. Nach den Übernahmen von Starlink, Nuvias und Vuzion im Jahr 2022 erhöhte sich dieser auf 2,1 Mrd. Euro. Nach dem letzten Geschäftsjahr 2023-24 konnten schließlich 2,3 Mrd. Euro Umsatz generiert werden.Gleichzeitig sei man stark organisch gewachsen, bestätigt der CEO.
In Europa wird dieses Wachstum durch die Größe des Business begünstigt. „Wir haben immer noch Märkte, in denen wir Marktanteile und an Größe gewinnen können – ganz zum Unterschied zu Deutschland.“ Denn in Deutschland sei der VAD schon breit aufgestellt. In anderen europäischen Ländern wie Frankreich, England oder Skandinavien erfahre der Distributor noch hohe Zuwächse – es kämen immer neue Produkte zum Sortiment hinzu. Auch sorgen aktuelle Vorgaben und Gesetze für diesen Trend nach oben. Unternehmen müssen mehr in ihre IT-Sicherheit investieren, um diese zu erfüllen. Gleichzeitig sind die Regularien hoch komplex, Aufklärungsarbeit sowie Trainings werden erforderlich. Das begünstigt das Geschäft der Cybersecurity-Spezialisten, wie Infinigate.
Wir waren immer ein dezentrales Unternehmen mit kleinen Zentralen.
Klaus Schlichtherle, CEO Infinigate Group
Größe bringt Herausforderungen
Ein solches Wachstum bringt jedoch auch Hürden. „Je größer das Unternehmen, desto schwieriger wird es, flexibel zu bleiben“, weiß Schlichtherle. Doch Infinigate wisse damit umzugehen. „Wir halten das Headquarter klein, mit entsprechenden Rahmenbedingungen für die Landesorganisationen.“ Dabei betont er, dass die Länder dennoch frei in ihrem Geschäft und ihren Entscheidungen sind sowie auf ihre landesspezifischen Themen reagieren können und für Kunden agil bleiben. „Wir waren immer ein dezentrales Unternehmen mit kleinen Zentralen“, so der Group-Chef.
Weiter sei es herausfordernd, dieses Wachstum zu managen. Die richtigen Strukturen seien entscheidend für die Zukunft. „Man muss fünf Jahre im Voraus denken und die Weichen entsprechend stellen“, ist Schlichtherle überzeugt. Hinzu kommen makroökonomische Schwierigkeiten in einigen Ländern. „Doch das balancieren wir mit unserer geografischen Breite gut aus“, nimmt es der CEO gelassen.
Unterschiedliche Integrations-Prozesse
An Größe gewann der VAD unter anderem durch die Übernahme von Nuvias 2022, deren Integration nun offiziell abgeschlossen ist. Das hat eine Weile gedauert; anders werde es hingegen bei Wavelink laufen, einem Distributor aus Australien, den Infinigate im Juli 2024 akquirierte. „Der Unterschied zwischen Nuvias und Wavelink sind die unterschiedlichen Märkte. Nuvias hat teilweise in den gleichen Märkten wie wir operiert. So hatten wir in einigen Ländern zwei Organisationen, unterschiedliche Systeme, teils Doppelstrukturen. Diese Themen mussten gelöst werden“, begründet der CEO den langwierigen Prozess. Bei Wavelink sei das anders. Mit dieser Akquisition startet der Distributor in einen neuen Markt. Mit dem australischen Zuwachs gewinnt der VAD 60 neue Mitarbeitende, wobei Wavelink-CEO Ilan Rubin weiterhin am Unternehmen beteiligt sein wird.
Trotz der vergangenen Akquisitionen und der Offenheit für Weitere, bleibt der VAD seinem Schwerpunkt treu. Zwar beschäftige sich Infinigate mit neuen Themen wie Artificial Intelligence und Intelligent Automation, das aber immer im Kontext von Cybersecurity.
Klare Ziele
Neben weiteren Akquisitionen hat sich der Distributor ein klares Umsatzziel von 2,8 Mrd. Euro gesetzt. Weiter soll die Digitalisierung vorangetrieben werden. „Hierfür haben wir ID Connect gelauncht, unser Portal, auf dem Kunden Digitalisierungsangebote wahrnehmen können.“ Teil dieses Portals ist auch die Abbildung des Subscription Business (bzw. das MSP-Geschäft), welches künftig ebenso weiter gefördert werden soll. Schlichtherle sieht darin großes Potenzial. „Wir sind zuversichtlich, denn wir haben die digitale Plattform, um das abzubilden und auch unsere Hersteller bewegen sich in diese Richtung.“
Stand: 08.12.2025
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Bewegung auf personeller Ebene
Bewegung in eine andere Richtung gibt es beim VAD auch auf personeller Ebene. So verlässt der Geschäftsführer der Infinigate Deutschland Andreas Bechtold den Distributor nach 24 Jahren und übergibt ab 2025 an André Stark. Infolge von Umstrukturierungen auf der DACH-Ebene im Mai schied zudem Helge Scherff aus der Geschäftsführung der Infinigate Deutschland aus. „Man hat Mitarbeitende, die lange dabei sind und großes Engagement zeigen. Irgendwann möchten aber einige nach erfolgreichen Geschäftstätigkeiten etwas anderes machen, sich umorientieren. Wir sind sehr dankbar für alle, die so lange bleiben“, zeigt sich Schlichtherle dankbar. Unternehmen verändern sich stetig, insbesondere in Anbetracht eines starken Wachstums. Der Einstieg in eine neue Phase beginnt, so auch bei Infinigate. „In diese neue Phase treten wir gerade ein: Das Team wird umgebaut und gute neue Leute kommen wieder hinzu. Wir haben umstrukturiert und mit Marcus Meloni einen Europa-Chef.“ Die Umstrukturierung hänge unter anderem mit den Akquisitionen zusammen. „Wir sind sehr viel größer geworden. Mit mehr Ländern müssen andere Strukturen her“, klärt der CEO auf.