An der Übernahme von VMware durch Broadcom scheiden sich die Geister. IT-BUSINESS hat bei deutschen Partnern nachgefragt, wie sie die aktuelle Lage beurteilen. Peter Rudolf, CEO von MightyCare, das seit 20 Jahren führender Partner von VMware ist.
Wie erleben das die deutschen Partner? IT-BUSINESS hat bei Peter Rudolf, CEO von MightyCare, nachgefragt. MightyCare ist ein Experte für Virtualisierung und VMware-Lösungen und seit über 20 Jahren an der Seite von VMware. Rudolf beobachtet zuallererst Unruhe und Verunsicherung im Markt. Die Übernahme bedeute für viele IT-Teams, das Ansprechpartner wegbrechen und vertraute Strukturen verschwinden. „Diese Unruhe prägt aktuell die Gespräche, die wir führen“, so der Geschäftsführer.
In den vergangenen Monaten habe man zudem spürbare personelle Veränderungen bei VMware wahrgenommen. Die Abspaltung von Omnissa trage zusätzliche Komplexität in die Zusammenarbeit. MightyCare habe entsprechend in kurzer Zeit mehrfach neue Ansprechpartner erhalten. „Da hatten wir oft den Eindruck, dass wir mit unserer VMware-Erfahrung näher an den Anwendern dran sind als die neuen Broadcom-Teams.“
Das habe aber keine dramatischen Folgen - Rudolf berichtet von 75 Prozent seiner Kunden, die ihre Lizenzen verlängerten. Er vermutet, dass diese sich damit „ein bis drei Jahre“ Zeit erkauften, in der sich um Alternativen umgesehen werde. Andere Organisationen mit stark gewachsenen Infrastrukturen blieben dagegen pragmatisch bei VMware, weil ein Wechsel zu schmerzhaft wäre. „Im Mittelstand und im öffentlichen Bereich ist die Verunsicherung dagegen groß“, so Rudolf. „Im Hochschulbereich sorgt es für Ärger, dass etablierte Academic-Programme plötzlich weggefallen sind.“
Broadcom hat den Fokus bei VMware von visionären Roadmaps hin zu klar kalkulierten Lizenzpaketen verschoben. Dadurch öffnen sich für andere Anbieter Chancen, wieder stärker über Innovation und Differenzierung zu punkten.
Peter Rudolf, CEO von MightyCare
Wichtig ist für ihn, dass „Kunden, die VCF kaufen, die Lizenzen auch wirklich nutzen“. Wenn nur 40 Prozent der Funktionen genutzt würden, stünde der Preis in keinem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen. Wer hingegen 80 Prozent oder mehr der Funktionen nutze, bekomme mit VCF auch ein schlüssiges Preis-Leistungs-Verhältnis. Genau da setze MightyCare an: „Wir sprechen mit unseren Kunden über neue Use Cases und zeigen, wie man die zusätzlichen Funktionen sinnvoll einbindet.“
„Wir beobachten eine klare Aufspaltung: Kunden mit komplexen Strukturen halten an VMware fest, während andere die Chance nutzen, neue Plattformen auszuprobieren“, so der Geschäftsführer weiter. „Broadcom hat den Fokus bei VMware von visionären Roadmaps hin zu klar kalkulierten Lizenzpaketen verschoben. Dadurch öffnen sich für andere Anbieter Chancen, wieder stärker über Innovation und Differenzierung zu punkten.“
Rudolf widerspricht Berichten über einen „echten Massen-Exodus“, Vielmehr nehme er viele Tests, Proof-of-Concepts und Gespräche wahr. In der Folge seien komplette Abschiede von VMware „bisher nur sehr selten“. In der Branche herrsche Pragmatismus vor, zumal den Kunden der hohe Aufwand für einen Umstieg bewusst sei. Viele entschieden sich deshalb, ihre VMware-Umgebungen für die nächsten ein bis drei Jahre weiterlaufen zu lassen, auch wenn sie parallel Alternativen prüfen.
Gerade im Mittelstand seien spezielle Bedürfnisse vorhanden, so Rudolf. „Dort geht es weniger um eine ‚Supercloud‘, sondern um eine solide Infrastruktur für bestehende Anwendungen. Die meisten Mittelständler entwickeln nicht Cloud-native, sondern brauchen weiterhin virtuelle Maschinen. Public Cloud ist dafür oft zu teuer. Deshalb macht es Sinn, dass Broadcom den On-Premises-Ansatz wieder stärker betont.“
Rudolf zeigt sich überzeugt, dass die Mehrheit der Kunden weiterhin ihre Infrastruktur selbst bereitstellen muss, weil die Anwendungen dies verlangten. „Solange nicht alles in Containern läuft, behalten On-Premises-Lösungen ihre Bedeutung – sei es mit VMware oder mit Plattformen wie Proxmox.“ Sein Ziel sei es, Kunden nicht auf eine Schiene festzulegen, sondern Optionen - von voll ausgestatteten Plattformen für höchste Anforderungen bis hin zu Lösungen, die einfacher und kosteneffizienter sind - aufzuzeigen.
Proxmox als erste Alternative
MightyCare ist seit 22 Jahren VMware-Partner und gehörte zu den ersten fünf VMware Consulting Partnern in Deutschland. Seit der Gründung des Unternehmens liegt der Schwerpunkt auf der Virtualisierung. „Darauf bauen alle weiteren Bereiche unseres Portfolios auf. Wenn Kunden sehr hohe Anforderungen haben, ist VMware oft die erste Wahl. Aber wir denken immer vom Bedarf her, nicht vom Hersteller“, so Rudolf.
Stand: 08.12.2025
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Dennoch habe sich das Geschäft verändert. VMware bleibe zwar ein zentraler Technologiepartner, vor allem in Szenarien mit höchsten Anforderungen. Gleichzeitig setze MightyCare verstärkt auf Proxmox, das als Baustein in bestehende Lösungen integriert werde – insbesondere für Kunden, die Wert auf Kostenkontrolle legten. Seit der Übernahme habe man sich breiter aufgestellt: „Wir wählen die Plattform, die technisch und wirtschaftlich zum Projekt passt. Für manche Kunden ist das ein umfassender VMware-Stack, für andere eine schlankere Architektur mit Proxmox. Entscheidend ist, dass die Lösung stabil läuft und langfristig tragfähig ist.“
Nichtsdestoweniger bleibe VMware für MightyCare nach wie vor ein Kernbaustein, weil man Private-Cloud-Szenarien mit Fullstack Managed Services betreue. „Und das sowohl beim Kunden vor Ort, in unserer Shared Cloud oder als dedizierte Lösung bei uns in den Rechenzentren“, erläutert der Geschäftsführer. „Mein Eindruck ist, dass Hersteller rund um KVM-basierte Plattformen in den nächsten Jahren stark an Reife gewinnen werden. Wir positionieren uns deshalb bewusst so, dass wir sowohl VMware für anspruchsvolle Szenarien als auch Proxmox für kosten- und ressourcensensible Projekte einsetzen können. Für unsere Kunden bedeutet das: Egal, wohin sich der Markt bewegt, wir können mitgehen.“
Weitere Alternative: Horizon von Omnissa
Proxmox ist aber natürlich nicht die einzige Alternative, die Rudolf im Auge hat: „Wir haben von einigen Herstellern aktiv gefordert, dass Proxmox unterstützt wird. Und das hat Wirkung gezeigt: Mit Tintri ist dieser Schritt bereits umgesetzt, weitere Hersteller ziehen nach. Aber: Proxmox ist nicht für alles eine Alternative. Gerade im Bereich VDI gibt es derzeit keinen Vergleich zu Horizon von Omnissa. Man muss also klar unterscheiden. Die perfekte Lösung gibt es nicht. Entscheidend ist, was im jeweiligen Umfeld funktioniert.“
Für Rudolf ist ausschlaggebend, dass eine Lösung die Anforderungen des Kunden erfüllen kann. Zweitens müsse sie preislich passen. Und drittens müsse MightyCare sie auch dauerhaft betreiben und warten können – mit einem verlässlichen Hersteller im Rücken. „Wenn diese Kriterien erfüllt sind, ist es am Ende weniger wichtig, welcher Hersteller auf dem Etikett steht.“
Auch habe man sich HCI-Lösungen wie vSAN/vxRail oder Nutanix angeschaut. „In speziellen Szenarien können sie ihre Stärken ausspielen, etwa Entwicklungsabteilungen, in anderen Bereichen gibt es flexiblere Ansätze, die wir günstiger und passgenauer zu einer Gesamtlösung zusammenbauen“, so Rudolf. „Am Ende zählt für uns, dass die Lösung im Alltag trägt. VMware und Proxmox sind dafür beides valide Bausteine. Im Mittelstand prüfen viele Kunden Proxmox als Alternative, während VMware mit VCF in Umgebungen mit hohen Anforderungen weiterhin eine wichtige Rolle spielt. Entscheidend ist, wie die Komponenten zusammenspielen und ob sie langfristig zum Bedarf des Kunden passen.“
Denken in Lösungen, nicht in Produkten
VMware bleibe ein wichtiger Partner, man einerseits lange Jahre Erfahrung damit habe, andererseits „weil viele Kunden diese Plattform erwarten“. Darüber hinaus setze MightyCare auf verschiedene Bausteine: Hypervisor, Storage, Netzwerk, VDI oder Anwendungen – und bauen daraus die Lösung, die zum Anwendungsfall passe. „Wir können den kompletten Betrieb übernehmen oder bestimmte Bereiche. In jedem Fall arbeiten wir eng mit den Kunden-Teams zusammen. Wichtig ist, dass Kunden sich auf uns verlassen können. Das geht nur, wenn wir technologieoffen bleiben und die Lösung wählen, die für das jeweilige Projekt am besten geeignet ist.“
Kunden würden gangbare Lösungen nachfragen, der Hersteller dahinter sei eher Nebensache. „Was es wirklich braucht, sind Lösungen, die leicht zu bedienen sind, die Arbeit abnehmen, die verständlich und nachvollziehbar sind, und die ihn in die Lage versetzen, sein eigenes Business erfolgreich zu betreiben. VMware hat das viele Jahre lang sehr gut gelebt. Ob Broadcom diese Tradition fortsetzt, bleibt abzuwarten.“