Channel Fokus: Digital Workplace & Mobility Gipfelstürmer Notebook-Markt
Ein zweistelliges Wachstum konnte der PC-Markt im letzten Quartal verzeichnen. Das hat es seit 2011 nicht mehr gegeben. Das Plus ging komplett auf das Konto der für das Homeoffice angeschafften Notebooks. Neue CPUs sollen dafür sorgen, dass der Trend anhält.
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Während viele Branchen unter den Beschränkungen wegen Covid-19 leiden, haben die PC-Hersteller und damit der ITK-Channel davon profitiert. Denn viele Unternehmen haben ihre Beschäftigten ins Homeoffice geschickt und mussten eilends für eine passende IT-Ausstattung in Form von Notebooks, Monitoren und passenden Peripheriegeräten sorgen. Damit wurde der schon seit einiger Zeit sichtbare Trend zum Arbeiten in den eigenen vier Wänden und zum mobilen Office rapide beschleunigt. Und so wie es aussieht, wird er auch weiter anhalten. Mit der Anschaffung der Geräte ist es aber nicht getan. IT-Abteilungen und betreuende Systemhäuser bei kleineren Unternehmen ohne eigenes IT-Personal müssen für das Homeoffice geeignete Remote-Access-, Management- und Security-Lösungen anschaffen und einrichten, um ein sicheres und produktives Arbeiten zu ermöglichen. Dazu kommen noch weitere Kommunikations- und Kollaborationslösungen.
Laut Markus Hollerbaum, Geschäftsführer bei Siewert & Kau, statten einige Firmen inzwischen Angestellte auch im Homeoffice mit Desktop-PCs aus, wenn ein mobiles Arbeiten nicht notwendig ist. Die Desktop-Rechner sind günstiger und teilweise mit mehr Remote-Management-Funktionen ausgestattet, als das bei vielen Notebooks der Fall ist. Zudem ist die aktuelle Generation der Desktop-Rechner trotz hoher Leistung sehr kompakt und stromsparend geworden.
Daneben hat auch das Homeschooling für eine steigende Nachfrage nach mobilen Geräten wie Notebooks, Convertibles und Tablets gesorgt, da viele Eltern schnell feststellen mussten, dass ein Smartphone für die Teilnahme an einem digitalen Unterricht keinesfalls ausreicht. Im Rahmen des laufenden DigitalPakts Schule hat der Bund ein 500 Millionen Euro schweres Sonderprogramm aufgelegt, um Schüler mit Leihgeräten zu versorgen. Zudem gibt es Pläne, alle Lehrkräfte mit Dienstnotebooks auszurüsten, dabei geht es um etwa 800.000 Geräte.
Einen Aufschwung durch das Homeoffice gab es nicht nur bei Notebooks. Die Monitorhersteller und die Anbieter von Eingabeperipheriegeräten berichten ebenfalls von einer sehr hohen Nachfrage, da ein Notebook für ein ganztägiges Arbeiten ohne zusätzliches großes Display, Maus und Keyboard nicht möglich ist. Bei Monitoren sind vor allem Geräte mit größeren Diagonalen und integrierter USB-C-Docking-Station sehr gefragt. Als Display für Desktop-Rechner im Homeoffice bieten sich Modelle mit integrierter Webcam für Videokonferenzen an.

Business-Notebooks: Flacher, leichter und mehr AMD-Prozessoren
Bei den Business-Notebooks geht der Trend weiter zu dünneren und leichteren Geräten. Hier haben viele Hersteller die Ränder um die Displays auf ein absolutes Minimum geschrumpft und ermöglichen so kompaktere Geräte bei gleicher Displaydiagonale. Der Einsatz sehr kleiner Webcam-Module ermöglicht trotz des schmalen Rahmens den Einbau der Kamera über dem Panel. Schicke Gehäuse aus Aluminium finden sich inzwischen auch bei Notebooks der mittleren Preisklasse. Das Design steht dem von Consumergeräten kaum nach. Erfreulicherweise ist bei den meisten Modellen trotz der flachen Bauform die Möglichkeit des Tauschs von Komponenten wie dem Akku oder der M.2-SSD erhalten geblieben. Beim Arbeitsspeicher sind oft acht GB fest aufgelötet und ein zusätzlicher SODIMM-Slot für eine Erweiterung eingebaut. Die meisten Notebook-Familien sind sowohl in der Clamshell-Bauform als auch als etwas kostspieligeres Convertible-Modell erhältlich. Die Notebooks und Convertibles der Premium-Kategorie sind meist noch etwas flacher und leichter als die preisgünstigeren Geräte. Zudem findet man hier Ausstattungsmerkmale wie 4K‑OLED-Panels oder die ersten 5G-Module. Viele Hersteller statten ihre Business-Geräte zudem mit zusätzlichen Sicherheitsfunktionen auf Firmware-Ebene aus, wie Fingerprint-Reader, Infrarot-Sensoren für die Gesichtserkennung und Privacy-Funktionen wie abschaltbare Webcams. Zudem sind als Option bei etlichen Geräten Privacy-Displays mit elektronisch aktivierbarer Einschränkung des Blickwinkels verfügbar.
Das weitgehende Monopol von Intel-Prozessoren im Notebooksektor hat AMD mit dem mobilen Ryzen erfolgreich gebrochen. Der aktuelle Ryzen 4000 ist deutlich schneller als Intels Core-Prozessoren der 10. Generation und kann selbst in der sparsamen U-Version mit bis zu acht Cores und einer flotten integrierten Radeon-Vega-GPU aufwarten. Intel kontert mit dem neuen 10-nm-Prozessor Tiger Lake, der ersten Core-CPU der 11. Generation. Er verfügt zwar weiterhin nur über vier Kerne, dafür aber mit der Iris Xe über eine für Mobilprozessoren sehr schnelle Grafikeinheit. Zudem will Intel die Leistung der einzelnen Cores erheblich gesteigert haben. Mit Evo hat Intel für Tiger-Lake-Geräte eine Plattform-Spezifikation eingeführt, mit der die Hersteller auch werben können, wenn sie die Anforderungen erfüllen. Der Prozessorhersteller bietet zudem Hilfen beim Systemdesign.
Für leistungsstärkere Geräte wie mobile Workstations oder die relativ neue Gattung der schicken und schnellen Creator-Notebooks kommen neue Prozessoren erst Anfang 2021. AMD schickt dann die Mobil-Version des AMD Ryzen 5000 an den Start. Intel bringt als Gegenspieler den Tiger Lake H mit ebenfalls bis zu acht Cores. Notebooks mit ARM-Prozessor sind dagegen trotz flacher Bauform und langer Akkulaufzeit weiterhin eine Randerscheinung. Allerdings kommen aktuell Geräte mit schnelleren Prozessoren auf den Markt, zudem will Microsoft im kommenden Jahr die noch fehlende Emulation von 64-Bit-Programmen nachliefern. Apple plant dagegen ab diesem Jahr einen schrittweisen Umstieg auf ARM bei allen Rechnern.
Hersteller treiben As-a-Service-Modelle für den Workplace voran
Beim Vertriebsmodell sind einige Hersteller und Distributoren intensiv damit beschäftigt, As-a-Service-Modelle zu etablieren. Ein erster Schritt sind modular aufgebaute Workplace-as-a-Service-Konzepte auf Subskriptionsbasis, die Desktop, Cloud und teilweise weitere Hardware kombinieren. Meist sind diese Konzepte rund um Office 365 oder Microsoft 365 herum aufgebaut und ergänzen die Desktop- und Cloud-Software um automatisierte Installations- und Wartungs-Services. Systemhäuser können für ihre Kunden das Paket um Bestandteile aus dem eigenen Portfolio ergänzen.
Mit den noch einen Schritt weiter gehenden Device-as-a-Service-Lösungen sollen die Kunden die Möglichkeit bekommen, ihren Hardwarebestand über die Laufzeit hinweg flexibel an ihren tatsächlichen Bedarf anzupassen, was bei Workplace-as-a-Service-Angeboten nur sehr eingeschränkt möglich ist. Device as a Service soll mit Planung, Konfiguration, Rollout, Management, Support und schließlich Abholung sowie Wiederverwertung der Geräte den kompletten Lebenszyklus abdecken. Dabei spielen auch Technologien wie Big Data und Data Analytics eine Rolle. Auf den Rechnern installierte Software sammelt Telemetriedaten über den Zustand von Hard- und Software, die anonymisiert mittels Machine-Learning-Verfahren ausgewertet werden, um Probleme und fehlerhafte Hardware bereits im Vorfeld zu erkennen. Das kann speziell im Homeoffice sinnvoll sein, da es längere Ausfallzeiten verhindert. Allerdings eignet sich Device as a Service nicht für alle Kunden und vor allem nicht für alle Systemhäuser, da diese häufig eigene Servicemodelle anbieten und hier nicht unbedingt die Hersteller in diesem Ausmaß ins Boot holen wollen.
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